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Ohne Standard schlechte Chancen

(8.2.2010) Etwa 8000 Frauen in der Bundesrepublik werden jährlich mit der Diagnose Eierstockkrebs konfrontiert. Doch Eierstockkrebs wird zu oft falsch behandelt. Pille bleibt die beste Art der Vorsorge.

(hs) Etwa 8000 Frauen in der Bundesrepublik werden jährlich mit der Diagnose Eierstockkrebs konfrontiert. Die schwere Tumor- Erkrankung des Produktionsortes der menschlichen Eizellen kommt schon grundsätzlich mit schwachen Heilungschancen daher: „Mehr als 50 Prozent der Patientinnen überleben den Krebs nicht, der meistens erst in fortgeschrittenen Stadien entdeckt wird“, sagt Prof. Dr. Annette Hasenburg, Expertin der Universitäts- Frauenklinik für gynäkologische Krebserkrankungen.

Umso erstaunlicher ist es, dass bei der Behandlung von Eierstockkrebs immer wieder Fehler gemacht werden. Damit sinken die Chancen einer Heilung weiter. „Es gibt eigentlich seit Langem einen Therapie-Standard“, so Hasenburg zum Stand des Wissens über den tückischen Krebs. Die Kombination einer Behandlung mit der Chemotherapie Carboplatin- Taxol und einer standardisierten Operation zur Entfernung des Tumor-Gewebes bietet ohne Zweifel die besten Heilungschancen.

Bei einer derartigen Therapie leben zwei Jahre nach der Diagnose noch über 75 Prozent der behandelten Patientinnen. Werden die Patientinnen jedoch nicht optimal operiert und bekommen beispielsweise nicht die Standard-Chemotherapie, sinkt die Überlebenschance nach zwei Jahren auf unter 50 Prozent. Hasenburg: „Das Problem ist, dass jeder Gynäkologe in Deutschland Eierstockkrebs behandeln darf. Es gibt keine verbindlichen Vorschriften.“ Die Krebs-Expertin verweist auf eine jüngst im September aktualisierte Studie, die im Auftrag der „Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie“ (AGO) laufend fortgeschrieben wird.

Daran haben sich im Jahr 2004 bundesweit 245 Kliniken beteiligt. Das Ergebnis ist ernüchternd. Eine „optimale Behandlung“ erhalten nur rund 42 Prozent der Patientinnen – in den meisten Fällen wird also am bekannten Standard vorbeitherapiert. Das Problem ist dabei nicht etwa der Unwille der Ärzte, Standards umzusetzen, sondern häufig mangelnde Erfahrung und Unwissen. Spezialisierte Ärzte in gynäkologischen Krebszentren, die regelmäßig Eierstockkrebs behandeln, können eher gewährleisten, dass die komplexe Therapie wie vorgesehen läuft. „Das wichtigste Ziel jeder Operation muss es sein, den Tumor komplett zu entfernen. Dazu bedarf es einer hohen Expertise“, so Hasenburg.

Erstkontakt und Beratung:

Universitäts-Frauenklinik
Prof. Dr. Annette Hasenburg
Tel.: 07 61/270-29 44

Die Expertin appelliert daher an betroffene Frauen, sehr genau hinzusehen, wenn es um die Wahl der richtigen Klinik geht. „Die Studie hat zweifelsfrei bewiesen, dass die Behandlung in Krankenhäusern und gynäkologischen Krebszentren mit hohen Fallzahlen – dazu gehört auch die Universitäts-Frauenklinik – und solchen, die freiwillig an Studien wie die der AGO teilnehmen, deutlich besser ist“, sagt Hasenburg.

Wer es so weit nicht kommen lassen will, der kann sehr effektiv sein eigenes Risiko, im Alter an Eierstockkrebs zu erkranken, senken. Je weniger Zyklen der Eierstock im Leben absolviert, desto geringer ist die Chance, dort einen Tumor zu bekommen. Mit regelmäßiger Einnahme der Pille sinkt die Wahrscheinlichkeit, an Eierstockkrebs zu erkranken um etwa 40 Prozent. Hasenburg: „Und dies ist nur eine Krebsvariante, die durch die Pille weniger häufig auftritt.“ Mögliche Risiken der Pille müssen jedoch gegen diesen „Vorbeuge-Effekt“ abgewogen werden. Daneben ist vor allem der regelmäßige Gang zu Vorsorgeuntersuchungen angeraten – und rascher ärztlicher Rat bei plötzlichen und unerwartet auftretenden Beschwerden wie der Zunahme des Bauchumfangs, Blähungen oder Stuhlunregelmäßigkeiten.

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