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Wanderfreudige Schleimhaut: Endometriose

(10.1.2011) Gebärmutterschleimhaut, die außerhalb des Uterus wächst, kann starke Beschwerden verursachen. An der Universitäts-Frauenklinik Freiburg wird deshalb ganzheitlich erforscht und behandelt.

Eine wenig bekannte chronische Krankheit, für die es noch nicht einmal einen deutschen Namen gibt: die Endometriose. „Von innen (Endo) aus der Gebärmutter (Metra) kommende Erkrankung“, lautet die Übersetzung des altgriechischen Begriffs. Endometriose ist eine gutartige, meist jedoch schmerzhafte Ansiedlung von Gebärmutterschleimhaut außerhalb des Uterus. „Jede zehnte Frau im geschlechtsreifen Alter zwischen 15 und 55 ist davon betroffen“, weiß Professor Dr. Gerald Gitsch, Ärztlicher Direktor der Universitäts- Frauenklinik.

Die Symptome: Schmerzen während der Regelblutung, aber auch beim Geschlechtsverkehr, Wasserlassen oder Stuhlgang. Außerdem ist Unfruchtbarkeit eine häufige Folge der Erkrankung. Oft vergeht eine lange Zeit von den Anfangsbeschwerden bis zur richtigen Diagnose: „Im Durchschnitt sind das sechs Jahre“, meint Oberarzt Dr. Jörg Woll, der gemeinsam mit Prof. Dr. Gerald Gitsch die Ursachen der Erkrankung erforscht – denn bisher ist unklar, weshalb manche Frauen eine Endometriose bekommen und andere nicht.

Das Grundproblem ist eine übereifrige Gebärmutterschleimhaut, die sich an Orten niederlässt, an denen sie nichts zu suchen hat: in den Eierstöcken, den Eileitern, zwischen Gebärmutter und Dickdarm, der Harnblase, am Bauchfell oder sogar am Blinddarm. Auf diese Abwege gerät sie zumeist bei der Regelblutung: Zu Beginn der Menstruationsphase wird die Gebärmutterschleimhaut abgelöst und mit Blut hinausbefördert – dabei fließt ein Teil den „falschen“ Weg durch die Eileiter in die Bauchhöhle und kommt natürlich mit allem in Kontakt, was sich im Bauch befindet. In manchen Fällen bleiben sie gewissermaßen hängen und siedeln sich an. Eine solche Schleimhaut-Kolonie außerhalb der Gebärmutter reagiert genauso wie die normale Schleimhaut auf die hormonelle Steuerung des Menstruationszyklus – sie löst sich ab und baut sich wieder auf, manchmal wächst sie dabei noch weiter. Wenn sich die Schleimhaut in den Eileitern niederlässt, kann es auch zu einer „tubaren“ Sterilität kommen, bei der die Eizelle nicht mit dem Samen des Mannes zusammenkommen kann. Warum diese unerwünschte Ansiedlung überhaupt stattfindet, ist der Wissenschaft noch unbekannt. „Wir vermuten, dass es etwas mit einer defekten Abwehr des Immunsystems zu tun hat – ähnlich wie bei Krebszellen“, sagt Experte Gitsch und fügt hinzu: „Eine Endometriose ist aber anders als Krebs keine lebensgefährliche Krankheit.

Aus diesem Grund wurde sie bislang wenig erforscht – obwohl so viele Frauen darunter leiden.“ Dr. Jörg Woll ergänzt: „Endometriose ist die häufigste gynäkologische Erkrankung bei Frauen. In vielen Fällen ist sie der Grund für ungewollte Sterilität: Von den Frauen, die in die Sprechstunde unserer Kinderwunschambulanz kommen, hat jede Dritte eine Endometrioseproblematik.“ Die Krankheit und ihre Symptome müssen aber nicht hingenommen werden. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, die Abhilfe schaffen können. Die häufigsten Behandlungsformen sind ein operativer Eingriff mit Entfernung der Endometrioseherde, oder eine Hormontherapie. In besonders heftigen Fällen kann auch künstlich die Menopause eingeleitet werden, denn Frauen nach den Wechseljahren macht die Endometriose nicht mehr zu schaffen, da sie keinen Menstruationszyklus mehr haben. Ein Patentrezept für die Behandlung gibt es aber nicht – dafür sind die Krankheitsbeschwerden und ihre Ursachen zu verschieden: „Einige Patientinnen haben fast keine Schmerzen und doch eine fortgeschrittene Erkrankung – andere starke Schmerzen, aber fast keinen Befall“, so Dr. Jörg Woll.

Jede Therapie wird daher individuell auf die einzelne Patientin abgestimmt, besonderes Augenmerk wird dabei auch auf die Behandlung der Schmerzen gelegt. Für eine erfolgreiche Behandlung arbeiten an der Frauenklinik die unterschiedlichsten Spezialisten eng zusammen: Gynäkologen, Chirurgen, Anästhesisten, Endokrinologen und auch Psychotherapeuten. Die jeweilige Patientin und ihre Bedürfnisse stehen dabei im Mittelpunkt. Prof. Dr. Gerald Gitsch sagt: „Eine 23-Jährige, die gerne Kinder möchte, behandeln wir natürlich anders als eine 46-Jährige, die keinen Kinderwunsch hat.“

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