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Neuer Schwung in der Hüfte
(16.6.2010) Künstliche Hüftgelenke: Die künstlichen Gelenke und Gelenkpfannen geben längst nicht nur älteren Menschen ihr Gehvermögen zurück. Der Trend geht zu kleineren und individuellen Modellen.
Der Traum vom Ersatzteillager für den Menschen ist in wenigen Disziplinen so weit fortgeschritten wie bei künstlichen Gelenken und Knochen. Unter diesen, sogenannten Endo-Implantaten, ist das künstliche Hüftgelenk wohl der prominenteste Vertreter. Rund 200 000 der verschiedenen Varianten dieser Prothesen werden allein in der Bundesrepublik jährlich verpflanzt.
Die künstlichen Gelenke und Gelenkpfannen geben längst nicht nur älteren Menschen ihr Gehvermögen zurück. Auch junge Menschen profitieren heute von speziell angepassten und besonders lange haltbaren Modellen. Oft beginnt das Leiden mit der Hüfte mit einem sogenannten „Anlaufschmerz“ im Bereich der Leiste, der nach kurzer Zeit wieder verfliegen kann.
Selbst wenn noch keine ständigen Schmerzen auftreten, ist das ein Grund den Arzt aufzusuchen, denn zu diesem Zeitpunkt gibt es noch Möglichkeiten, ein Kunstgelenk zu vermeiden. Oft kommt der Patient aber nicht um die Gelenks- Operation herum. „Wir sind heute an einem Punkt, an dem sich die Standfestigkeit der Prothesen erheblich verbessert hat“, sagt der Orthopädieexperte am Universitätsklinikum, Dr. Martin Haag, über die Gesundungs-Chancen mit einer neuen Hüfte.
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Nach 20 Jahren sind in der Regel noch über 90 Prozent aller implantierten künstlichen Gelenke in Ordnung. Das liegt auch daran, dass Ärzte sehr genau überlegen, was bei Patienten „erneuert“ werden muss. Die Möglichkeiten beginnen beim Einsatz lediglich eines künstlichen Hüftkopfs am Oberschenkelknochen. Sie können bei Bedarf um eine künstliche Hüftpfanne – darin „gleitet“ der Hüftkopf – erweitert werden.
Oberste Maxime bei allen Varianten ist, den Eingriff in den Körper so gering wie möglich zu halten. Diese Praxis macht sich besonders bezahlt, wenn es um die Revision einer Hüftprothese geht: „Kommen ältere Menschen mit einer Standzeit des Gelenks von über 20 Jahren oft gut über die Runden, muss ein junger Mensch mit einer Revision des Gelenks im Laufe seines Lebens rechnen“, sagt Experte Haag. Daher wird bei solchen Operationen gerne auf Prothesen mit besonders kurzen Schäften zurückgegriffen und auf eine Zementierung im Knochen mittels spezieller Kleber verzichtet.
Der kurze Schaft lässt Platz für eine spätere, neue Prothese. Und die passgenaue Verbindung von Prothese und Knochen ohne Zementierung senkt die Gefahr, dass der Kleber eines Tages brüchig oder spröde wird. „Was am Ende implantiert wird, muss auf jeden Fall sehr individuell mit dem Patienten besprochen werden“, erklärt Haag die Herausforderung, im Dschungel der Möglichkeiten die für einen Patienten passende Variante zu finden. Bei dieser Entscheidung spielt auch die Wahl des richtigen Prothesen- Materials eine Rolle.
So gibt es Prothesen und ihre Bestandteile aus verschiedenen Metalllegierungen, aus hochfesten Kunststoffen und aus Keramik. „Standard sind heute ein Pfanneneinsatz aus Kunststoff oder Keramik und ein passender Keramik- Gelenkkopf“, sagt Dr. Haag. Das Risiko einer Verrenkung ist im Alltagseinsatz gering, Bruchgefahr und Materialabnutzung ebenfalls. Bei bestimmten Lebensgewohnheiten oder Berufen greifen die Ärzte dennoch zu speziell angepassten Material- Kombinationen. Dabei ist laut Haag zu beachten, dass neue Technologien und Materialien Chancen bieten, die Sicherheit der Standard-Modelle weiter zu steigern.














