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Wenn´s juckt, schmerzt, tropft und brennt …
(28.12.2009) Eine zeitlang sah es so aus, als ginge von Geschlechtskrankheiten keine große Gefahr mehr aus. Doch in den letzten Jahren ist wieder ein verstärkter Anstieg zu beobachten. Gründe hierfür gibt es mehrere.
(bw) „Geschlechtskrankheiten nehmen wieder zu“, berichtet PD Dr. Maja Mockenhaupt, Oberärztin der Universitäts-Hautklinik Freiburg. „Während wir zu Beginn der 1990er Jahre kaum Patienten mit Syphilis in unserer Klinik behandelt haben, hat die Zahl der Betroffenen in den letzten Jahren deutlich zugenommen“. Syphilis tritt vermehrt bei homosexuellen Männern, die nicht selten eine bereits bekannte HIV-Infektion haben, auf. Auch Migranten, die aus Ländern kommen, in denen Syphilis oftmals nicht behandelt wird, sind vermehrt betroffen. Aber auch Personen, die keiner sogenannten Risikogruppe angehören, können sich infizieren und die Erkrankung weitergeben. Geschlechtskrankheiten kommen typischerweise in dem Alter vor, in dem die Menschen sexuell aktiv sind. Eine Häufung von sexuell übertragbaren Erkrankungen tritt daher zwischen dem 20. und dem 50. Lebensjahr auf. Das heißt aber nicht, dass bei jüngeren oder älteren Personengruppen keine Geschlechtskrankheiten anzutreffen wären. Gerade die am häufigsten verbreitete sexuell übertragbare Krankheit, die Chlamydien-Infektion, tritt sehr häufig schon in jungen Jahren auf.
Folgen können Unfruchtbarkeit und Zeugungsunfähigkeit sein
In einer Untersuchung an Berliner Schulen wurden bei jedem zehnten 17jährigen Mädchen Chlamydien festgestellt. Das Robert-Koch-Institut rechnet mit jährlich etwa 300.000 genitalen Chlamydien-Infektionen in Deutschland. Die meist zunächst symptomlos verlaufende Infektion geht bei 20 Prozent der Frauen in eine Entzündung der Fortpflanzungsorgane im kleinen Becken über. „Im schlimmsten Fall kommt es zu einer Eileiterentzündung“, erklärt Professor Gerald Gitsch, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Freiburg. „Beim Abheilen entstehen wulstige Narben im Eileiter, die eine Unfruchtbarkeit hervorrufen können.“ Aber nicht nur für Frauen stellt die Chlamydien-Infektion eine Gefahr dar. Bei Männern können die Bakterien eine Entzündung der Harnröhre auslösen, was eine Zeugungsunfähigkeit zur Folge haben kann. „Das Problem ist, dass die Chlamydien-Infektion bei Männern in etwa fünfzig Prozent der Fälle ohne Symptome verläuft“, berichtet Professor Ulrich Wetterauer, Ärztlicher Direktor der Urologie des Universitätsklinikums Freiburg. „Unfruchtbarkeit und Zeugungsunfähigkeit; diese möglichen fatalen Folgen sind unter Jugendlichen leider viel zu wenig bekannt. Eine bessere Aufklärung ist hier dringend notwendig.“
Safer Sex bietet größten Schutz
In den 1980er und 90er Jahren war die Angst groß, sich mit dem HI-Virus zu infizieren. Dies führte zu einem vermehrten Gebrauch von Kondomen. In den letzten Jahren hat die Angst, gerade unter Jugendlichen, sich mit dem Aids-Erreger anzustecken, stark abgenommen. „Berichte über immer bessere Behandlungsmöglichkeiten bei Aids nehmen scheinbar vielen die Furcht vor dieser immer noch nicht heilbaren Krankheit“, vermutet Professor Wetterauer, der auch Vorsitzender des Informationszentrums für Sexualität und Gesundheit (ISG) ist. „Kampagnen zum Safer Sex müssen daher stärker unterstützt werden.“ Aber auch der Gebrauch von Kondomen allein schützt nicht vollständig: Chlamydien, aber auch Gonorrhoe und Syphilis werden als Schmiereninfekte übertragen. „Kondome bieten daher keinen hundertprozentigen Schutz, es kann schon beim Vorspiel zu einer Ansteckung kommen“, warnt Dr. Mockenhaupt.
InfokastenInformationen zum Thema Sexualität und Gesundheit finden Sie auf der Homepage des Informationszentrums für Sexualität und Gesundheit (ISG) hier... |
Viele gehen aus Scham nicht zum Arzt
Kommt es zu einer Geschlechtskrankheit, gehen viele Betroffene aus Scham nicht zum Arzt. „Ich kann nur jedem raten, bei Jucken, Brennen, oder Rötungen an den Genitalien sofort einen Arzt aufsuchen“, bekräftigt Dr. Mockenhaupt. Gegen Chlamydien, Syphilis und Gonorrhoe helfen heute Antibiotika. Ein Impfstoff schützt vor manchen Erregern von Genitalwarzen. Gegen Genitalherpes oder HIV kann dagegen nur symptomatisch vorgegangen werden. Die Viren bleiben ein Leben lang im Körper.














