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Wenn Getreide krank macht – Zöliakie

„Ist da Mehl drin?“ Wenn Patrick S. in einem Restaurant Essen bestellen will, muss er erst eine Reihe von Fragen klären, denn Patrick S. leidet wie 400.000 andere Menschen in Deutschland unter der Krankheit Zöliakie. Sein Körper verträgt das in den meisten Getreidesorten enthaltende Gluten nicht. Wer die Diagnose Zöliakie erhält, muss für den Rest des Lebens seinen Alltag und die Ernährung komplett der Krankheit anpassen.

(bw) Als bei Patrick S., 29 Jahre alt, vor zwei Jahren Zöliakie diagnostiziert wurde, hatte er seit Jahren Magen-Darm-Probleme. Doch erst ein Antikörpertest und eine anschließende Magenspiegelung, bei der Gewebeproben aus dem Dünndarm entnommen werden, brachten den Grund der jahrelangen Beschwerden zum Vorschein: Zöliakie, eine chronische Erkrankung des Dünndarms, die auf einer angeborenen, lebenslangen Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten beruht. Gluten ist Bestandteil der Getreidesorten Weizen, Dinkel, Grünkern, Roggen, Gerste, Hafer und kommt so in sehr vielen Lebensmitteln vor.

Dünndarm wird geschädigt

„Durch die Aufnahme von Gluten entstehen bei Zöliakie-Patienten massive Schädigungen der Dünndarmschleimhaut“, so Professor Dr. Robert Thimme, Geschäftsführender Oberarzt der Abteilung Innere Medizin II des Universitätsklinikums Freiburg. „Durch die Unverträglichkeitsreaktion auf das Gluten werden die Dünndarmzotten beschädigt und ihre Oberfläche reduziert. Die Resorption von Nährstoffen ist somit nicht mehr voll gewährleistet.“

Unterschiedlichste Symptome können auf Zöliakie hinweisen

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Das Problem bei der Diagnose von Zöliakie, früher auch Sprue genannt, sind die vielen unterschiedlichen Symptome, die die Betroffenen haben können. Sie reichen von Appetitlosigkeit, Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfällen bis zu untypischen Symptomen wie starken Kopfschmerzen oder andauernder Müdigkeit bis hin zu schweren Langzeitfolgen wie Osteoporose. Im Kindesalter sind die Symptome oft ein aufgeblähter Bauch und Wachstumsprobleme aufgrund der mangelnden Aufnahme von Nährstoffen. „Wird die Krankheit über Jahre hinweg nicht therapiert, ist das Risiko für Tumoren 30 Prozent höher als bei der Normalbevölkerung. Besonders häufig sind Lymphdrüsentumoren“, warnt Professor Thimme.

Nur eine lebenslange glutenfreie Ernährung hilft

Infokasten

Weiterführende Informationen zum Thema Zöliakie finden Sie auf der Homepage der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e.V. mehr…

Die Homepage der Abteilung Innere Medizin II finden Sie hier…

Informationen zur Abteilung Ernährungsmedizin und Diätetik finden Sie hier…

Da Zöliakie eine Autoimmunerkrankung ist, die durch keine Medikamente geheilt oder verbessert werden kann, ist die einzige Behandlungsmethode die strikte lebenslange glutenfreie Ernährung. Und das ist im Alltag oft komplizierter, als es auf den ersten Blick scheint. Denn Gluten ist nicht nur in Brot, Keksen und Kuchen enthalten. Auch in sehr vielen Fertigprodukten, Saucen, Gewürzmischungen, Schokolade, Senf, Eis und sogar in Medikamenten findet sich Gluten.

Starke Beeinträchtigungen im Alltag

Für Betroffene wie Patrick S. ist es daher fast unmöglich kurz in der Stadt etwas zum Essen zu finden oder sich spontan zum Frühstück zu verabreden. „Meine Freunde haben sich inzwischen daran gewöhnt, dass ich mein eigenes, glutenfreies Brot mit mir rumtrage und ständig die gleichen Fragen stelle: ‚Ist da Mehl drin? Ist das paniert? Kann ich mal die Verpackung sehen?’“ Es gibt heute zwar eine ganze Reihe von diätischen glutenfreien Produkten wie Brot und bestimmte Kekse zu kaufen, doch sind diese sehr viel teurer als die normalen Lebensmittel und nur in ausgewählten Geschäften zu finden.

Schon wenige Gramm Mehl können schwere Symptome auslösen

Professor Hartmut Bertz, Leiter der Sektion Ernährungsmedizin und Diätetik am Universitätsklinikum Freiburg, rät Zöliakie-Patienten sich regelmäßig untersuchen zu lassen, ob sie ausreichend mit Vitaminen und Nährstoffen versorgt sind. Denn aufgrund der eingeschränkten Ernährungsmöglichkeiten kommt es immer wieder vor, dass Patienten unter Leistungsabfall und Erschöpfung leiden. „Auch wenn dies für die Betroffenen starke Einschränkungen im Alltag bedeutet, ist es extrem wichtig, die glutenfreie Diät strikt durchzuhalten“, so Professor Bertz. Denn: „Schon die geringsten Mengen an Gluten können zu schweren Rückfällen führen und es kann Monate dauern, bis sich die Darmzotten regenerieren“. Diese Warnung kann Patrick S. aus eigner Erfahrung nur betätigen: „Wenn ich meine Krankheit nur kurz vergesse und auf einer Party in die falsche Chips-Tüte greife, habe ich tagelang Magen-Darm-Beschwerden“.

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