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Ein neues Herz, ein neues Leben
(5.10.2009) Es ist noch nicht lange her, da war für Nicolai eine Herztransplantation die letzte Chance. Heute träumt der 18-jährige bereits von einer Teilnahme an den Weltspielen der Transplantierten. Sein Schicksal macht Mut.
Von Hannah Klima
Seine gute Laune steckt an, die schwere Zeit im Krankenhaus scheint fast spurlos an Nicolai vorüber gegangen zu sein. Nur manchmal muss er wegen seines erhöhten Infektionsrisikos noch einen Mundschutz tragen. Aber Nicolai weiß jeden Tag zu schätzen. Erst vor einen halben Jahr wurde dem 18-jährigen Schüler im Universitätsklinikum Freiburg mit einer Herztransplantation ein neues Leben geschenkt.„Als Transplantierter kann man eigentlich alles machen“, erzählt Nicolai Stockfisch.Jedes Jahr finden die Weltspiele der Transplantierten statt bei denen sich mehr als tausend Transplantierte aus über fünfzig Ländern einfinden, um sich sportlich zu messen. Auch er wäre gerne einmal dabei.
„Alles kam so überraschend für mich“
Nicolai hatte zwar bereits von Geburt an Nicolai ein schwaches Herz und bekam schon mit fünfzehn einen Herzschrittmacher, doch das er bereits mit 18 auf eine Herztransplantation angewiesen ist, damit hatte niemand gerechnet. Doch letzten Sommer spitze sich die Lage zu: Nicolai fühlt sich zunehmend unwohl und beschließt sich in der Uniklinik untersuchen zu lassen. Dass er hier nur zehn Wochen später ein neues Herz bekommen soll, davon ahnt er zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Seine Herzleistung ist bereits auf ein Drittel der üblichen Leistung geschrumpft, als die Ärzte einen Defibrillator implantieren. Dennoch stellt sich keine Besserung ein.
„Ich wog nur noch 48 Kilo“
Nicolais Herz ist nicht mehr therapierbar, die Herztransplantation wird zur letzten Alternative. Die behandelnden Ärzte setzen Nicolai auf die Warteliste der Stiftung Eurotransplant, die die Verteilung von Spenderorganen in Deutschland und sechs weiteren europäischen Ländern organisiert. Auf dieser Warteliste wird zwischen niedriger, mittlerer und hoher Dringlichkeit unterschieden. Nicolai wird zunächst auf niedriger Dringlichkeit „gelistet“. Eine schwere Zeit voller Ungewissheit beginnt. Mut machen ihm vor allem seine Familie und Freunde und seine positive Lebenseinstellung. „Ich hatte 15 Kilo abgenommen und war so schwach, dass ich keine zehn Minuten aufrecht im Bett sitzen konnte“, kommentiert Nicolai seine damalige Situation. Doch sein Zustand verschlechtert sich weiter. Nicolai wird schließlich im November auf der Warteliste auf höchste Dinglichkeit („High Urgent“) hochgestuft.
„Zum Glück ging alles so schnell“
Nur zweieinhalb Wochen steht Nicolai auf der „High Urgent“- Liste, bis ein passendes Herz zur Verfügung steht. Er ist einer von wenigen, die das Glück haben, so schnell die lebensrettende Nachricht zu erhalten: „Als ich nachts um halb zwei geweckt wurde, war ich mir erst nicht sicher, ob ich träume“, erinnert er sich. Jetzt muss alles schnell gehen, die Überlebensdauer explantierter Organe beträgt nur vier Stunden.
„Die Ärzte sagen, dass ich ein gutes Herz bekommen habe“
„Ich hatte großes Glück“ erklärt Nicolai, als er an die Operation zurück denkt. Alles verläuft wie im Lehrbuch, ohne Komplikationen und ohne Abstoßungsreaktionen. Von wem sein Herz stammt, weiß Nicolai nicht. Die Spenderorgane werden über Eurotransplant anonym vermittelt, die Daten der Patienten streng vertraulich behandelt. Dennoch empfindet er eine tiefe Verbindung zum Spender: „Ich denke viel an diesen Menschen und bin ihm zutiefst dankbar.“
„Ich sitze nur hier, weil ein anderer Mensch entschieden hat, seine Organe zu spenden“
Damit Organspende in unserer Gesellschaft präsenter wird, engagiert sich Nicolai bei der Initiative „Fürs Leben“ der Deutschen Stiftung für Organspende (DSO), aber auch privat leistet er Aufklärungsarbeit. Bei der Verwandtschaft, im Freundeskreis, in der Schule. „Ein Organspender kann bis zu sieben Leben retten“ gibt mir der sympathische Schüler neben einem Stapel Organspendeausweise mit auf den Weg.
Infokasten- Christiaan Barnard führte 1967 in Kapstadt die erste Herztransplantation durch - Die Stiftung Eurotransplant organisiert die Verteilung von Spenderorganen in Deutschland, Belgien, Luxemburg, Niederlande, Slovenien und Österreich |














