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Wenn der Körper schutzlos ist

(25.8.2010) Für die Diagnose und Behandlung komplexer Immunkrankheiten forscht ein interdisziplinäres Team am Freiburger Centrum für Chronische Immundefizienz.

In unserem Körper steht eine ganze Armada an hochspezialisierten Killerzellen, Molekülen und Organen bereit, um Angreifer wie bösartige Bakterien und Viren oder gemeine Parasiten zu vernichten. Dank dieses hochkomplexen Abwehrsystems kann unser Körper fast 90 Prozent potentieller Infektionskrankheiten eigenständig bekämpfen.

Doch was passiert, wenn das Immunsystem selbst erkrankt? Dann ist der Rat von Spezialisten der körpereigenen Abwehr gefragt. Im Centrum für Chronische Immundefizienz des Universitätsklinikums Freiburg arbeitet ein interdisziplinäres Team an der Erforschung, Diagnose und Behandlung der unterschiedlichen Immunschwächekrankheiten. Sie stehen mit Rat und Tat zur Seite, wenn Patienten mit hartnäckigen oder ungewöhnlichen Infekten in die Klinik kommen. Auch wiederholte Fieberschübe, geschwollene Lymphdrüsen, Entzündungen der Haut oder des Darmes können unter Umständen Anzeichen einer Erkrankung des Immunsystems sein.

Die Ursachen für einen Immundefekt sind vielfältig. Bestimmte Immunkrankheiten können zum Beispiel auf genetische Defekte zurückgeführt werden und sind erblich. Falls ein Fall von Immunschwäche in der eigenen Familie bekannt ist, sollte daher ein Arzt konsultiert werden. Denn nicht immer wird eine Erkrankung des Immunsystems auch als solche erkannt: „Die Immundefizienz wird leider noch zu selten diagnostiziert und behandelt. Deswegen sind spezielle Anlaufstellen wie das Freiburger Centrum für Chronische Immundefizienz für die Diagnostik, Behandlung und Forschung besonders wichtig“, bestätigt Prof. Dr. Stephan Ehl, Leitender Oberarzt des CCI.

Infokasten

Welche Anzeichen können auf eine Immunschwäche verweisen?

1. Anzeichen für eine Immunschwäche bei Erwachsenen und Kindern sind:
• Vorliegen von gehäuften, wiederkehrenden oder schwer verlaufenden Infektionen
• Infektionen an ungewöhnlicher Stelle oder mit außergewöhnlichem Keimnachweis
• Vorliegen eines angeborenen Immundefekts in der Familie

2. Bei Kindern können zusätzlich folgende Anzeichen auf eine Immunschwäche deuten:
• Gedeihstörung (mit/ohne chronischem Durchfall)
• Schwere entzündliche Hauterkrankung
• Impfinfektion nach Lebendimpfung
• Auffälliges Labor: z.B. verminderte weiße Blutkörperchen oder Antikörper

Sonstige Anzeichen einer Infektionskrankheit, bei denen ein Spezialist konsultiert werden sollte?

Bei Auftreten von Infektionen mit Erregern, die bei Immunkompetenten keine Erkrankung auslösen oder bei fehlendem Ansprechen auf eine üblicherweise wirksame antibiotische Therapie sollte ein Spezialist kontaktiert werden. Auch die Kombination von Infektanfälligkeit mit Autoimmunerkrankungen oder unklaren Milz- oder Lymphknotenvergrößerungen sollte zu einer Vorstellung beim Spezialisten führen.

Weitere Informationen zum CCI finden Sie hier...

Das Immunsystem spielt bei vielen und sehr unterschiedlichen Krankheiten eine entscheidende Rolle. Mysteriös für den Laien erscheint die Autoimmunkrankheit, bei der das Immunsystem den eigenen Körper bekämpft. Bei diesen Erkrankungen können die Abwehrzellen nicht mehr zwischen Fremd- und Eigengewebe unterscheiden, was ohne Behandlung zu schweren Schäden der Organe führen kann. Um dies zu verhindern, müssen die Patienten ein Leben lang Medikamente einnehmen, welche die Abwehrreaktionen des Immunsystems unterdrücken. Paradoxerweise treten aber auch bei Immunschwäche vermehrt Autoimmunkrankheiten auf. Hier liegt die Schwäche nicht in der Infektionsabwehr, sondern in der Regulation von Immunantworten, die dann unkontrolliert und überschiessend verlaufen können.

Traurige Berühmtheit erlangte die Immunschwächekrankheit AIDS, die durch eine Infektion mit dem Erreger HIV ausgelöst wird. Während noch Ende der 1980er Jahre eine HIV-Infektion in relativ kurzer Zeit zum Tode des Erkrankten führte, kann heute ein fortgeschrittener Zustand der Immunschwächekrankheit verhindert werden. Dafür ist eine regelmäßige und umfassende Betreuung durch geschultes Fachpersonal erforderlich. So steht auch im Freiburger CCI unter der Leitung von Dr. Susanne Usadel ein eigenes HIV-Zentrum für die Behandlung und Umsorgung von HIV-Patienten bereit.

Die Behandlung von Patienten mit Immunschwächekrankheit ist jedoch nur eine der drei Säulen, auf denen das Centrum für Chronische Immundefizienz basiert. Zu seinen zentralen Aufgaben zählen ebenso die Forschung wie auch die Aus- und Weiterbildung von Fachpersonal. Dabei garantiert das Zusammenspiel von Kinderärzten und Internisten, Spezialisten für Erkrankungen des Immunsystems, Infektionskrankheiten und Bluterkrankungen sowie von Klinikern und Wissenschaftlern innovative und altersübergreifende Forschungsergebnisse. „In Freiburg verfügen wir dank der Integration von Patientenversorgung mit interdisziplinärer Spitzenforschung über vielfältige Behandlungsmethoden“, sagt Prof. Dr. Hans Hartmut Peter, Ärztlicher Direktor der Abteilung Rheumatologie und Immunologie und Sprecher des CCI.

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