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Ein neues Lächeln dank Zahnimplantaten

(22.2.2010) In der Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde bekommen Menschen, die aufgrund von Erkrankungen, Unfällen oder anderen Umständen Zähne verloren haben, ihr Lächeln zurück.

Herta S. liegt mit einem hellgrünen OP-Hemd bekleidet auf einer Liege. Nur ein gleichmäßiges Geräte-Piepsen ist zu hören, während emsig die letzten Geräte bereitgelegt und die Röntgenaufnahmen ihres Kiefers noch einmal eingehend studiert werden. Wo frühere schrille Quietschen des Pilotbohrers die Stille zeriss, ist heute kaum etwas zu hören: anstelle des Bohrers ist ein nahezu lautloses Piezosurgerygerät getreten, das mit Hochfrequenzschwingungen Knochen abträgt. Professor Rainer Schmelzeisen beginnt den Kiefer von Herta S. auf zu bohren.

Die Großmutter dreier Enkel ist es leid, ihre Prothese beim Spielen mit den Kindern immer wieder zu verlieren. Professor Schmelzeisen hat schon alle Altersklassen auf seinem OP-Tisch mit Zähnen ausgestattet. Vorausgesetzt der Kiefer des Patienten war ausgewachsen.

In Freiburg sind es überdurchschnittlich oft Fahrradfahrer, die bei Unfällen in der Regel den Kürzeren ziehen, manchmal aber auch Außnahmepersönlichkeiten, wie der Franziskaner Mönch Gerhard Ruf aus Assisi die Zahnimplantate benötigen. Der Oberkiefer von Herta S. ist schon stark geschwunden. Er wird daher zunächst mit einer Mischung aus Knochenersatzmaterial und Stammzellen aufgebaut. Gleichzeitig können Implantate eingegliedert werden, die nach drei bis vier Monaten vom Hausarzt mit einer festsitzenden Prothese versorgt werden.

Bei größerem Knochenschwund oder Knochendefekten durch Unfälle oder Tumoren können auch Knochenblöcke vom hinteren Unterkieferrand oder von der Innenseite der Beckenschaufel verpflanzt werden. Auch solche Blöckchen werden über ganz kleine Schnitte entnommen. Alle Eingriffe werden in der Regel als ambulante Intubationsnarkosen in einem Tagesklinikaufenthalt durchgeführt. Zahnimplantate können einzelne oder mehrere Zähne ersetzen. Implantate sind Titanschrauben, die in den Kieferknochen eingesetzt werden und als Basis für die neuen Zähne dienen. Auf diesen künstlichen Zahnwurzeln werden Einzelkronen, Brücken oder Prothesen – die so genannte Suprakonstruktion befestigt. Der Kieferknochen muss für so eine Implantation geeignet sein. Ist er das nicht, so gibt es verschiedene Möglichkeiten ihn quasi aufzurüsten. Es können sogenannte Blöcke darangesetzt werden oder kleine Unebenheiten mit Knochenspänen aufgefüllt werden.

Kontakt

Prof. Dr. Dr. Rainer Schmelzeisen
Klinik für Mund- Keifer und Gesichtschirurgie
Tel.: 0761/270-4940
E-Mail: rainer.schmelzeisen@uniklinik-freiburg.de

Anmeldung:
Melanie Flach
Tel.: 0761/ 270-4982 E-Mail: melanie.flach@uniklinik-freiburg.de oder
Eva-Maria Kloesel
Tel.: 0761/270-4940
E-Mail:eva-maria.kloeseol@uniklinik-freiburg.de

Besonders angenehm finden die meisten Patienten jedoch die Auffüllung mit einer Mischung aus eigenem und tierischem Knochenmaterial. Alle diese Verfahren werden vom Team des gebürtigen Hessen Schmelzeisen vor Implantationen je nach Bedarf durchgeführt. Neuerdings können auch - anstelle eigenen Knochens - vom Beckenkamm mit einer feinen Nadel Stammzellen entnommen werden, die mit Knochenersatzmaterial gemischt werden. Damit kann man in ausgesuchten Fällen den Oberkiefer aufbauen.

Professor Schmelzeisen, Ärztlicher Direktor der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, mag seinen Beruf. Das wird deutlich, wenn er mit Begeisterung davon spricht, wie er einem jungen Mann nach einem Fahrradunfall den Kiefer wieder herstellte und etliche Zähne implantierte.

„In unserer Abteilung steht am Ende der meisten Behandlungen ein strahlendes Lächeln“, erzählt er und fährt fort: „das spornt jeden Tag aufs neue an.“ Von alldem bekommt Herta S. in ihrer Narkose nichts mit und nach etwas über einer Stunde wird sie in den Aufwachraum geschoben. Herta S. hat am Ende der Operation noch kein Lächeln auf den Lippen. Im Aufwachraum ist es ruhig und eine Krankenschwester kümmert sich um die Patientin, die erst einmal die Narkose zu verdauen scheint. In drei Monaten jedoch, so lange dauert es in der Regel, bis der neue Kieferknochen gut verheilt ist, wird sie ihre neuen Zähne bekommen und endlich wieder beherzt lachen können.

                                                                                                                                  zurück...