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Kinderwunsch- Träume wahr werden lassen
(2.12.2009) „Die Qualität Ihres Spermiogramms ist leider sehr eingeschränkt“, hatte der Urologe Markus R. erklärt. Die Chance auf natürlichem Weg Kinder zu zeugen, sei sehr gering, so die ernüchternde Diagnose. Doch Anna und Markus R. wünschen sich eigene Kinder.
(bw) Also informierte sich das Paar über Möglichkeiten, die ungewollt kinderlosen Paaren zur Verfügung stehen. Noch vor 30 Jahren hatten kinderlose Paare keine andere Chance, als sich mit ihrem Schicksal abzufinden. Heute werden in Deutschland jährlich etwa 70.000 Paare mit Hilfe der Reproduktionsmedizin behandelt. „Vor einigen Jahren waren es noch doppelt so viele Paare“, berichtet Professor Dr. Hans-Peter Zahradnik, Ärztlicher Direktor der Klinik für Endokrinologie und Reproduktionsmedizin des Universitätsklinikums Freiburg. „Doch nachdem die Krankenkassen ihre Kostenübernahmen halbiert haben, sind die Zahlen derjenigen Paare, die die Reproduktionsmedizin in Anspruch nehmen können, 2004 stark zurückgegangen und nehmen erst in jüngster Zeit wieder etwas zu.“ Und das, obwohl den kinderlosen Paaren heute zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung stehen.
Die In-vitro-Fertilisation (IVF)
Bei der so genannten In-vitro-Fertilisation - was wörtlich übersetzt Befruchtung außerhalb des Körpers bedeutet – werden mehrere zehntausend aufbereitete Spermien mit Eizellen zusammen gebracht. Nach 24 Stunden Inkubation in einem Brutschrank wird kontrolliert, ob die Spermien die Eizellen befruchten konnten und Embryonen entstanden sind. Hat es funktioniert, wird nach zwei bis drei Tagen der Embryo der Frau in die Gebärmutter zurückgegeben.
Die intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)
Bei Anna und Markus R. hingegen wurde die intracytoplasmatische Spermieninjektion, kurz ICSI, angewandt, weil Markus R.´s Spermien aufgrund der geringen Anzahl und eingeschränkten Beweglichkeit selbst im Reagenzglas Eizellen wahrscheinlich nicht befruchten würden. „Bei der ICSI wird von der Reproduktionsbiologin je ein einziges, sorgfältig ausgesuchtes, besonders bewegliches Spermium mit einer Injektionsnadel direkt in die Eizelle injiziert“, erklärt Dr. Lena Otto, Ärztin in der Kinderwunschambulanz der Universitäts-Frauenklinik.
KontaktErste Informationen erhalten betroffene Paare bei den regelmäßig stattfindenden Informationsabenden Kinderwunschambulanz der Universitäts-Frauenklinik Tel.: 0761 / 270 – 3187 Montag, Dienstag, Donnerstag: 08:00 - 16:30 Uhr Mittwoch und Freitag: 08:00 - 13:00 Uhr Die Internetseite der Kinderwunschambulanz finden sie hier... |
Aber was sich hier so einfach anhört, ist mit einigem Aufwand verbunden. So musste Anna R. ihren Körper mit Medikamenten auf die Kinderwunschbehandlung vorbereiten und sich dann über ein bis zwei Wochen immer wieder selbst Hormone spritzen und viermal zu ambulanten Untersuchungen in die Klinik kommen. Es folgte die Entnahme von Eizellen aus den Eierstöcken in einem kleinen ambulanten Eingriff und nach Anwendung der ICSI-Methode die Embryonenübertragung in die Gebärmutter von Anna R. Der erste Versuch schlug fehl. Aufgeben kam aber für das kinderlose Paar nicht in Frage und so unterzog sich Anna R. einer weiteren ICSI-Behandlung. Diesmal klappte es: und nun freut sich das Paar auf Zwillinge.
Die psychische Belastung ist enorm
Dass eine künstliche Befruchtung schon nach dem zweiten Mal klappt, ist nicht selbstverständlich. Die Erfolgsquote liegt bei 30 bis 35 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit erhöht sich zwar mit jedem Versuch, aber sie addiert sich nicht. „Die psychische Belastung für manche Paare ist enorm“, weiß Dr. Lena Otto. Deshalb steht allen Paaren, die sich in der Kinderwunschambulanz behandeln lassen, auch jederzeit ein Psychologe zur Verfügung. Bevor es aber überhaupt zu einer künstlichen Befruchtung kommen kann, müssen eine Reihe von Untersuchungen gemacht werden, um herauszufinden, warum ein Paar kinderlos ist. In der Kinderwunschambulanz der Universitäts-Frauenklinik Freiburg, in der sich jährlich etwa 500 Paare beraten lassen, werden daher sämtliche diagnostischen Maßnahmen zur Abklärung der Ursachen der Unfruchtbarkeit durchgeführt. Dies schließt in Zusammenarbeit mit den Fachkollegen der Klinik für Urologie auch das gesamte Untersuchungsspektrum des unfruchtbaren Mannes ein. Erst wenn alle Ergebnisse feststehen, wird mit dem Paar gemeinsam das weitere individuelle Vorgehen besprochen. Diese diagnostische Phase wird fast immer komplett von den Krankenkassen bezahlt.
Anna und Markus R. hatten kaum noch Hoffnung auf eigenen Nachwuchs, als sie sich an die Kinderwunschambulanz der Universitäts-Frauenklinik wandten. Heute sieht das natürlich ganz anders aus. „Bald sind unsere Zwillinge da, es hat sich gelohnt, ich würde es wieder machen“, erzählt Anna R. freudestrahlend.
Die Kinderwunschambulanz der Universitäts- Frauenklinik betreut nicht nur kinderlose Paare. Es gibt des weiteren Spezialsprechstunden für Patientinnen mit Hormonstörungen oder nach wiederholten Fehlgeburten. Weitere wichtige Aufgaben sind Lehre, Fortbildung und Forschung. So werden regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen für ärztliches und nicht ärztliches Personal angeboten. „Die wissenschaftlichen Schwerpunkte unserer Klinik liegen in der Erforschung der Regulation der Eierstockfunktion und in der Abklärung der Ursache schmerzhafter Regelblutung. Zudem entwickeln wir im Rahmen eines EU-Projekts ein Testsystem, das die Umwelteinflüsse bei der Einpflanzung des Embryos in die Gebärmutterschleimhaut klären soll “, so Professor Zahradnik.














