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Leben mit dem Schmerz

Von Julia Klein

(12.8.2009) Kurzfristige Schmerzen, die bei akuten Verletzungen oder Erkrankungen auftreten, kennen wir alle. Doch kaum einer kann sich vorstellen, was es heißt unter einer chronischen Schmerzkrankheit wie den Clusterkopfschmerzen zu leiden und mit welchen Auswirkungen die Betroffenen zu kämpfen haben.

„Jahrelange Schmerzen kann man nicht in Worte fassen", lautet meist das Fazit der deutschlandweit sieben bis acht Millionen Schmerzpatienten. Das Zentrum für Interdisziplinäre Schmerztherapie der Universitätsklinikum Freiburg hat sich das Ziel gesetzt, diesen Menschen wirkungsvoll zu helfen. Einer der Schwerpunkte liegt dabei auf der Erforschung und Therapie so genannter Clusterkopfschmerzen. Hierbei handelt es sich um eine Erkrankung, die sich durch starke, einseitig auftretende, täglich einfach oder sogar mehrfach aufretende Schmerzattacken (Dauer: 15 Minutenbis 3 Stunden) im Bereich von Auge und Schläfe bemerkbar machen. Wenn Betroffene die Attacken beschreiben, ist häufig die Rede von einem Gefühl, „als ob eine glühende Nadel von hinten durch das Auge getrieben wird“. Diese Schmerzattacken treten entweder das ganze Jahr hindurch regelmäßig oder aber saisonal gehäuft und in Kombination mit weiteren Symptomen, wie Rötung und Tränen des Auges, auf. Die individuelle Ausprägung der Erkrankung, das heißt die genaue Position des Schmerzes, sowie die Häufigkeit und Länge in der er auftritt, variieren jedoch von Patient zu Patient. Auch mögliche Auslöser von Schmerzattacken unterscheiden sich. Während einige Betroffene empfindlich auf grelles Licht oder organische Lösungsmittel reagieren, verursachen dieselben Einflüsse bei anderen Patienten keinerlei negative Auswirkungen.

Jeder Patient leidet auf eine andere Art und Weise

„Die Vielgestaltigkeit der Clusterkopfschmerzen macht eines der Hauptprobleme dieser Erkrankung aus“, so Professor Holger Kaube, Leiter des Zentrums für Interdisziplinäre Schmerztherapie. Denn so einzigartig Ausmaß und Ablauf der Schmerzattacken sind, so unterschiedlich ist auch die Wirksamkeit der Behandlungsansätze. „Zwar existiert mittlerweile eine breite einige Medikamente zu Prophylaxe, doch deren Einnahme kann unterschiedlichste Nebenwirkungen auslösen“, weiß Professor Kaube zu berichten. Und auch hier hängt es wieder vom jeweiligen Patienten ab, ob ein bestimmtes Medikament die Anzahl der Attacken reduzieren beziehungsweise den schon bestehenden Schmerz eindämmen kann. Große Erfolge lassen sich bei etwa 70 Prozent der Betroffenen (Attacken aus dem Schlaf heraus sind mit Sauerstoff oft nicht ausreichend kupierbar) bei einer Behandlung mit reinem Sauerstoff erzielen, die zwar nicht geeignet ist, um die Erkrankung an sich zu therapieren, dafür aber bei akuten Schmerzattacken schnellstmögliche Linderung verspricht. Altenrative Akutmedikamente sind Imigran Injektionen (subkutan) und AscoTop Nasenspray „Eine Operation - Implantation von einem sogenanten Neuromodulator als Heilversuch - kommt nur in Frage, wenn alle weiteren Möglichkeiten bereits ausgeschöpft wurden, ohne dass dabei zufrieden stellende Ergebnis erzielt werden konnten“, berichtet Professor Kaube. Neuromodulation wird diesen Patienten am Interdisziplinären Schmerzzentrum angeboten. Welche Behandlungsmethode dem einzelnen Patienten schlussendlich hilft, können Ärzte und Betroffene nur gemeinsam durch intensive Zusammenarbeit und zielgerichtetes Experimentieren herausfinden.

Der Alltag wird oft unerträglich

Infokasten

Die Homepage des Schmerzzentrums finden Sie hier…

Weiter Informationen zum Thema Clusterkopfschmerz finden Sie hier…

Eine weitere Schwierigkeit der Clusterkopfschmerzen besteht darin, dass es viele Jahre dauern kann, bis sie letztendlich als Erkrankung erkannt und von Außenstehenden auch als solche anerkannt werden. Zu diesem Zeitpunkt haben viele Betroffene schon einen langen Leidensweg hinter sich, denn eine Kopfschmerzerkrankung wird vom sozialen Umfeld und manchen Ärzten oftmals nicht ernst genug genommen. Denn „viele Leute können sich die Schmerzen, die mit einer solchen Attacke einhergehen, einfach nicht vorstellen“, so Kaube. Allzu häufig sind die Folgen Einbußen an Lebensqualität, Isolation oder gar Berufsunfähigkeit. Hier Abhilfe zu schaffen ist das Ziel zahlreicher regionaler Cluster-Selbsthilfegruppen. Sie leisten dazu nicht nur Aufklärungsarbeit bei Ärzten, in der Öffentlichkeit und unter den Patienten selbst. Auch die forschenden Einrichtungen sollen animiert werden, ihre Studien noch engagierter fortzusetzen, um so den Betroffenen früher oder später das Leben mit dem Schmerz etwas erleichtern zu können.

                                                                                                                                        zurück...