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Von lauten Takten und ohrenbetäubendem Lärm
(21.4.2009) Sie dienen eigentlich dem Freizeitvergnügen von Jugendlichen: MP3-Player, Diskotheken und Konzertbesuche. Dabei ist die junge Musikkultur so variantenreich wie experimentierfreudig. Wenn der Beat fetzt und fette Raves über den Verstärker laufen, verschmelzen Mensch und Musik in bewegter, klangsinnlicher Performance und der Rest der Welt bleibt außen vor.
„Soziakusis“ nennt der Fachmann zivilisations- und freizeitbedingte Gehörschäden, die eine alarmierend hohe Anzahl Jugendlicher betreffen. „Während im Berufsleben bei einem Beurteilungsschallpegel ab 85 dB(A) bezogen auf eine 40 Stunden Woche Lärmschutz-maßnahmen vom Gesetzgeber greifen, liegt bei einem Musikgenuss der Hörschutz vorwiegend in der Eigenverantwortlichkeit“, so Professor Roland Laszig, Ärztlicher Direktor der HNO-Abteilung des Universitätsklinikums Freiburg. Doch scheitert dies meist am laut-dynamischen Charakter der Musikevents selbst. Betäubende Berieselung aus dem Kopfhörer eines MP3-Players und berauschende 110 dB(A) aus den Lautverstärkerboxen eines Rockkonzertes sind gewollt und wesentlicher Bestandteil des Konsumgutes. Musik kann leicht zum Lärm werden und Lärm auf Dauer zur Körperverletzung.
Schaden im Innenohr
Spezifisch nachweisbar verursacht Lärm eine Hörminderung, die von einer vorrübergehenden Vertäubung bis hin zur irreversiblen Lärmschwerhörigkeit reichen kann. Charakterisch zeigt sich diese Schallempfindungsstörung bei Lärm in den audiometrischen Tests als C5-Senke, einem akustischen Abfall im Hochtonbereich um 4 kHz. „Lärm wirkt sich bereits kurz nach dem Beginn in der Hörschnecke des Innenohrs aus“, erklärt Professor Laszig: „Die Sinneszellen in der Cochlea werden schlaff, weil die Energieversorgung durch den Stoffwechsel sich erschöpft“. Eine Weile gelingt es dem Hörsystem die Belastung zu kompensieren. Beispielsweise vermag ein akustischer Vorfilter im Innenohr bestimmte Frequenzen selektiv zuzulassen und die auralen Sensoren sind in der Lage, ihre Empfindlichkeit herunter zu regulieren. Das heißt, das Gehirn nimmt den Lärm als nicht mehr so laut wahr wie er eigentlich ist. „Und das ist das Gefährliche am vermeintlichen Musikvergnügen“, erläutert Professor Laszig: „Die Taubheit der Ohren wird nicht mehr als solche bemerkt und die Beschallung noch länger lautstark und lärmender fortgesetzt.“ Irgendwann ist es dann soweit, die müden Sinnes-härchen verkleben und verkümmern, die mechanische Zerstörung setzt ein.
Schutz den Ohren!
„Da helfen keine Pillen und keine Gentherapie“, weiß der HNO-Facharzt, „chronische Lärmexposition führt zu einem Haarzellschaden im Innenohr, der unheilbar ist.“ Daher ist es wichtig, Lärm zu vermeiden. Die Freizeitunterhaltung Musik ist dosierbar. „Der MP3-Player wird schädlich in der Kombination mit anderen Lärmeinwirkungen: Wer gerade mit der Bohrmaschine heimgewerkt hat, mit dem Motorrad unterwegs war oder an einer verkehrsreichen Straße wohnt, für den ist es ratsam, die Gehörbelastung nicht noch durch den häufigen Gebrauch eines MP3-Players zu potenzieren“, schildert Professor Laszig die Situation. Das Gehör braucht Ruhe und Erholung. Mindestens zehn Stunden am Tag sollte der Geräuschpegel unter 70 dB(A) betragen. Lärm zu reduzieren, ist auch eine Angelegenheit der Gemeinschaft: so sorgt der Bundesverbandes deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe mit Unterstützung des baden-württembergischen Sozialministerium durch DJ- Führerscheine für den respektvollen Umgang mit dem Musikmedium. Die Inszenierung eines gehörverträglichen Akustikraumes ist eine Kunst, die von jedem Einzelnen mitgestaltet werden kann. Dabei ist es nicht Sinn der Sache, Konzertbesuchern Ohrstöpsel zu verordnen und die Rolling-Stones zu bitten, ein paar Takte leiser zu spielen. „Schall gehört zum Leben,“ sagt Professor Laszig.- Wie eben manchmal auch die Chilling out-Zone.














