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Chancen am laufenden Band
(30.8.2010) Kinder mit spastischen Bewegungsstörungen lernen in der Uniklinik Freiburg am Trainingsgerät „Lokohelp“, einen Fuß vor den anderen zu setzen.
„Wir führen in unserem Leben niemals zweimal dieselbe Bewegung durch“, sagt Professor Volker Mall. Er ist Experte des Zentrums für Kinderheilkunde und Jugendmedizin am Universitätsklinikum in Sachen Bewegungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Und er ist stets auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, seinen Patienten so gut es geht mehr Bewegungsfreiheit zu schenken – zuvorderst im Bereich des Gehens.
Seit Kurzem ist Mall Herr über ein Gerät, das dafür einen großen Schritt nach vorne bedeutet, im wahrsten Sinne des Wortes. Das Klinikum hat seit wenigen Wochen ein spezielles Laufband, genannt „Lokohelp“, in Betrieb. Das vom Prinzip einfache, aber technisch anspruchsvolle Gerät soll genau das ermöglichen, was Mall eingangs gesagt hat: Kinder sollen an richtiges Gehen herangeführt werden, ohne dabei die einzigartigen, individuellen und unverwechselbaren Komponenten eines natürlichen Gangs zu verlieren.
Malls Patienten sind in der Regel Kinder, die durch angeborene Hirnschäden oder einen fehlerhaften Aufbau des Gehirns – etwa infolge von Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt oder seltener Tumoren – an spastischen Krämpfen und eingeschränkter Bewegungsfähigkeit leiden. Fehlerhafte Steuerimpulse aus dem Gehirn führen bei ihnen zu stets verkrampften Muskeln sowie schwerfälligen und immer gleichartigen Bewegungsmustern. Nur eine ausgeklügelte Therapie kann helfen, langsameine bessere Kontrolle über Arme und Beine zu gewinnen. Früher war das mit enormen Anstrengungen für das Klinikpersonal verbunden.
„Gehen lernt man nur durch gehen“, sagt Mall. In der Vergangenheit hieß das oft, den kleinen Patienten mühsam und manuell einen Fuß vor den anderen zu setzen. So entstand langsam mehr Gefühl der Patienten für den eigenen Körper. Nur wenigelernen zwar vollständig, wie ein normaler Mensch zu gehen, oft erleichtert die Therapie aber kleine und wichtige Alltagsaufgaben, etwa das Aufstehen und selbstständige Gehen vom Rollstuhl an einen Tisch. „Solche Aufgaben selbst erledigen zu können ist von nicht zu unterschätzender Bedeutung für Selbstwertgefühl und Lebensqualität der Patienten“, weiß Mall.
Kontakt
Mehr Informationen und Beratung zur Therapie mit dem „Lokohelp“ gibt es bei der physiotherapeutischen Abteilung der Kinderklinik unter Tel.: 07 61/2 70-43 47 |
Mit dem Lokohelp geht das nun viel effektiver. Das computergestützte Laufbandmit einer Gewichtsentlastung für den ganzen Körper und einer speziellen Fußführung macht die wichtige Therapie für zusätzliche Patienten erreichbar. „Das Training mit dem Lokohelp ist dabei eine anerkannte und lange etablierte Methode“, sagt Mall. Die weitgehend freie Bewegungsmöglichkeit des Menschen ist dabei ein großer Vorteil gegenüber Konkurrenzmodellen, die die Patienten in komplizierte und nur in bestimmten Bahnen bewegliche, maschinenkontrollierte Exoskelette zwängen. „Wir glauben, das Gangbild kann durch vorgegebene, starre Computerprogramme nicht verinnerlicht werden“, erklärt der Experte die Entscheidung für das hiesige Gehlernband mit den freien Bewegungsmöglichkeiten.
● Trainingseinheiten: 15 bis 45 Minuten dauert eine Trainingseinheit mit dem Lokohelp.
● Therapieprogramm: Das Universitätsklinikum will künftig in Zusammenarbeit mit der Zentralen Physiotherapie intensive Trainings anbieten, die über zwei Wochen jeden Tag eine Einheit auf dem Lokohelp beinhalten. Das sogenannte „Block Booster Training“ verspricht rasche Erfolge, die sich gut einprägen und damit lange wirken.
● Kapazität: Fünf Kinder zwischen vier und 18 Jahren können derzeit pro Tag ein Training auf dem „Lokohelp“ durchführen. Damit wird diese Therapiemöglichkeit bald vielen Patienten offenstehen.














