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MMagersucht - Wenn Essen zur Qual wird
(18.3.2009) Im Extremfall essen sie Watte, um das Hungergefühl zu stoppen. Sie sind weit untergewichtig und fühlen sich trotzdem zu dick. Menschen mit Magersucht sehen die Welt anders. Obwohl die Anorexia nervosa in vielen Fällen geheilt werden kann, sterben etwa 9 bis 15 Prozent der Erkrankten letztendlich an den Folgen der Magersucht oder durch Selbstmord.
Magersucht ist eine psychosomatische Erkrankung
Essstörungen können in allen Altersgruppen auftreten, haben aber ihren Beginn häufig in der Pubertät und im frühen Erwachsenenalter. Nicht ausschließlich, aber immer noch weit überwiegend, erkranken Mädchen und Frauen an Magersucht. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung besteht bereits bei 14 Prozent der Schülerinnen zwischen 12 und 20 Jahren ein sehr hohes Risiko für die Entwicklung einer Magersucht. Ist man erst einmal in der Hungerspirale gefangen, sind intensive psychotherapeutische Maßnahmen nötig.
Magersucht ist eine psychosomatische Erkrankung. Sie entwickelt sich vor dem Hintergrund seelischer Probleme. Die körperlichen Folgen werden hauptsächlich durch das extreme Untergewicht verursacht. Kennzeichen der Anorexia nervosa ist die selbst herbeigeführte Gewichtsabnahme, die durch vermindertes Essen erreicht wird. „Je nach Ausprägung versuchen Betroffene zusätzlich durch Erbrechen, exzessiven Sport oder Abführmittel Gewicht zu reduzieren“, erklärt Prof. Dr. Almut Zeeck aus der Psychosomatischen Abteilung des Universitätsklinikums Freiburg. Für die Erkrankten wird das Körpergewicht zur Quelle von Sicherheit und Orientierung. Kontrolle über ihr Gewicht bedeutet für sie Kontrolle über ihr Leben.
Eine Vererbung der Veranlagung ist möglich
Die permanente Beschäftigung mit dem eigenen Körper engt die Gedanken der Betroffenen ein. Sie kreisen zumeist intensiv um die Themen Ernährung und Gewicht, so dass oft Kontakte zu Freunden und Hobbies vernachlässigt werden. Zwillingsstudien haben gezeigt, dass eine Vererbung der Veranlagung zu Magersucht möglich ist. Hinzu kommen eine Reihe von individuellen Faktoren und gesellschaftliche Erfahrungen, die die überwiegend jungen weiblichen Patienten auf ihr Aussehen und Gewicht sensibilisieren. Dies können beispielsweise kritische Kommentare von Familie und Freunden über das Essverhalten, Aussehen und Gewicht sein.
Davon lassen sich vor allem ängstliche, perfektionistische und sehr leistungsorientierte Mädchen und Frauen beeinflussen. Hinzu kommt das Bedürfnis, die Zeit anzuhalten und Kind zu bleiben zu wollen. „In der Pubertät kommt es zu tiefgreifenden körperlichen Veränderungen. Diese Veränderungen verunsichern. Außerdem werden die Heranwachsenden vor Aufgaben gestellt, die ebenfalls überfordernd wirken können. Wie das Ende der Schulzeit, die Ablösung aus dem Elternhaus oder erste Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht. Nicht die Ursache, aber ein Auslöser für eine Essstörung ist dann oft ein erster Auslandsaufenthalt, ein unglückliches Verliebtsein oder eine Prüfungssituation“, erklärt Almut Zeeck. Immer wieder stehen die Medien in der Kritik junge Frauen mit der Darstellung unerreichbarer Schönheits- und vor allem Schlankheitsideale zu überfordern. Almut Zeeck bestätigt: „Diese Idealbilder erklären nicht alleine die Entstehung einer Essstörung. Aber sie zeigen natürlich schon Wirkung auf junge Frauen, die sich fragen: Wie muss ich sein, damit mich andere mögen? Und damit ich attraktiv und glücklich bin?“
Studie am Universitätsklinikum
Um die Heilungschancen bei Magersucht verbessern zu können, findet am Universitätsklinikum Freiburg eine Studien statt: In der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter am werden Patienten bis 18 Jahre ambulant und stationär behandelt. „Seit 2007 sind wir an einer großen, nationalen Studie zur Therapie der Magersucht im Kindes- und Jugendalter beteiligt. Es soll untersucht werden, ob die Anorexia nervosa tatsächlich auch tagesklinisch, also durch Therapie in der Zeit von 8.00 bis 16.30 Uhr, vergleichbar gut oder sogar besser behandelt werden kann wie im vollstationären Rahmen“, erklärt Dr. Christian Fleischhaker, Oberarzt in der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter.
Kontakt
Kontakt: PD Dr. Christian Fleischhaker
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