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Akute Mandelentzündung bei Kindern
(8.12.2009) Mit geschwollenen und geröteten Gaumenmandeln fängt sie an: Die Mandelentzündung. Gegen die Ursache kann man selten etwas machen, aber die Beschwerden kann man lindern.
(ab) Viele Keime und Erreger gelangen über die oberen Atemwege, den Mund oder die Nase in den Körper. Um sich gegen diese Feinde zu schützen, reagiert unser Körper mit seinem Abwehrsystem auf Viren und Bakterien. Einen besonderen Schutzmechanismus des Körpers stellen die Mandeln dar, die rund um den Rachenraum angeordnet sind. Die Gaumenmandeln, Zungen- und Rachenmandeln sind die erste Abwehrstation, an denen die ungebetenen Eindringlinge vorbeikommen.
„Vor allem für Kinder sind die Mandeln wichtig, da die Reifung der noch unvollständig ausgebildeten Abwehrkräfte auf die Funktionsfähigkeit dieses immunologischen Organs angewiesen sind “, weiß Professor Dr. Reinhard Berner, Leiter der Sektion Pädiatrische Infektiologie, Immunologie und Vakzinologie der Kinderklinik des Universitätsklinikums Freiburg. Im Gewebe der Mandeln sitzen Zellen, die Antikörper produzieren, sobald sie in Kontakt mit Bakterien oder Viren kommen.
„Bei diesem Prozess schwellen die Mandeln an. Sie funktionieren somit als erste Kette des Verteidigungs- und gleichzeitig als Frühwarnsystem“, fährt der Kinderarzt fort. Wenn die Eindringlinge allerdings besonders hartnäckig sind, entzünden sich die Mandeln. Dann entstehen die typischen Merkmale einer bakteriellen oder viralen Mandelentzündung: geschwollene und gerötete Mandeln mit gelegentlich Eiterbelag, Hals-, Kopf- oder Ohrschmerzen und Schluckbeschwerden, Lymphknotenschwellung oder Fieber.
Die Mandelentzündung tritt am häufigsten zwischen dem fünften und elften Lebensjahr auf, kann allerdings auch in jedem anderen Alter vorkommen. „Gerade bei sehr kleinen Kindern ist ein wichtiges Problem, dass sie bei Halsschmerzen aufhören zu trinken. Das kann zum Austrocknen führen“, warnt Professor Berner. Deshalb sollte man Kinder animieren, so viel wie möglich und regelmäßig zu trinken.
Antibiotika oder Operation?
Noch immer und viel zu häufig wird, laut Professor Berner, die virale Erkrankung mit Antibiotika behandelt: „Durch den zu häufigen Einsatz von Antibiotika entwickeln sich zunehmend Antibiotika-resistenten Mikroorganismen. Dabei hat die Halsentzündung, genau wie viele andere Viruserkrankungen, einen meist selbst limitierenden Spontanverlauf.
Nicht umsonst sagt man, dass eine Halsentzündung - wie beispielsweise auch der Schnupfen - ohne Behandlung nach sieben Tagen und mit Behandlung nach einer Woche abheilt. „Die Mandelentzündung ist, wenn sie durch Viren verursacht wird, nicht mit Antibiotika zu bekämpfen. Man kann nur die Beschwerden lindern“, fügt Professor Berner hinzu und empfiehlt hierfür Honig oder Lutschpastillen und Salbei-Tee. Auch eine Eiskrawatte am Nacken kann als hilfreich empfunden werden, da Kälte auf Einfluss auf das Schmerzempfinden hat.
Antibiotika sollten dann verabreicht werden, wenn ein erhöhtes Komplikationsrisiko oder eine bakterielle Infektion besteht, bei der aufgrund der Schwere des Krankheitsbilds ein Nutzen der antibiotischen Therapie erwartet werden kann. Schlimmstenfalls können Abszesse neben oder hinter der Mandel bis in die tiefen Halsweichteile, ein rheumatisches Fieber oder sogar eine Herzmuskelentzündnung auftreten.
„Wenn sich die Mandeln jedoch mehrmals im Jahr entzünden, sind sie selbst zum Herd der Krankheit geworden“, erklärt Professor Dr. Gerd Ridder, Geschäftsführender Oberarzt der Abteilung HNO-Heilkunde des Universitätsklinikums Freiburg, „dann, genau wie bei Komplikationen, besteht meist die Indikation, sie stationär entfernen zu lassen.“ In der Pubertät bilden sich die Mandeln langsam zurück: Das Immunsystem ist dann vollständig entwickelt und funktionsfähig und die Mandeln verlieren ihre Funktion.














