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Chirurgie für die Psyche
(21.6.2010) Vom Fuß zum Kopf – doch niemals umgekehrt. Die Wiederherstellungs-Chirurgie bewahrt Unfall- oder Tumoropfer vor bleibenden Entstellungen.
Als die Kreissäge anläuft, hat Schreinermeister Ralf H. kurz nicht aufgepasst. Er fasst in die Klinge der rotierenden Maschine – und der Daumen ist ab. Wenn Ralf H. Glück hat, gelingt es Experten wie Professor Björn Stark, Plastischer Chirurg am Universitätsklinikum Freiburg, den abgetrennten Daumen wieder anzunähen und die durchtrennten Nervenbahnen für eine korrekte Funktion erneut zu verknüpfen.
„Geht das nicht, wäre – in Absprache mit dem Patienten – ein mikrochirurgischer Zehentransfer eine mögliche Lösung“, erklärt der Arzt. Plastische Chirurgen wie Stark beherrschen bei der Wiederherstellung von Körperdefekten nach Unfällen, durch Tumore oder angeborene Fehlbildungen erstaunlichen Einfallsreichtum. „Was ist das Ziel, ist der Aufwand und der körperliche Preis gerechtfertigt“, sagt Stark, das gelte es bei solchen Operationen abzuwägen.
Im Falle Schreiners ohne Daumen sei der Verlust eines Zehs psychisch und funktionell besser zu verkraften. Was hier beschrieben wurde, gehört zum Arbeitsalltag von Plastischen Chirurgen. Sie verleihen Menschen nach Unfällen und Entstellungen wieder ein würdiges Aussehen. Bei einem abgetrennten Daumen klingt das noch harmlos, in der Regel geht es um mehr: „Brustrekonstruktionen nach der Entfernung von Brustkrebs-Tumoren gehören zu unseren Standardaufgaben“, sagt Experte Stark.
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Plastische Ambulanz des
Universitätsklinikums
Freiburg |
Plastische Chirurgen sorgen dafür, dass ein offenliegender Knochen oder Schädel nach einem Unfall wieder von Gewebe bedeckt wird. Sie beseitigen auch Entstellungen im Gesicht, zum Beispiel bei schweren Verbrennungen. „Wir sind von Kopf bis Fuß tätig“, sagt Stark zum Aufgabengebiet der Zunft. Die Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Disziplinen ist bei den Wiederherstellungs-Chirurgen besonders intensiv. Es liegt an Plastischen Chirurgen, „Gewebe- Löcher“, die Kollegen zwangsläufig hinterlassen, wieder funktionell und ästhetisch korrekt zu verschließen. „Bei meinen Kollegen geht es meist darum, ob der Patient überlebt“, erklärt Stark. „Neben der Wiederherstellung der körpereigenen Barriere gegen die Umwelt bin ich dagegen auch für die psychosoziale Genesung des Patienten zuständig“, ergänzt der Chirurg.
Es wäre schwer zu verkraften, wenn etwa ein Patient nach der Entfernung eines Tumors im Gesicht zeitlebens entstellt bliebe. Bei Gewebe-Übertragungen gelte es immer zu bedenken, wo sich das körpereigene Spendergewebe ohne Komplikationen und sichtbare Narben entnehmen lässt, ergänzt der Professor: „Wir übertragen Gewebe vom Bauch, um eine Brust wiederherzustellen. Wir würden aber niemals etwas vom Gesicht an den Fuß verpflanzen.“ Daneben braucht der Plastische Chirurg auch ein gutes Gespür dafür, wie das wiederherzustellende Körperteil einmal aussehen soll. „Das geht am besten durch den Vergleich mit Fotografien“, so der Professor.














