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Die Angst vor der Prüfung
(16.10.2009) Ob in der Ausbildung oder beim Führerschein – im Leben wird man oft mit Prüfungen konfrontiert. Etwas Aufregung gehört dazu. Wenn sie jedoch Überhand gewinnt und das Denken blockiert, spricht man von Prüfungsangst.
Wenn die Angst das Denken blockiert
Sandra M. sitzt an ihrem Schreibtisch vor einem Berg Notizen, ihr Herz rast und sie hat schweißnasse Hände. Der Grund dafür: Eine Zwischenprüfung. Je mehr sie versucht, sich zu konzentrieren, desto weniger nimmt sie wahr. Mit ihren Gedanken ist Sandra bei der bevorstehenden Prüfung.
Wie ihr, so geht es vielen, die unter der Angst vor Prüfungen leiden. Meist tritt diese häufig unbegründete Prüfungsangst nicht erst direkt vor oder in der Prüfung auf. Oft ist es schon die Ankündigung eines Tests, die zur Anspannung beiträgt. "Körperliche Symptome sind Herzrasen, Bauch- und Kopfschmerzen, Schwindel, Zittern, Schweißausbrüche oder Durchfall. „Oft resignieren die Betroffenen und sind geprägt durch Hoffnungslosigkeit und depressiven Verstimmungen“, weiß Dr. Jörg Angenendt, Psychologischer Psychotherapeut in der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. Aber auch ununterbrochenes Lernen kann auf Prüfungsangst hindeuten. Bei solchen phobischen Angstzuständen kann die Prüfungssituation nur mit sehr hoher Belastung absolviert werden. Oft werden sie daher vermieden oder die Vorbereitungsphase wird hinausgeschoben.
„Ein wenig Erregung steigert die Leistungsfähigkeit. Aber wenn sie zu groß wird, blockiert sie den Zugriff auf gelernte Gedächtnisinhalte. Schlimmstenfalls kommt es zum Blackout“, erklärt der Psychologe. Da das schlechte Ergebnis meist als Folge der eigenen Mängel angesehen wird, geraten die Betroffenen in einen Teufelskreis: hohe Prüfungsangst vermindert die Leistungsfähigkeit – geringe Leistungsfähigkeit erhöht die Prüfungsangst.
Ursachen der Prüfungspanik
Nicht nur die Angst ist sehr vielschichtig, auch die Ursachen können unterschiedlich sein. „Ein typischer Auslöser ist die Angst den eigenen oder fremden Erwartungen nicht zu entsprechen, Selbstüberschätzung oder -unterschätzung, aber auch schlechte Erfahrungen mit vorherigen Prüfungen“, erläutert Dr. Angenendt. Wenn sich Eltern zu wenig um die emotionalen Bedürfnisse ihrer Kinder kümmern, häufig Verbote aufstellen oder die Kinder bestrafen, wenn sie die Leistungsansprüche nicht erfüllen, fangen Kinder häufig an, Leistungssituationen als Bedrohung zu erleben.
Auch spielen Aspekte der Gesellschaft eine Rolle: Die Bedeutung von Erfolgen wird stark überbewertet, so dass viele ihr Selbstwertgefühl anhand ihrer Leistungen definieren. Der Druck in den Bewertungssituationen wird dann oft so stark, dass die Folge Prüfungsangst ist. Dabei hängt die Intensität der Angst von vielen Faktoren ab: Bedeutung des Ergebnisses, wer anwesend ist, wie ausgeprägt das verlangte Wissen vorhanden und verfügbar ist.
Auswege aus dem Teufelskreis
Um aus diesem Teufelskreis auszubrechen, ist es laut Dr. Jörg Angenendt wichtig, die Angst zu akzeptieren und sich mit ihr und der jeweiligen Prüfung im Vorfeld auseinanderzusetzen: „Wichtig ist die Einstellung zur Prüfung. Daher ist es gut, wenn man vorher weiß, was einen erwartet. Die Konfrontation mit der Angst beispielsweise bei einer kognitiven Verhaltenstherapie kann zudem helfen, andere Denkmuster zu entwickeln, die auch zu einem anderen Erleben führen“. Verallgemeinerungen wie „Ich kann nichts“ sollten durch förderliche oder hilfreiche Gedanken ersetzt werden: „Ich mache ganz ruhig eins nach dem andern, dann kann ich es schaffen“ oder „Wenn ich durchfalle, geht die Welt nicht unter“.
Da sich Angst in einer Umstellung des vegetativen Nervensystems und in einer Veränderung der Muskelanspannung bemerkbar macht, können auch Entspannungsverfahren wie Autogenes Training oder Yoga hilfreich sein. Vor allem sollte genügend Zeit für die Vorbereitung eingeplant werden. Auch wenn der Lernstoff zu Anfang unüberwindlich aussieht, sollte man ganz ruhig bleiben: Was kann denn schlimmstenfalls passieren?
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