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„Krebs ist auch ein Kontrollverlust“
(7.9.2010) Die Diagnose Krebs ist fast immer ein Schock. Nicht nur für den Patienten sondern auch für die Angehörigen. Eine psychoonkologische Betreuung kann dann zu einem unverzichtbareren Bestandteil der Tumortherapie werden.
(bw) Über 400.000 Menschen erhalten jedes Jahr in Deutschland die Diagnose Krebs. Für die meisten ein Schock, der ihnen erst einmal den Boden unter den Füßen wegreißt. Denn wie bei kaum einer anderen Erkrankung ist die Diagnose Krebs für die meisten Menschen mit einer wirklichen Lebensbedrohung assoziiert.
Nach der Diagnose Krebs setzt in den darauf folgenden Tagen eine Maschinerie an medizinischen Therapien wie Operationen und oder Chemotherapien ein. Doch diese überlebenswichtigen Maßnahmen zielen nur auf den Körper. Daher ist heute eine begleitende psychoonkologischen Beratung und Behandlung von Krebspatienten ein unverzichtbarer Bestandteil der Tumortherapie. Die Psychoonkologie vereint dabei die Wechselwirkungen zwischen körperlichen, seelischen und sozialen Einflüssen in der Entstehung und im Verlauf einer Krebserkrankung.
Die Psychoonkologen stehen nicht nur den Patienten nach einer Diagnose unterstützend zur Seite, sondern auch deren Angehörigen. Dabei darf man die Psychoonkologie nicht mit einer Psychotherapie verwechseln. „Unsere Arbeit soll die Patienten stabilisieren und das im Hier und Jetzt“, erklärt Elke Reinert, Leiterin des psychologischen Dienstes des Tumorzentrums Ludwig Heilmeyer-CCCF des Universitätsklinikums Freiburg. „Bei unserer Arbeit suchen wir nicht nach Defiziten des Patienten, sondern versuchen, möglichst viele Ressourcen zur Bewältigung der Situation bei dem Betroffenen zu mobilisieren.“ Die Psychoonkologen des Universitätsklinikums stehen jedem Krebspatienten – der dies wünscht - ab dem Zeitpunkt der Diagnose zur Seite. Dazu gibt es ein gut funktionierendes Netz aller daran beteiligten Abteilungen.
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Weitere Informationen zum Psychologischen Dienst des Tumorzentrums Ludwig Heilmeyer finden Sie hier… Informationen zur Palliativstation im Universitätsklinikum finden Sie hier… |
Gerade die Zeit der Chemotherapie mit ihren zum Teil heftigen Nebenwirkungen, kann psychologische Unterstützung hilfreich sein. Aber auch danach brauchen viele Betroffne Hilfe. „Nach einer abgeschlossenen Therapie entwickeln viele Menschen Ängste. Sie wissen nicht, wie es nun weitergeht. Das Abwarten, ob der Krebs tatsächlich geheilt wurde, kann unerträglich werden“, weiß Elke Reinert aus ihrer täglichen Erfahrung. „Krebs bedeutet auch immer einen Kontrollverlust.“ Bei der Hilfe zur Bewältigung der Erkrankung werden auf Wunsch auch die Angehörigen von den Psychologen mit einbezogen. Am Universitätsklinikum Freiburg werden Einzel-, oder Paargespräche angeboten. Darüber hinaus gibt es im Projekt Tigerherz des CCCF ein spezielles Angebot für Kinder, deren Eltern an Krebs erkrankt sind. „Die Unterstützung für die Angehörigen ist immens wichtig“, so Elke Reinert, „ denn eine Bewältigung der Erkrankung ist nur durch soziale Hilfe – und dazu zählen die Angehörigen – möglich.“
Unterstützung in der letzten Lebensphase
Gerade bei Erkrankungen, bei denen eine Therapie keine Heilung mehr bewirken kann, kommt der psychologischen Betreuung und Unterstützung der Betroffenen und ihren Angehörigen eine noch größere Aufgabe zu. „Wir versuchen gemeinsam mit dem Patienten trotz der schweren Erkrankung Lebensziele auch für die letzte Lebensphase zu entwickeln“, erzählt Carola Xander, Psychoonkologin der Palliativstation des Universitätsklinikums Freiburg.
„Wir unterstützen die Patientinnen und Patienten im Umgang mit ihren Emotionen und bieten Hilfestellung in Fragen von Sinnfindung oder bei spirituellen Anliegen; dazu gehört unter Umständen auch mit den Patienten zu besprechen, wie sie ihren Abschied gestalten wollen. Bei unserer Begleitung spielen die psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse der Patienten und deren Angehörigen die entscheidende Rolle“, so Carola Xander. „Sowohl während der Krankheit als auch während des Sterbeprozesses und der Zeit danach.“
Nicht jeder will Hilfe
Eine psychoonkologische Betreuung bekommen natürlich nur diejenigen, die diese auch wünschen oder brauchen. Denn nicht jeder Krebspatient will diese Unterstützung. „Man kann sagen, dass etwa zwei Drittel aller Krebspatienten von psychologische Hilfe profitieren, ein Drittel meistert die Bewältigung mit sozialer Unterstützung“, berichtet die Diplom-Psychologin Reinert. Wird eine psychoonkologische Unterstützung in Anspruch genommen, können durch diese Betreuung die weitreichenden Auswirkungen der Erkrankung im körperlichen, seelischen und sozialen Bereich aufgefangen werden. „Eine frühzeitige Betreuung kann vor einer Chronifizierung der psychischen Beschwerden schützen und somit Spätfolgen vermeiden helfen“.











