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Krankheit mit vielen Gesichtern
(23.3.2009) Rheuma kann in mehreren hundert Varianten in verschiedensten Bereichen des Körpers vorkommen. Eine vollständige medizinische Heilung ist bislang nicht möglich, aber Therapien können die Symptome lindern.
(bk) Rheuma tritt im Bewegungsapparat und im Bindegewebe auf und kann dadurch fast alle Teile des menschlichen Körpers betreffen: die Gelenke, die Knochen, die Muskulatur, die Gefäße, die Nerven oder einzelne Organe. Es gibt entzündliches Rheuma beispielsweise in Form von Arthritis, degeneratives zum Beispiel als Arthrose, und Weichteilrheuma in Muskeln und Sehnen.
Auch die Knochenkrankheiten Osteoporose und Gicht werden von rheumatischen Beschwerden begleitet. Gemein ist der Krankheit, dass sie sich durch Schmerzen äußert und häufig eine Einschränkung der Beweglichkeit mit sich bringt. Für die Betroffenen bedeutet das oft einen Verlust an Lebensqualität, der in Extremfällen dazu führen kann, dass sie ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen können und im Alltag auf Hilfe angewiesen sind.
Die Krankheit betrifft vor allem ältere Menschen, tritt aber auch bei Kindern und sogar bei Säuglingen auf. „Rheuma ist eine bislang schlecht verstandene Gruppe von Erkrankungen“, erklärt Dr. Markus Hufnagel, Funktionsoberarzt im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin. „Die genauen Ursachen der Krankheit sind nicht bekannt.“ Entzündliches Rheuma ist eine so genannte Autoimmunerkrankung was bedeutet, dass das Immunsystem körpereigene Strukturen angreift. Gewisse Faktoren wie genetische Veranlagung, aber auch Umwelteinflüsse oder einseitige körperliche Belastungen können die Krankheit fördern. Anzeichen des klassischen Rheumas sind schmerzende oder steife Gelenke oder allgemeine Schmerzen im Bewegungsapparat, wie zum Beispiel Rückenschmerzen.
Die Beschwerden äußern sich schubartig, auf beschwerdefreie Perioden folgen schmerzhafte Phasen. Wenn die Krankheit ausbricht, wird sie meist chronisch, sie beginnt langsam und kann sich im Laufe der Jahre verschlimmern. Und sie ist weit verbreitet, etwa ein Sechstel der deutschen Bevölkerung geht jedes Jahr ein- oder mehrmals wegen rheumatischer Beschwerden zum Arzt. „Es gibt bislang keine heilende, aber eine effektiv lindernde Therapie. Bei Kindern kommt nicht selten eine Spontanheilung vor“, erläutert Hufnagel. „In den letzten Jahren sind viele neue Medikamente auf den Markt gekommen. Dies war möglich, weil die Rheumaforschung aufgrund einer wesentlich verbesserten Kenntnis der Krankheitszusammenhänge im entzündeten Gelenk große Fortschritte gemacht hat bei der gezielten Entwicklung neuer Medikamente“, sagt Prof. Hans-Hartmut Peter, Leiter der Rheumatologie des Universitätsklinikums. Seine Abteilung hat dazu beigetragen, sie war Gründungsmitglied des im Jahr 2000 gegründeten „Kompetenznetz Rheuma“.
Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützte Netzwerk ermöglicht die bessere Abstimmung zwischen den rheumatologischen Abteilungen der Universitätskliniken Freiburg, Berlin, Hannover, Bad Bramstedt, Düsseldorf und Erlangen und einen vermehrten Austausch zwischen den Wissenschaftlern. Rheumakranke können heute in den meisten Fällen gut behandelt, in einigen Fällen auch schon geheilt werden. Erfolgversprechend ist eine Kombination verschiedener medikamentöser, physischer und psychischer Elemente. Das Verfahren wird auf jeden Patienten individuell zugeschnitten.
Wichtige Bausteine sind neben den schmerzlindernden Medikamenten die Krankengymnastik, das Gelenkschutztraining, Massagen oder die psychologische Beratung. Noch hapere es allerdings bei der Früherkennung von Rheuma, viele Betroffene fänden erst spät den Weg zum Spezialisten. „Vor allem Kinder haben oft eine lange Odyssee hinter sich, bevor sie zum Kinderrheumatologen kommen“, weiß Hufnagel. Dabei könne Rheuma auch schon bei Neugeborenen vorkommen – etwa eines von 10.000 Kindern in Deutschland leide unter entzündlichem Gelenkrheuma.
„Eine frühzeitige Behandlung fördert die Chancen darauf, dass Kinder von der Krankheit in ihrem Alltag nicht beeinträchtigt werden“, so Hufnagel. Die Sensibilisierung habe sich aber in den letzten Jahren durch Aufklärungskampagnen stark verbessert, erklärt Peter. „Die Hausärzte und Allgemeinmediziner überweisen Patienten heute bei unklaren Schmerzzuständen viel schneller zum Spezialisten.“ Und das ist ein ebenso wichtiger Baustein in der Behandlung von Rheuma, wie Medizin und Therapie. Denn je früher man Rheuma erkennt, desto effektiver kann man dagegen vorgehen. Und wenn das geschieht, kann man mit der Krankheit leben, ohne an Lebensqualität zu verlieren.














