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Lähmung durch Schlaganfall
(25.11.2009) Oft fängt es schleichend an – kleine Symptome können einen lebensgefährlichen Schlaganfall ankündigen. Danach ist oft nichts wie einmal war. Wie der Blick in den Spiegel Heilung verspricht.
Dieser ist weltweit die zweithäufigste Todesursache und der häufigste Grund für dauerhafte Behinderungen in den Industrienationen. Alleine in Deutschland spricht man von etwa 200.000 Betroffenen pro Jahr. Mit steigendem Alter wächst auch die Gefahr einen Schlaganfall zu erleiden, aber es sind keineswegs nur ältere Menschen betroffen. Die Hälfte der Schlaganfallpatienten ist noch im erwerbsfähigen Alter. Sogar etwa 300 Neugeborene und Kinder sind jährlich betroffen.
„Jeder Schlaganfall ist ein akuter Notfall“, bekräftigt Dr. Farsin Hamzei, Privatdozent an der Neurologischen Universitätsklinik Freiburg. Selbst wenn es den Anschein hat, dass die Symptome vorüber sind, ist eine schnelle Einlieferung in ein Krankenhaus unumgänglich. „In 40 Prozent aller Fälle gehen kürzere und schwächere Folgen der Symptome voraus und kündigen als Vorbote den eigentlichen Schlaganfall an“, erklärt Dr. Hamzei weiter. Lähmungen - meist einseitig - Sehstörung, Gefühlsstörung, Gedächtnisverlust und Sprachstörungen sind also ernstzunehmende Warnungen. Keinesfalls sollte man sich aber selbst ins Auto setzen. Findet der Schlaganfall im Auto statt, sinken die Überlebenschancen rapide. Zudem gefährdet man andere Verkehrsteilnehmer. Ist niemand anwesend, der den Transport ins Krankenhaus übernehmen kann, sollte ein Notarzt sofort verständigt werden.
In knapp 15 Prozent aller Fälle führt das Zerplatzen eines kleinen Blutgefäßes im Hirngewebe zu einer Hirnblutung und damit zum Schlaganfall. Risikofaktoren für diesen hämorrhagischen Schlaganfall sind hoher Blutdruck, Störung der Blutgerinnung oder veränderte oder missgebildete Blutgefäße. In den meisten Fällen werden bei einem Schlaganfall Teile des Gehirns zeitweise schlechter durchblutet. Dadurch werden sie nur unzureichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, was zu einer Beschädigung oder dem Absterben dieses Hirnareals führen kann. „Dabei unterscheidet man zwei Hauptursachen einer solchen Minderdurchblutung des Gehirns“, erklärt Dr. Hamzei. Sind Blutgefäße verstopft, beispielsweise durch ein verschlepptes Blutgerinnsel oder Arteriosklerose, so wird von einem ischämischen Schlaganfall gesprochen. Dies ist zu 85 Prozent der Grund für einen Schlaganfall. Als Risikofaktoren sind hier besonders Bluthochdruck, Diabetes, hohe Blutfette oder Herzrhythmusstörungen zu erwähnen. Auch Übergewicht und Zigarettenkonsum führen zu einem steigenden Risiko.
Kontakt:Privatdozent Dr. Farsin HamzeiTel: 0761 / 270-9370 E-Mail: farsin.hamzei@uniklini-freiburg.de |
Wird der ischämische Schlaganfall nicht innerhalb kurzer Zeit - und hier gilt der englische Slogan „time is brain“ - medikamentös oder zusätzlich durch speziellen Katheterereinsatz operativ entgegen gewirkt, können bleibende Schäden im Gehirn verursacht werden. Störungen des Sprechens, des Sehens, des Gedächtnisses, der Aufmerksamkeit oder der Bewegung sind typische Folgen. Letztere manifestiert sich häufig in einer einseitigen Körperlähmung mit gravierenden Folgen für die Betroffenen. Um diese zu überwinden gibt es neue Erkenntnisse in der so genannten Spiegeltherapie. „Bei dieser Therapie stellen die Behandelnden einen Spiegel in einem 90-Grad Winkel direkt an den Körper des Patienten heran, so dass die gesunde Körperhälfte gespiegelt wird. Die gelähmte wird verdeckt“, erklärt Dr. Hamzei. Dadurch „sieht“ das Gehirn nur zwei gesunde Körperteile. Die Wahrnehmung täuscht dem Gehirn vor, die gelähmte Körperhälfte würde wieder funktionieren.
Dr. Hamzei und sein Team konnten nachweisen, welche Hirnareale durch die Beobachtung durch den Spiegel angesprochen werden. Dies stellt die Basis für die Besserung der Lähmung im Rahmen einer Spiegeltherapie dar. In Zukunft können diejenigen Patienten einer solchen Therapie zugeführt werden, die davon besonderes gut profitieren. Mit Hilfe der Kernspintomographie wurde dokumentiert, dass die zuvor nicht beteiligte Hirnhälfte die Steuerung für die gleiche Region der beschädigten Hirnhälfte übernimmt und so die verloren gegangene Körperfunktion wieder hergestellt werden kann. Für seine Erfolge und Forschung mit dieser Therapie erhielt Dr. Hamzei dieses Jahr den Preis der Eleonore und Fritz Hodeige-Stiftung zur Förderung von Wissenschaft, Forschung, Kultur, Bildung und Völkerverständigung.














