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Wenn raus kommt, was besser drin bleiben sollte

(29.7.2009) Hämorriden - Immer noch ein Tabuthema. Alles was nur auf der Toilette passiert, wird nur ungern als Thema für ein Gespräch gewählt. Hier erfahren Sie, was ungern erzählt wird.

(sg) Die Hämorrhoiden sitzen am Ende des Afterkanals. Dieses Gewebepolster aus vielen kleinen Blutgefäßen arbeitet zusammen mit dem Schließmuskel als eine Art Dichtungsring, der unseren Darm nach außen abdichtet.

Zuerst einmal dürfen wir unseren Hämorrhoiden also sehr dankbar sein. Wenn diese uns allerdings Probleme machen, ist das meist sehr unangenehm. Anzeichen für ein Hämorrhoidenleiden sind Brennen oder Jucken sowie Nässen oder schmerzende Knoten im Afterbereich, Blutstropfen oder Stuhlschmieren in der Unterwäsche, sowie das Gefühl der unvollständigen Entleerung nach dem Stuhlgang.

Diese Beschwerden sind wohl auch der Grund, warum dieses Leiden nur ungern thematisiert wird. Aber aufgepasst! „Leichte Beschwerden können sich auch verschlimmern“, erklärt Professor Dr. Günther Ruf, Leiter der Koloproktologie der Abteilung Allgemein- und Viszeralchirurgie des Universitätsklinikums Freiburg. Die Experten unterscheiden vier Krankheitsstadien. Im ersten Stadium ist das Leiden nur wenig ausgeprägt und die oben genannten Probleme treten kaum oder teilweise gar nicht auf.

Im zweiten Stadium sind die Hämorrhoiden deutlich vergrößert. Verstärktes Schmerzen und Bluten kann die Folge sein. Werden sie belastet, wie beispielsweise beim Pressen während des Stuhlgangs, treten sie hervor, ziehen sich anschließen aber selbstständig wieder zurück. Wird das dritte Stadium erreicht, ziehen sich die Hämorrhoiden auf Grund ihrer fortgeschrittenen Größe nicht mehr eigenständig zurück, sondern müssen mit dem Finger zurückgeschoben werden. Das ist auch der Grund, warum der Darm nicht mehr richtig abgedichtet wird und es zu Stuhlschmieren in der Wäsche kommen kann.

Im vierten Stadium sind die Hämorrhoiden schließlich auf eine Größe angeschwollen, die das Zurückschieben in den After verhindert. Hier können starke Beschwerden die Folge sein. Abgesehen von Blutungen, Schmerzen und Entzündungen, kann es auch zu unfreiwilligem Stuhlabgang kommen. „Während das erste und zweite Stadium noch selbst mit Salben, Zäpfchen und Sitzbädern behandelt werden kann, sollten weiter fortgeschrittene Stadien unbedingt von einem Facharzt untersucht werden“, rät Professor Ruf. In diesem Fall wird auf Verfahren wie Verödung oder eine Laser- oder Kältetherapie zurückgegriffen.

Um die Beschwerden nicht zu verschlimmern, sollte darauf geachtet werden, den Stuhl weich zu halten, so dass er ohne übermäßiges Pressen abgeführt werden kann. Dabei hilft ballaststoffreiche Nahrung und eine Flüssigkeitszufuhr von zwei bis drei Litern pro Tag. Volkornprodukte sowie Kartoffeln, Spinat, Pfirsiche oder Aprikosen haben sich als empfehlenswert herausgestellt. Bananen und Heidelbeeren hingegen verhärten den Stuhl eher, ebenso wie Schokolade und Cola, schwarzer Tee und Weißmehlprodukte.

Kontakt

Professor Dr. Günther Ruf
Oberarzt der Abteilung Allgemein- und Viszeralchirurgie
Tel.: 0761 / 270-6120
E-Mail: guenther.ruf@uniklinik-freiburg.de

Wer schon Schmerzen verspürt sollte außerdem mit säurehaltigen Zitrusfrüchten zurückhaltend sein. Die häufigste Ursache für Hämorrhoiden ist chronische Verstopfung, der genau so wie oben beschrieben durch weichen Stuhl vorgebeugt werden kann. Die regelmäßige Einnahme von Abführmitteln ist ein ebenso häufiger Grund. „Auch erbliche Veranlagungen wie eine Bindegewebsschwäche, der erhöhte Druck im Bauch bei einer Schwangerschaft oder Bewegungsmangel und Übergewicht können Gründe dafür sein“, erklärt Professor Ruf. Immer noch kommt es zu ausgeprägten Hämorrhoidenleiden, weil es den Betroffenen unangenehm ist in einem frühen Stadium damit zu einem Arzt zu gehen. Völlig zu unrecht! Experten haben sich speziell auch für solche Beschwerden ausbilden lassen. Für den Patient mag die Erkrankung also ungewöhnlich sein, für den Facharzt sicher nicht. Wer also nicht will, dass es raus kommt, sollte mit einem Arztbesuch dafür sorgen, dass alles drin bleibt.

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