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Ich höre was, was Du nicht hörst
(3.12.2010) Fast jeder hatte es schon einmal: Ein Piepsen, Summen oder Rauschen im Ohr. Bei den aller meisten verschwindet es recht bald wieder. Wenn nicht kann es sich um einen „richtigen“ Tinnitus handeln. Was hilft?
(sg) Bei den aller meisten verschwindet es recht bald wieder; etwa nach einem erholsamen Schlaf oder nachdem man sich wieder unter Menschen getraut hat. Hingegen haben fünf bis sieben Prozent aller Erwachsenen einen „richtigen“ Tinnitus, der über einen längeren Zeitraum hinweg anhält. Aufgrund zunehmender Lärmbelastung wie beispielsweise lauter Musik, tritt Tinnitus zunehmend häufiger auch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis zum 30. Lebensjahr auf.
Tinnitus ist oft eine Begleiterscheinung anderer Krankheiten
Die Symptome eines Tinnitus können sich als verschiedenste Geräusche wie Klingeln, Pfeifen, Rauschen oder Sägen darstellen. „Häufig ist das für den Betroffenen eine große Belastung. Die Folgen können Schlafstörungen und sogar Depressionen sein“, erklärt Prof. Dr. Roland Laszig, Ärztlicher Direktor der HNO Klinik am Universitätsklinikum Freiburg. Genauso vielschichtig können die Ursachen dafür sein. Tinnitus ist meist eine Begleiterscheinung anderer Krankheiten, wie beispielsweise eine Mittelohrentzündung oder eine Erkrankung des Hörnervs oder des Gehirns. Auch können Probleme mit der Halswirbelsäule, den Kiefergelenken oder nächtliches Zähneknirschen die Ursache sein. Bei einem Verdacht auf Tinnitus, wird die Diagnose anhand einer Vielzahl verschiedener Untersuchungen und Fragen erstellt. Wichtig hierbei sind die Krankheitsgeschichte und das momentane körperliche und seelische Befinden der Betroffenen.
Es gibt drei Formen des Tinnitus
Sollte tatsächlich ein Tinnitus diagnostiziert werden, wird dieser in drei Formen unterschieden: Der akute Tinnitus, der bis zu drei Monaten anhält, der subakute Tinnitus, der drei bis zwölf Monate anhält oder der chronischer Tinnitus, der länger als zwölf Monate andauert. „Diese Einteilung ist entscheidend für die Anwendung einer geeigneten Therapie“, erklärt Professor Laszig. Ein akuter Tinnitus mit unbekannter – oder Ursache im Innenohr, wird mit einer mehrtägigen Verabreichung von Cortison und Blutverdünnern behandelt. Sollte diese Behandlung keine Erfolge erzielen, kann bei einem akuten Tinnitus der durch Lärmeinwirkung entstanden ist, eine hyperbare Sauerstofftherapie angeschlossen werden. Ganz generell gilt: Je früher ein Tinnitus behandelt werden kann, desto besser stehen die Heilungschancen. Idealerweise sollten sich Betroffene innerhalb der ersten ein bis zwei Tage bei einem HNO-Arzt melden. Die Therapie eines subakuten oder chronischen Tinnitus läuft ähnlich ab. Hier gibt es aber die Möglichkeit Betroffenen ein spezielles Hörgerät, das den Tinnitus durch ein Rauschen überdeckt, als eine Art der Therapie anzubieten. „Je größer der Stress ist, den der Tinnitus verursacht, um so hartnäckiger ist er auch oft.“ bestätigt Professor Laszig. Erst wenn er für die Betroffenen an Bedeutung verliert und sie sich nicht mehr auf diesen fixieren, kann dieser auch wieder abnehmen. Zu diesem Zweck hat es sich als hilfreich herausgestellt, wenn Tinnituspatienten Entspannungstechniken wie Yoga oder Autogenes Training erlernen und regelmäßig davon Gebrauch machen. Auf diese Weise kann nicht nur der Stress, sondern auch die Anspannung und Konzentration auf die Geräusche abgebaut werden.
Tinnitus ist keine Krankheit
Nicht immer ist es möglich den Tinnitus zu beseitigen. In diesem Fall müssen die Betroffenen lernen mit diesem zu leben. Dennoch: Tinnitus ist keine Krankheit! Es ist nur ein Symptom und immer auch ein gut gemeintes Warnsignal des Körpers. Wer wirklich gegen den Tinnitus vorgehen will, sollte zwar ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, vor allem aber selbst aktiv werden. Dies kann zum einen durch das bereits angesprochene Erlernen von Entspannungstechniken erfolgen, aber auch indem man einfach eine zeitlang kürzer tritt. Ein Krankhausaufenthalt kann sich hilfreich erweisen um dem Alltag kurzzeitig zu entfliehen. Im Idealfall aber, kann die Wurzel des Problems selbst gefunden und angegangen werden. Ein klärendes Gespräch nach einem heftigen Streit, weniger Arbeit oder besseres Zeitmanagement und vor allem keine Angst vor dem Tinnitus. Das kann alle Medikamente überflüssig machen.
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