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Viele Schwangere sind zuckerkrank

(7.5.2010) Die Zahl der Schwangeren mit einem Diabetes mellitus ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Die Änderungen des Blutspiegels machen die Schwangerschaft zu einem Risiko für Mutter und Kind.

(bw) Insgesamt 4,4 Prozent aller Frauen, die 2008 ein Kind zur Welt brachten, hatten einen Diabetes mellitus. Nur bei wenigen war die Zuckerkrankheit bekannt, viele erkrankten erst während der Schwangerschaft.

„Es handelt sich dann um einen so genannten Gestationsdiabetes, einer besonderen Glukosetoleranzstörung in der Schwangerschaft“, erklärt Professor Dr. Jochen Seufert, Leiter der Endokrinologie und Diabetologie des Universitätsklinikums Freiburg. „Die Dunkelziffer beim Gestationsdiabetes ist vermutlich weit höher, als die Zahlen vermuten lassen. Die Erkrankung wird häufig einfach übersehen“, so Seufert.

Dr. Regina Rasenack, Oberärztin der Universitäts-Frauenklinik, kennt die Folgen des Gestationsdiabetes: „Bleibt der Diabetes unbehandelt treten fünfmal häufiger Komplikationen in der Schwangerschaft und bei der Geburt auf. Diese sind unter anderem auch auf ein, durch den Diabetes verursachtes, zu hohes Geburtsgewicht des Babys zurückzuführen.“ Die Frauenärztin fordert daher, dass ein Blutzucker-Suchtest in die Mutterschaftsrichtlinien aufgenommen wird, nach einer Feststellung einer diabetischen Stoffwechsellage die Behandlung sofort zu beginnen und zur Geburt ein Perinatalzentrum aufzusuchen. „Ich rate jeder Schwangeren, sich in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche auf eine mögliche Zuckererkrankung hin untersuchen zu lassen“, so die Gynäkologin Rasenack.

Wichtig ist aber auch, betroffene Frauen nach der Geburt weiter zu betreuen, auch wenn sich der Blutzucker zunächst normalisiert. „Viele Frauen, die einen Gestationsdiabetes hatten, erkranken in den zehn Jahren nach der Geburt an einem Diabetes mellitus“, warnt Professor Seufert. Anders als der Gestationsdiabetes ist eine Schwangerschaft von Frauen mit Typ 1-Diabetes vergleichsweise seltener. Gestiegen ist dagegen die Zahl der Schwangeren mit einem Typ 2-Diabetes. „Übergewicht, Bewegungsmangel und ungesunde Ernährungsgewohnheiten führen dazu, dass zunehmend bereits Frauen im empfängnisbereiten Alter daran erkranken“, erzählt Seufert. „Diese Schwangeren sollten sich unbedingt frühzeitig von einem spezialisierten Team aus der Diabetologie, Geburtshilfe und Neonatologie beraten lassen.“

Am Universitätsklinikum Freiburg werden deutschlandweit die meisten Patientinnen mit Schwangerschaftsdiabetes und auch schwangere Patientinnen mit vorbestehendem Diabetes in enger Zusammenarbeit zwischen Universitäts-Frauenklinik und dem Schwerpunkt Diabetologie der Abteilung Innere Medizin II betreut.

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