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Wenn Nerven schmerzen – wegweisende Forschungsergebnisse zur Klärung des neuropathischen Schmerzes
(06.10.2011) In Deutschland werden rund 7,5 Millionen Menschen von chronischen Schmerzen gequält. Etwa ein Viertel davon leidet unter Nervenschmerzen – den so genannten neuropathischen Schmerzen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Prof. Knut Biber hat nun den Entzündungsfaktor CCL21 als Auslöser identifiziert.
Leitungsstörung:
Neuropathischer Schmerz entsteht
häufig nach Verletzungen von peripheren Nerven
(Foto: Fotolia)
Das Empfinden von Schmerz ist sehr wichtig für das Überleben von Organismen.
Es schützt vor großen Verletzungen und unterstützt den Heilungsprozess.
Menschen, bei denen die Schmerzempfindung genetisch gestört
ist, haben eine stark verringerte Lebenserwartung, da sie sich häufig
bereits in Kindertagen schwere Verletzungen zuziehen.
Manchmal wird
Schmerz aber selbst zum pathologischen Problem. Das heißt Schmerzen
werden empfunden, ohne dass ein Auslöser vorliegt. Zum Teil reagiert der
Nerv schon bei nicht-schmerzhaften Reizen wie geringen Temperaturschwankungen
oder leichten Berührungen. Dieser so genannte neuropathische
Schmerz entsteht häufig nach Verletzungen von peripheren
Nerven, beispielsweise durch Diabetes, Krebserkrankungen, Verletzungen
oder Infektionen.
Etwa sieben bis acht Prozent der europäischen Bevölkerung leiden an
neuropathischen Schmerzen, wobei die taktile Allodynie - das Empfinden
von Schmerzen bei leichten Berührungen - eine sehr häufige Unterart ist.
Diese Form von neuropathischen Schmerzen beeinträchtigt die betroffenen
Patienten und Patientinnen stark und ist medikamentös nur schwer oder
gar nicht zu behandeln. „Um bessere Therapien zu entwickeln, ist es daher
sehr wichtig zu verstehen, wie periphere Nervenschädigungen zur
Ausbildung von neuropathischen Schmerzen führen“, erklärt Prof. Dr. rer.
nat. Knut Biber, Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie am
Universitätsklinikum Freiburg.
Seit ungefähr sieben Jahren weiß man, dass Fresszellen des Rückenmarks,
so genannte Mikroglia, für die Entstehung des neuropathischen
Schmerzes wichtig sind. Diese Zellen reagieren sehr rasch auf
Schädigungen von peripheren Nerven und setzen im Rückenmark eine
Kaskade in Gang, an deren Ende der neuropathische Schmerz steht.
Mikroglia haben also eine wichtige Schlüsselfunktion bei der Entstehung
neuropathischer Schmerzen.
Bisher war es völlig unverstanden, wie eine
Schädigung von Nerven in der Peripherie zu dieser Reaktion der Mikroglia
im Rückenmark führen kann, da die Schädigung oft sehr weit vom
Rückenmark entfernt auftritt. Das Team um Prof. Biber, das sich aus
Forscherinnen und Forschern aus Freiburg, Holland und Japan zusammensetzt, konnte nun erstmals einen Faktor identifizieren, der für
diese Reaktion von Mikroglia verantwortlich ist. Es konnte zeigen, dass
periphere Nerven sehr schnell nach Schädigung den Entzündungsfaktor
CCL21 synthetisieren und in das Rückenmark transportieren. Dieser Faktor
ist essentiell für die spezifische Reaktion der Mikroglia, die zur Entstehung
von neuropathischem Schmerz führt. Mäuse, die aufgrund eines genetischen
Defekts kein CCL21 synthetisieren können, entwickeln im Tiermodell
keinerlei neuropathischen Schmerz. Des Weiteren hat eine Blockade von
CCL21 die Ausbildung neuropathischer Schmerzen verhindert, was die
Bedeutung dieses Faktors als therapeutischem Angriffspunkt hervorhebt.
„Unsere Ergebnisse sind entscheidend für das Verständnis und die Therapie
des neuropathologischen Schmerzes. CCL21 ist der zurzeit einzige
Faktor, der ausschließlich in geschädigten Nervenzellen synthetisiert wird
und der gleichzeitig für die Entstehung von neuropathischem Schmerz
nach peripherer Nervenschädigung nötig und ausreichend ist“, so Prof.
Biber.
Kontakt
Prof. Dr. rer. nat. Knut Biber |
Die Studie ist erschienen in:
Biber K., Tsuda M., Tozaki-Saitoh H., Tsukamoto K., Toyomitsu E., Masuda T.,
Boddeke H., Inoue K. (2011) Neuronal CCL21 up-regulates microglia P2X4
expression and initiates neuropathic pain development. EMBO J. 2011 May
4;30(9):1864-73.














