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Vom Labor ans Krankenbett
(21.07.2011) Das Comprehensive Cancer Center Freiburg ist eine einzigartige, geballte Ladung an fachübergreifender Kompetenz zur Vorbeugung und Behandlung von Krebs und der Erforschung seiner Entstehung.
In der Entwicklung besserer bildgebender Verfahren
ist das CCCF führend in Deutschland.
(Foto: Uniklinik)
Im Herzen des Tumors sitzen Stammzellen. Wenn er bösartig ist, schickt er solche Tumorstammzellen auf Reisen. Sie sind beweglich und besitzen besondere Werkzeuge. Damit durchdringen sie alle Hindernisse im Körper, wandern in neue Gewebe ein und bilden dort Tochtergeschwülste - die Metastasen. An ihnen, aber nicht am Ursprungs-tumor, sterben neun von zehn Krebspatienten. Darum suchen Krebsforscher und Krebsmediziner am Tumorzentrum Ludwig Heilmeyer - Comprehensive Cancer Center Freiburg (CCCF) des Universitätsklinikums unter anderem eine gezielte Therapie gegen Tumorstammzellen.
„Das wäre ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Krebs“, sagt Prof. Oliver G. Opitz, der Direktor des CCCF. Das Forschungsprogramm des CCCF bündelt das gesamte Fachwissen, das in der Universitätsklinik, dem Max-Planck-Institut, der Mikrosystemtechnik und anderen Instituten der Freiburger Universität vorhanden ist. „Wir haben für das CCCF zudem etliche hervorragende Wissenschaftler hierher geholt - auch aus den USA“, erzählt der Krebsmediziner.
26 Abteilungen und mehr als 70 Arbeitsgruppen gehören zum CCCF: eine einzigartige, geballte Ladung an fachübergreifender Kompetenz zur Vorbeugung gegen Krebs, zur Erforschung seiner Entstehung und seiner Behandlung! In der Epigenetik (siehe Seite 6) und der Entwicklung besserer bildgebender Verfahren ist das CCCF in Deutschland führend. Zudem ist es die zentrale Anlaufstelle für alle Krebspatienten des Klinikums. Um jeden von ihnen kümmert sich ein interdisziplinäres Expertenteam. Und jeden Krebskranken führt ein persönlicher Lotse durch den gesamten, ganzheitlichen Behandlungsprozess. Dieser umfasst auch psychologische Betreuung (Seite 9), Ernährungsberatungen und mehr.
„Wir wollen allen Krebspatienten in Freiburg, der Region und darüber hinaus die bestmögliche Behandlung zukommen lassen“, erklärt Prof. Opitz. Ebenso will das CCCF aber neuartige Therapieansätze vom Labor ans Krankenbett bringen. „Hauptnutznießer des CCCF sind immer die Patienten“, betont Prof. Opitz. Unter seiner Federführung entsteht gerade eine neue allgemeine Richtlinie zur Behandlung von Speiseröhrenkrebs nach modernsten Maßstäben. Der Direktor hebt weiter hervor, dass das CCCF Mitglied im Deutschen Konsortium Translationale Krebsforschung (DKTK) ist. Ein weiteres Qualitätszeichen!
Kontakt
Tumorzentrum Ludwig Heilmeyer
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Auch in diesem Netzwerk beschäftigt sich Professor Thomas Brabletz, Forschungsdirektor des CCCF und der Allgemein- und Viszeralchirurgie des Universitätsklinikums, mit Tumorstammzellen: „Sie sind nicht nur beweglicher als andere Krebszellen, sondern auch viel resistenter.“ Wenn ein Tumor zunächst auf eine Chemo- oder Strahlentherapie anspricht, aber später wieder wächst, haben wahrscheinlich nur die robusten Stammzellen überlebt. „Wir gehen davon aus, dass Tumorstammzellen auch Quellen jeder Metastase sind“, sagt Prof. Brabletz, „Deshalb wollen wir mit unseren Kooperationspartnern gezielte Therapien gegen sie entwickeln.“ Um so weit zu kommen, müssen der Krebsforscher und seine Mitarbeiter erst noch mehr über Tumorstammzellen herausfinden: Wodurch unterscheiden sie sich von anderen Krebszellen? Wo liegen mögliche Angriffstellen? Wie sind sie zu packen?
Verbund der besten Forscher
Das Deutsche Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) ist ein Verbund von Deutschlands besten Krebsforschern. Sie sollen die vielen neuen Erkenntnisse, die in den letzten Jahren durch die Krebsforschung gewonnen wurden, schneller in die klinische Anwendung bringen, was der Begriff „translational“ betont. In einer öffentlichen Ausschreibung hatte das Bundesministerium für Bildung und Forschung deutsche Universitätskliniken aufgefordert, sich um die Teilnahme in diesem Konsortium zu bewerben. Unter den Anträgen, die 15 internationale Gutachter bewerteten, schnitt das Freiburger CCCF am besten ab.
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Mithilfe von Zellkulturen, die direkt aus Tumorzellen von Patienten gewonnen wurden, und Tiermodellen sucht seine Arbeitsgruppe weitere besondere molekulare Merkmale der Tumorstammzellen. Dazu verwenden die Forscher beispielsweise moderne biotechnologische Chips. Diese zeigen auf einen Streich an, welche unter Hunderten von Genen in einer Zelle stärker, schwächer oder gar nicht aktiv sind. Aus dem Vergleich der Ergebnisse von „normalen“ Krebszellen mit Tumorstammzellen ergeben sich die Unterschiede.
„Wir haben herausgefunden, dass microRNAs der miR-200-Familie und Proteine der ZEB Familie wichtig sind“, sagt der CCCF-Forschungsdirektor. Das Gleichgewicht dieser Moleküle entscheidet darüber, ob Krebszellen beweglich werden und Stammzelleigenschaften entwickeln. Eine bedeutende Rolle spielt dabei auch das Tumorsuppressorgen p53, eine Berühmtheit unter Fachleuten. „Wir kennen also schon ein paar klare Unterschiede, aber nicht jeder davon ist angreifbar“, erklärt Prof. Brabletz.
Trotz enormer Fortschritte in den letzten Jahren bleibt noch einiges zu tun. Dabei prüft ein wissenschaftlicher Beirat mit Experten aus mehr als einem halben Dutzend Nationen regelmäßig die Qualität des CCCF extrem kritisch. Das Gremium wurde vom CCCF selbst aufgestellt, erklärt Prof. Opitz: „Wir stellen uns freiwillig allen erdenklichen Gutachterverfahren, um immer besser zu werden.“














