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Im Dienste der Patienten: Studienleiter im Klinikum

(15.9.2009) Neue Therapien und neu entwickelte Medikamente werden durch eine klinische Studie überprüft, bevor sie in der klinischen Praxis angewandt werden. Doch wer führt diese Studien durch?

Wer ist Drahtzieher, wer unterstützt die Wissenschaftler und vor allem: wie wird geprüft? amPuls sprach mit Privatdozent Dr. Daniel Böhringer von der Augenheilkunde, über seine Erfahrungen. Er führt gemeinsam mit dem Zentrum Klinische Studien Freiburg und dem Institut für Medizinische Biometrie und Medizinische Informatik eine Studie zur Hornhauttransplantation durch.

amPuls: Dr. Böhringer, Sie starten eine mit zwei Millionen Euro geförderte Studie zu Abstoßungsreaktionen bei Hornhauttransplantationen. Warum?

PD Dr. Böhringer: Hornhauterkrankungen gehören zu den häufigsten Gründen für eine Erblindung. Eine Hornhauttransplantation bedeutet in solchen Fällen oft die einzige Rettung für das Augenlicht. Allerdings kann der Körper das Transplantat auch abstoßen. Dann muss es erneut ausgetauscht werden. Allerdings sind solche Wiederholungen nur begrenzt möglich. Durch eine gezielte individuelle Auswahl des Hornhautspenders hinsichtlich spezieller Gewebeeigenschaften, dem so genannten Matching, kann das Abstoßungsrisiko wahrscheinlich deutlich gesenkt werden.

amPuls: Was genau ist Matching?

PD Dr. Böhringer: Matching ist ein Verfahren, bei dem sechs Gewebemerkmale vom Spender und vom Empfänger überprüft und aufeinander abgestimmt werden. Wenn ein Patient eine neue Hornhaut braucht, wählen wir die nicht willkürlich aus. Wir suchen nach einer Hornhaut mit den gleichen Eigenschaften. Noch sind wir und die Hornhautbank am Uniklinikum Düsseldorf die einzigen, die matchen. Das liegt an einem Spendermangel, aber auch daran, dass die Kosten für eine Typisierung sehr hoch sind. Außerdem gibt es noch keinen wissenschaftlichen Beweis für den Effekt des Matchens. Das wollen wir mit unserer Studie ändern.

amPuls: Was heißt das konkret?

PD Dr. Böhringer: Unsere Studie soll beweisen, dass ein Abgleich spezieller Gewebeeigenschaften zwischen Spender und Empfänger eine Abstoßungsreaktion verhindern kann. Weltweit wird momentan unter den Wissenschaftlern diskutiert, ob die Verwendung gematchter Transplantate das Risiko tatsächlich senkt, oder ob das nur Zufälle sind. Wir wollen klären, ob das Matching gefährliche Mehrfach-Transplantationen verhindern kann.

amPuls: Was würde ein positives Ergebnis bedeuten?

PD Dr. Böhringer: Nach einer Hornhautübertragung bekommen die Betroffenen viele Medikamente verabreicht, damit die neue Hornhaut nicht abgestoßen wird. Wenn wir durch die Studie belegen können, dass unsere Annahmen richtig sind, könnten in Zukunft viele Medikamente eingespart werden. Zum anderen wollen wir andere Hornhautbanken dazu bewegen, konsequenter auf eine Gewebetypisierung von Spender und Empfänger zu achten.

Kontakt:
PD Dr. Daniel Böhringer,
Abteilung für Augenheilkunde
Tel.: 0761/270-8612
E-Mail: daniel.boehringer@uniklinik-freiburg.de

amPuls: Wie führen Sie diese Studie durch?

PD Dr. Böhringer: Wir arbeiten mit 12 anderen Klinika in Deutschland zusammen an der Studie. Im Augenblick suchen wir noch Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die eine Hornhauttransplantation benötigen. Nach Zustimmung der Ethikkommissionen der einzelnen Kliniken legen wir los. Wir werden 720 Patienten einschließen. Wir teilen dann die Teilnehmer in zwei Gruppen auf. Die Patienten der einen Gruppe behandeln wir mit einer Zufallsspende aus der Hornhautbank, die anderen mit einer genau auf den Gewebetyp passenden Hornhaut. Im Nachgang wird dann untersucht, ob es in der einen Gruppe zu weniger Abstoßungsreaktionen gekommen ist. Die Studie ist also auf etwa vier Jahre angelegt, wobei wir noch ein halbes Jahr für die Auswertung eingeplant haben.

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