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Mütter- und Kindersterblichkeit senken

(19.10.2010) Die Universitäts-Frauenklinik engagiert sich mit großen Erfolg in der medizinisch-humanitären Entwicklungszusammenarbeit in Vietnam und Laos

Die Senkung der Müttersterblichkeit zählt mit zu den wichtigsten Zielen der „Millenium Development Goals“. Die Entwicklungsziele wurden vor zehn Jahren von den Vereinten Nationen beschlossen und enthalten ein Maßnahmenpaket, das unter anderem die weltweite Reduzierung von Hunger und Armut bis zum Jahr 2015 vorsieht. Dabei steht außer Frage, dass die gesundheitliche Situation von Frauen in Ländern des Südens und die Stärkung ihrer reproduktiven Rechte für die Erreichung der Millenium Goals eine zentrale Rolle spielen. Leider ist schon jetzt absehbar, dass weder die Vereinten Nationen noch die einzelnen Länder Europas ihre selbst gesteckten Ziele einhalten können.

Doch was sich auf der weltpolitischen Bühne nur langsam bewegt, wird von manchen Initiativen und Gruppen mit viel Engagement bereits praktiziert. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist ein Kooperationsprojekt des Collaborating Center for Postgraduate Training and Research in Reproductive Health der Universitäts-Frauenklinik Freiburg zusammen mit Universitäten und medizinischen Fakultäten in Laos und Vietnam. Unter der Leitung von Prof. Dr. Horst-Michael Runge trägt die Freiburger Frauenklinik schon seit über 15 Jahren aktiv zur fachlichen Aus- und Fortbildung von Gynäkologinnen und Gynäkologen, Hebammen und Pflegekräften in Laos und Vietnam bei.

Seit vier Jahren arbeiten nun Freiburger Frauenärzte mit der National University of Laos in der Ausbildung der ersten Fachärzte für das Land zusammen. Nur wenige Studierende haben überhaupt eine Chance auf einen Ausbildungsplatz an der Universität. Es waren unter anderem Freiburger Gynäkologen um Runge, die in den 1990er-Jahren die Partnerschaft mit asiatischen Universitäten förderten und ihr medizinisches Know-how einbrachten. Runge erhielt 2004 den Titel eines Ehrenprofessors der Republik Vietnam und der Ho-Chi-Minh-Universität für Pharmazie und Medizin. Nach Vietnam war es im Jahre 2002 die National University of Laos in Vientiane, die in eine intensive Zusammenarbeit eingeschlossen wurde. Der Austausch umfasst gemeinsame Forschungsprojekte, Seminare, Ausarbeitung von Lehrmaterialien und Curricula. Im Jahre 2004 wurde die Kooperation zwischen Freiburg und Vientiane offiziell beschlossen und mit einer Universitätspartnerschaft besiegelt.

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In Laos und Vietnam bestehen vor allem in Bildungs- und Gesundheitssektor große strukturelle Probleme. „Als ich Mitte der 1990er Jahre nach Vietnam kam, gab es an den medizinischen Fakultäten kaum einen Professor für Frauenheilkunde. Die Lehrbücher für Studierende stammten aus dem Jahr 1968 und waren völlig veraltet“, erzählt Michael Runge. Schuld an der Misere seien außer den Konjunkturprogrammen der jeweiligen Regierungen, in denen Bildung und Gesundheit zu kurz kamen, auch die herkömmlichen Konzepte der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. „Die großen universitären Ausbildungs-krankenhäuser, in denen Fachärzte, Hebammen und Krankenschwestern für ganze Länder ausgebildet werden, hat man sträflich vernachlässigt“, so Michael Runge.

Doch genau an diesem Punkt greift das Projekt der Frauenklinik Freiburg, dessen oberstes Ziel die Aus- und Weiterbildung von medizinischem Fachpersonal ist. Einerseits beinhaltet das Programm Stipendien und ermöglicht somit Ärzten und Studierenden aus Laos und Vietnam für ein Gastsemester an deutsche Universitäten zu kommen. Im Gegenzug sind fast durchgängig Fachmediziner aus Freiburg und weiteren deutschen Universitäten vor Ort, um Medizin zu lehren, neue Forschungsergebnisse vorzustellen und Behandlungsmethoden in der Praxis anzuleiten. Auf diese Weise konnten im Kooperationsprojekt seit Mitte der 1990er Jahre bereits über 1.200 Fachärztinnen und Fachärzte ausgebildet werden. Die praktische Ausbildung von Studierenden und ist dabei nur ein Mosaiksteinchen in dem breit angelegten Bildungsprojekt der Freiburger Universitäts-Frauenklinik. So konzipierte das Team um Michael Runge auch Lehrmaterialien, die allesamt auf Englisch, Vietnamesisch und Laotisch verfasst wurden. Die Fachbücher, CD-Roms und DVDs werden durch ihre ausgezeichnete Qualität auch in Deutschland für Ärzte in der Weiterbildung zum Facharzt empfohlen.

Was bedeutet Reproduktive Gesundheit?

- Definition der UN aus dem Jahr 1994: Reproduktive Gesundheit bedeutet, dass „Menschen ein befriedigendes und ungefährliches Sexualleben haben können und dass sie die Fähigkeit zur Fortpflanzung und die freie Entscheidung darüber haben, ob, wann und wie oft sie hiervon Gebrauch machen wollen“.

- Reproduktive Gesundheit ist ein Menschenrecht, das für die nachhaltige Entwicklungs- zusammenarbeit eine zentrale Rolle spielt.

- Aspekte wie Mütter- und Kindersterblichkeit, HIV/Aids, ungeplante Schwangerschaften etc. sind direkt von reproduktiven Rechten betroffen.

In Vietnam und Laos handelte es sich um die ersten gynäkologischen Lehr- bücher in der eigenen Landessprache nach über 30 Jahren. Damit strebt das Freiburger Collaborating Center for Postgraduate Training and Research in Reproductive Health in besonderem Maße einen nachhaltigen Entwicklungsansatz an. Denn die geschulten Mediziner und Pflegefachkräfte können selbst als Multiplikatoren aktiv werden und ihr Wissen sowohl als Hochschullehrer in als auch außerhalb der Universitäten weitergeben. Gerade in ländlichen Gebieten, in denen der Zugang zu Wissensressourcen äußerst begrenzt ist, ist die Wissensvermittlung nach dem Schneeball-Prinzip bedeutsam: „Indem die Kolleginnen und Kollegen in zentralen Universitäten eine qualitativ gute Ausbildung erhalten, können sie im Anschluss auch in der Peripherie gute Arbeit leisten und ihr Know-how weitergeben“, erklärt Michael Runge.

Für sein Engagement wurde Michael Runge in Vietnam bereits mit zwei Ehrenprofessuren ausgezeichnet: im Jahr 2004 von der Ho-Chi-Minh-University und 2009 von der Universität Hue in Vietnam. Zudem erhielt er die Verdienstmedaille „For the Cause of Health“ der Sozialistischen Republik Vietnam. Die schönste Auszeichnung für Michael Runge und sein Team ist jedoch der deutliche Rückgang der hospitalbasierten Müttersterblichkeit in Laos und Vietnam seit Projektbeginn. In Laos beispielsweise hat sich die Sterblichkeitsrate von 600-800 Frauen pro 100.000 Lebendgeburten in den 1990er Jahren inzwischen um fast die Hälfte reduziert. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die mütterliche Sterblichkeit auf 100.000 Lebendgeburten bei vier bis sechs Frauen. Der Erfolg des Projektes lässt auf ein Umdenken in der Entwicklungszusammenarbeit hoffen. Denn „nur durch gute medizinische Ausbildung, wie wir es in unserem Projekt anstreben, kann das Gesundheitssystem in Entwicklungsländern nachhaltig verbessert werden“, betont Prof. Michael Runge.

Förderer sind das Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg und die Else Kröner-Fresenius-Stiftung.

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