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Von Dildo bis Zungenkuss

(16.1.2009) Medizinstudenten geben Aufklärungsunterricht: „Mit Sicherheit Verliebt“, eine AG der Offenen Fachschaft Medizin Freiburg, ist zu Besuch bei einer 8. Klasse der Staudinger Gesamtschule.

Von Laura Herrmann

Zur Auflockerung: das Sex-Alphabet. Für jeden Buchstaben müssen die zwanzig Schüler ein Wort an die Tafel schreiben, das irgendetwas mit Liebe oder Sex zu tun hat. „Mit Sicherheit Verliebt“ (MSV), eine AG der Offenen Fachschaft Medizin Freiburg ist zu Besuch bei einer 8. Klasse der Staudinger Gesamtschule. Zunächst wird getuschelt und gekichert, die Mädchen trauen sich erst gar nicht an die Tafel, die Jungen schaffen es schlieβlich einen aus ihrem Grüppchen nach vorne zu schubsen, der prompt das Wort „Arschfick“ anschreibt. Die Mädchen schimpfen jetzt zwar über die „kindischen Jungen“ aber das Eis ist gebrochen und die Tafel füllt sich langsam mit Begriffen von Dildo bis Zungenkuss.

Mückenstiche und alte Spritzen

Das nächste Thema ist um einiges ernster: Was ist Aids? Und wie wird es übertragen? Bei jährlich 2700 Neuinfektionen mit HIV in Deutschland – Tendenz steigend – liegt auf der Hand, dass etwas dagegen getan werden muss. Aufklärungsunterricht in Schulen ist zwar theoretisch ab Klasse 7 vorgesehen, fällt aber aus Zeitmangel meist unter den Tisch. Auβerdem fällt es Jugendlichen verständlicherweise schwer, ihren Lehrern offen Fragen zu den Themen Liebe und Sex zu stellen. Diese Lücke füllen die Studenten von MSV, die mit den Schülern auf Augenhöhe stehen. So können die Jugendlichen auch Fragen stellen, die ihnen bei ihren Eltern und Lehrern peinlich wären. Zum Thema HIV gibt es das Ampel-Spiel: Karten mit verschiedenen Situationen – vom Mückenstich bis zum Analverkehr – werden ausgeteilt und müssen je nach Ansteckungsrisiko auf einer Ampel angeordent werden. Dass benutzte Spritzen zu rot gehören ist schnell klar, aber was ist mit Hände schütteln? „Und wenn nun aber beide eine Wunde an der Hand haben?“, fragt eine Schülerin. Juliane, Medizinstudentin im 5. Semester erklärt, die Ansteckungswahrscheinlichkeit sei auch dann verschwindend gering. Als alle Karten verteilt sind, wird umsortiert: Was wäre, wenn in allen Situationen ein Kondom benutzt wird? Nun landen fast alle Karten auf dem grünen Stapel – ein einprägsames Bild.

Frauenrunde – Männerrunde

Infokasten

Der Artikel "Von Dildo bis Zungenkuss" erschien erstmals im "Appendix", dem Magazin für Medizinstudenten in Freiburg.
Die Homepage von "Appendix" finden Sie hier...

Nach der Pause wird die Klasse in Mädchen und Jungen eingeteilt. In der kleinen Runde werden die Schülerinnen wesentlich ruhiger. Nun geht es um Themen wie den ersten Besuch beim Frauenarzt, Abtreibung und das erste Mal. Auβerdem überlegen sich die Mädchen, was Jungen eigentlich an ihnen mögen. Einen guten Charakter? Einen groβen Busen? Intelligenz? Die Jungen dürfen die Ergebnisse dann kommentieren, nehmen es aber eher lässig: „Kann auch ein hässliches Mädchen sein, solange sie nicht spargeldünn oder zu fett ist!“ Die Schüler waren durchweg begeistert von MSV, und die Evaluation, die am Ende jedes Schulbesuchs durchgeführt wird, ergab eine Durchschnittsnote von 1.7. Auch wenn einige zugaben, dass ihnen das Thema anfangs unangenehm war, am Ende waren alle mit voller Begeisterung dabei. Besonders bei der Kondomrallye, dem Gummi-über-zwei-Finger-Wettziehen. Die abschlieβende Meinung lautete jedenfalls: „War total geil!“

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