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Palliativmedizin: Der Bedarf wächst

(10.11.2011) Der palliativmedizinische Versorgungsbedarf für Krankenhäuser ist erstmals messbar. Die Freiburger Studie „In-Patient Palliative Care Needs“ wurde für ihre Pionierleistung mit dem diesjährigen Förderpreis der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin ausgezeichnet.

Das Fach Palliativmedizin steht für die bestmögliche medizinische, pflegerische, psychosoziale und spirituelle Betreuung von schwerstkranken und sterbenden Menschen sowie ihrer Angehörigen. Der Bedarf an palliativmedizinischen Behandlungskonzepten ist hoch und wird in den nächsten Jahren nicht zuletzt wegen des demografischen Wandels weiter steigen. Ein Problem in der Planung von Palliativstationen ist, dass es bislang nur sehr wenige Daten zum quantitativen und qualitativen Betreuungsbedarf in Akutkrankenhäusern gab.

Dank einer Studie unter der Federführung der Leiterin der Palliativstation des Universitätsklinikums Freiburg können Krankenhäuser jetzt besser planen. Das Team von PD Dr. med. Dipl.-Theol. Gerhild Becker, Master of Science in Palliative Care, erfasste 17 Monate lang den palliativmedizinischen Betreuungsbedarf auf 51 Stationen des Universitätsklinikums Freiburg. Insgesamt wurden die Daten von 40.000 Patienten erhoben.

„Die gewonnen Daten zeigen, dass insgesamt etwa sieben Prozent der Patienten einen palliativmedizinischen Betreuungsbedarf aufwiesen“, so Becker. Die Wissenschaftler konnten mit Hilfe von Modellen unabhängige Risikofaktoren für das Vorliegen eines palliativmedizinischen Betreuungsbedarfs erkennen. Die wichtigsten Risikofaktoren waren das Vorliegen einer Krebserkrankung, ein hohes Alter, das Fehlen von Angehörigen, Demenz und eine hohe Pflegebedürftigkeit. „Mit Hilfe dieser Ergebnisse konnten wir eine gute Vorhersage für einen palliativmedizinischen Betreuungsbedarf erzielen“, berichtet die Palliativmedizinerin.

Kontakt

PD Dr. Gerhild Becker
Universitätsklinik Freiburg
Palliativstation
Tel.: 0761 270-94210
E-Mail: gerhild.becker@uniklinik-freiburg.de

„Die Daten zeigen, dass etwa sieben Prozent der Betten eines Akutklinikums für Patienten mit palliativmedizinischem Betreuungsbedarf eingeplant werden müssen.“ Die Studie des Universitätsklinikums Freiburg leistet Pionierarbeit auf dem Gebiet der Palliativmedizin. Zum ersten Mal liegen verlässliche Daten vor, mit deren Hilfe Krankenhäuser ihren palliativmedizinischen Versorgungsbedarf errechnen können und so beispielsweise die nötige Größe einer Palliativstation planen können.

Die Studie „In-Patient Palliative Care Needs: An Epidemiological Study“ wurde mit dem diesjährigen Förderpreis der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin ausgezeichnet. Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin verleiht seit 1999 diesen Preis zur Förderung der klinischen Wissenschaft. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und wurde bereits Ende September verliehen. „Der Preis ist natürlich eine große Anerkennung für alle am Projekt Beteiligten und Ansporn den eingeschlagene Weg weiter zugehen“, so PD Dr. Gerhild Becker. Erste Ergebnisse der Studie wurden im renommierten Journal of Clinical Oncology veröffentlicht und weitere Publikationen aus der Datenbank sind geplant.

Palliative Cancer Care: An Epidemiologic Study, in: Journal of Clinical Oncology, January 24, 2011.