Spitzenforschung aus Freiburg hilft Patienten

(Von Benjamin Waschow)
Er zählt zu den qualitativ herausragenden Wissenschaftlern Deutschlands und weltweit. Professor Dr. Gerd Walz gehört zu den wenigen klinisch tätigen Wissenschaftlern, die gezeigt haben, wie man experimentelle Forschung für das Wohl von Patienten einsetzen kann. amPuls-online sprach mit Prof. Walz, dem Ärztlicher Direktor der Abteilung Nephrologie und Allgemeinmedizin, über seine Forschungsarbeiten zur Entstehung von Zystennieren und über den Forschungsstandort Freiburg.

amPuls-online: Professor Walz, Sie erforschen seit Jahren die Entstehung und Behandlung von Zystennieren. Welche Fortschritte konnten Sie mit Ihrem Freiburger Forscherteam erzielen?

Prof. Walz: Wir konnten in den letzten Jahren immer wieder kleine Teile zu dem Puzzle beitragen, welches international von vielen Wissenschaftlern und Arbeitsgruppen bearbeitet wird. Nicht nur Mitarbeiter meiner Abteilung, sondern beispielsweise auch Arbeitsgruppen in der Kinderklinik haben zum Verständnis dieser Erkrankung beigetragen. Wir wissen heute, dass ein kleines „Anhängsel“, die sogenannte Zilie an den Zellen in der Niere für eine normale Struktur der Niere von ganz entscheidender Bedeutung ist. Fehlt diese Zilie, so können sich die Zellen innerhalb der Niere nicht mehr richtig orientieren und bilden Zysten. Wenn man so will, entstehen Nierenzysten, weil das Navigationsgerät der Nierenzellen ausgefallen ist.

amPuls-online: Wieso ist es so schwierig, ein Mittel gegen Zystennieren zu finden?

Prof. Walz: Zystennieren sind erbliche Erkrankungen. Bisher ging man immer davon aus, dass erbliche Erkrankungen nur durch eine wie auch immer geartete Gentherapie behoben werden können. Nun stellt sich heraus, dass man durch Eingriffe in Zellvorgänge das durch das defekte Gen verursachte Symptom durch Medikamente zumindest mildern kann.

amPuls-online: Wie erfolgversprechend sind Ihre Studien mit einem Medikament, das eigentlich nach Nierentransplantationen eingesetzt wird und nun scheinbar auch bei Nierenzysten hilft?

dialyse1

Prof. Walz: Basierend auf dramatischen Erfolgen im Tiermodell werden nun weltweit eine Reihe von Studien iniziert, die zwei verschiedene Medikamente, sogenannte mTOR-Inhibitoren oder Vasopressin-2-Rezeptor-Antagonisten einsetzen. Diese Studien haben in den letzten Monaten begonnen, so dass eine Beurteilung gegenwärtig nicht möglich ist.

amPuls-online: Viele deutsche Wissenschaftler kehren Deutschland den Rücken, weil sie sich in den USA bessere Forschungsmöglichkeiten versprechen. Sie haben selbst viele Jahre auch sehr erfolgreich in den USA geforscht. Was hat Sie bewogen zurück nach Deutschland zu kommen?

Prof. Walz: Aufgrund der Finanzierung der Forschung in Deutschland haben wir hier sicherlich sehr viel stabilere Strukturen als in den USA. Damit kann man mittel- und langfristig planen, was in den USA nahezu unmöglich ist. Verblüffend ist auch, wie viel Talent wir immer noch nach Freiburg locken können, welches dann zum Erfolg des Klinikums und der Universität beitragen.

amPuls-online: Was unterscheidet den Forschungsstandort Deutschland von den USA?

Prof. Walz: Die größere Stabilität führt zu einem Verlust von Flexibilität. Beispielsweise werden wir in Freiburg gegenwärtig von unserem Erfolg überholt. Vielen Gruppen ist es in den letzten Wochen und Monaten gelungen, Forschungsgelder nach Freiburg zu holen. Nun werden die Laborflächen knapp, um die Forschung erfolgreich umzusetzen. Eine amerikanische Universität kann auf eine derartige Situation sehr zeitnah reagieren und neue Gebäude fertig stellen oder auch Laborflächen anmieten. Aufgrund der komplexen Zuständigkeit dauern derartige strukturelle Maßnahmen in Deutschland leider sehr lange.

amPuls-online: Wie schätzen sie die künftigen Forschungsmöglichkeiten in Freiburg ein?

Prof. Walz: Die gegenwärtigen Forschungsmöglichkeiten in Freiburg sind hervorragend und unterscheiden sich wenig von den amerikanischen Universitäten. Sollte Freiburg zur Elite-Universität werden und die Landesregierung diese Anstrengung gebührend unterstützen, so kann man in Freiburg sicherlich einen Spitzenplatz in der internationalen Forschung und auch der Krankenversorgung erreichen. Aber auch ohne Elite-Universität wird man in Freiburg weiterhin gute Forschung durchführen können.

Infokasten Zystenniere:

Die Zystenniere gehört zu den häufigsten Erbkrankheiten beim Menschen; alleine in Deutschland sind etwa 100.000 bis 150.000 Menschen von dieser Krankheit betroffen. Bis heute gibt es keine geeignete Therapie für Patienten mit Zystennieren. Bei dieser Erkrankung sind die Nieren vollkommen von flüssigkeitsgefüllten Hohlräumen, die von einer Kapsel umgeben sind, durchsetzt. Den Patienten bleibt nur zuzusehen, wie ihre Nierenfunktion langsam verloren geht und sie sich unaufhaltsam dem Nierenversagen nähern. Dieser Prozess zieht sich durchschnittlich 50 Jahre hin. Dann hilft den Patienten nur noch die regelmäßige Dialyse, um überleben zu können.

Die Homepage der Abteilung Nephrologie und Allgemeinmedizin finden Sie hier…

zurück...