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Chirurgie von Weichteiltumoren (Sarkome)

Bösartige Weichgewebsgeschwülste werden als Weichteil-Sarkome bezeichnet (von griech. sarkos = Fleisch). Diese Bezeichnung unterscheidet sie von den wesentlich häufigeren Karzinomen, wie z.B. Lungen- und Darmkrebs.

Beim Erwachsenen entstehen Weichteilsarkome am häufigsten in den Beinen (in vier von zehn Fällen), es folgen Rumpf, hinterer Bauchinnenraum (Retroperitonealraum), Arme und Kopf-Hals-Bereich. Die Entstehungsursachen der meisten Weichteilsarkome sind heute noch weitgehend ungeklärt.

Die Aussicht auf eine Heilung hängt sehr vom Erkrankungsstadium ab: Je früher ein Sarkom entdeckt wird, das heißt je kleiner der Haupttumor ist und je weniger er anderes Gewebe angegriffen hat, desto besser ist auch die Aussicht auf Behandlungserfolg. Unter Heilung versteht man dabei, daß die Tumoren entfernt wurden und über einen Zeitraum von fünf Jahren kein neuer Tumor aufgetreten ist. Nach fünf Jahren "Tumorfreiheit" ist die Wahrscheinlichkeit, daß der Tumor wiederkommt (Rezidiv) oder Tochtergeschwülste (Metastasen) auftreten vergleichsweise gering.

Klinische Symptomatik und Diagnostik Meist fällt dem Betroffenen als erstes Symptom eine schmerzlose Schwellung oder Verhärtung des Gewebes auf. Diese vergrößert sich allmählich, in manchen Fällen auch sehr rasch. Da Weichteilsarkome oft in tieferen Schichten des Körpers entstehen, können sie bei ihrer Entdeckung, wenn sie sich von außen fühlen lassen, schon recht groß sein. Der Sitz des Tumors ist also für den Zeitpunkt der Diagnose mitentscheidend. Eine Untersuchung zur Früherkennung von Weichteilsarkomen gibt es nicht. Es liegt also an jedem Einzelnen, sich an den Arzt zu wenden, sobald er an seinem Körper eine zunehmende Schwellung bemerkt. Bei Verdacht auf einen bösartigen Weichteiltumor müssen verschiedene Untersuchungen zur Abklärung durchgeführt werden. Die Schwellung selbst und die umgebende Körperregion einschließlich der Lymphknoten werden vom Arzt sorgfältig abgetastet und per Ultraschalluntersuchung dargestellt. Damit ist eine erste Orientierung über Lage und Ausdehnung der Geschwulst gegeben. Schichtbildaufnahmen der Tumorregion durch Kernspintomographie (MRT) mit Kontrastmittel erlauben eine genaue räumliche Zuordnung des Tumors.

Mit keinem der bildgebenden Verfahren kann jedoch sicher festgestellt werden, ob der Tumor gut- oder bösartig ist. Deshalb werden in einer kleinen Operation Gewebeproben aus dem Tumor entnommen. Um Gewebeschäden so klein wie möglich zu halten, sollte jede Biopsie an sarkomverdächtigem Gewebe von einem Arzt mit viel Erfahrung in der Chirurgie von Sarkomen durchgeführt werden, um den späteren Eingriff nicht zu erschweren. Das entnommene Tumorgewebe wird anschließend von Pathologen mikroskopisch untersucht.

Behandlung

Da Sarkome relativ selten vorkommen, sollte die Behandlung immer an einem Zentrum erfolgen, an dem alle notwendigen Fachdisziplinen zur Verfügung stehen. Am Universitätsklinikum Freiburg werden alle erwachsenen Patienten mit einem Sarkom in der interdisziplinären Sarkomkonferenz besprochen. Hier wird die Behandlung durch spezialisierte Vertreter aller relevanten Abteilungen geplant: Chirurgische Universitätsklinik (Abt. Plastische und Handchirurgie, Department für Orthopädie und Traumatologie), Abteilung Onkologie, Klinik für Strahlenheilkunde, Institut für Pathologie. Die mit Abstand wichtigste Therapiemaßnahmen bei Weichteilsarkomen ist die Operation. Dies gilt für den Ersttumor, örtliche Rückfälle und auch Fernabsiedlungen (Metastasen). Häufig erfolgt zusätzlich zur Operation eine Nachbestrahlung, insbesondere bei großen, tief sitzenden Tumoren. Die Chemotherapie kommt meistens im metastasierten Stadium zur Anwendung.

Sarkome der Weichteile bilden häufig zunächst bindegewebige Kapseln, die sie aber im Gegensatz zu gutartigen Tumoren durchbrechen können. Sie breiten sich dann oft entlang anatomischer Strukturen aus, zum Beispiel entlang von Muskelscheiden, Bändern oder Gefäßen. Ziel der Operation ist es, das Tumorgewebe möglichst radikal zu entfernen und dabei die Funktion so weit als möglich zu erhalten. Die oftmals erforderliche Mitentfernung von Gefäßen, Nerven oder Sehnen zieht häufig wiederherstellende Maßnahmen nach sich, die arterielle und venöse Bypässe, den Nervenersatz oder Verlagerung von Sehnen zur Kompensation eines Funktionsverlustes umfassen. Gewebeverluste können ausgeglichen werden, indem so genannte Lappenplastiken zum Einsatz kommen. Dies werden entweder aus der direkten Umgebung gewonnen („gestielte Lappenplastik“) oder „frei“ mit Anschluss der Gefäße unter dem Mikroskop verpflanzt. Diese Techniken erlauben die großzügige Operation des Tumors mit erhöhter Sicherheit . Durch diese modernen plastisch-wiederherstellenden Verfahren konnte die Amputationsrate bei Tumoren der Extremitäten zum Beispiel in den letzten 20 Jahren deutlich reduziert werden.

Mehr Info zum Thema Weichteilsarkome beim Erwachsenen finden Sie unter www.krebsinformationsdienst.de.

Die Weichteilsarkome des Kindesalters unterscheiden sich in ihren Eigenschaften wesentlich von denen des Erwachsenen. Die Aussagen dieses Textes können daher nicht auf kindliche Sarkome übertragen werden.

Mehr zu Krebs bei Kindern finden Eltern und Betroffene unter www.kinderkrebsinfo.de.

 

Kontakt:
Oberarzt PD Dr. H. Bannasch