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Bestellung - Gesamtdokument

Blutprodukte und Plasmaderivate sind verschreibungspflichtige Arzneimittel. Sie dürfen nur auf ärztliche Anordnung abgegeben werden.

Verantwortlich für die eindeutige Identitätssicherung der Blutprobe zur Bestellung von Blutprodukten und Plasmaderivaten ist der anfordernde Arzt!
Delegiert der Arzt die Blutentnahme an eingewiesenes Assistenzpersonal, entbindet ihn dies nicht von der Verantwortung der Identitätssicherung.

Eindeutige Identitätssicherung

Die eindeutige Identitätssicherung ist unerlässlich!
Beschriften der Blutröhrchen vor der Entnahme des Patientenblutes:

  • Name, Vorname
  • Geburtsdatum
  • ggf. Identifikationscode des Patienten

Folgende Grundregeln werden in dieser Reihenfolge beachtet:

  • Beschriften
  • Bekleben
  • Vergleichen der Daten auf Röhrchen mit Daten auf dem Anforderungsschein
  • Überprüfen der Identität, wenn möglich durch Befragen des Patienten nach Name, Vorname, Geburtsdatum
  • Entnehmen der Blutprobe
  • Datum / möglichst Uhrzeit der Probenentnahme

ACHTUNG! Die Blutentnahme erfolgt ausnahmslos in ein beschriftetes Behältnis!

Fehlen Daten auf dem Blutröhrchen oder bestehen Unstimmigkeiten zwischen Blutröhrchen und Anforderungsschein, werden das/die Röhrchen mit dem Anforderungsschein und einem Begleitzettel mit Hinweis zurückgeschickt.
Bei Patienten, die namentlich nicht bekannt sind, werden zur Identifikation z.B. die Angabe "Unfall", das Geschlecht sowie das Datum mit Uhrzeit der Anforderung angegeben.

Anforderung

Die Anforderung von Blutkomponenten erfolgt für jeden Patienten schriftlich über das Anforderungsformular:
(1) Orginal für Transfusionemedizin, (2) 1. Durchschrift für Transfusionemedizin, (3) 2. Durchschrift für Station.
Nur in Notfällen kann von dieser Regel abgewichen werden (Einscannen des Formulars, ausgefüllt als Muster?)

Auf dem Anforderungsformular sind unbedingt auszufüllen:

  • Name, Vorname, Geburtsdatum
  • Anfordernde Station mit Kostenstelle und falls different zur anfordernden Stelle die Lieferadresse
  • Klinische Diagnose des Empfängers
  • Transfusionsanamnese (unbedingt Angabe früherer irregulärer Antikörper)
  • OP- bzw. Transfusionstermin, zeitliche Dringlichkeit / Datum, Uhrzeit
  • Datum/Uhrzeit der Blutprobenentnahme
  • Arztstempel, Datum und Unterschrift des Arztes für die Verschreibung des Blutproduktes
  • Stempel, Datum und Unterschrift der für die Identitätssicherung zuständigen Person

Transfusionsanamnese

Zur Transfusionsanamnese sind nach Möglichkeit anzugeben:

  • Knochenmark / Blutstammzelltransplantationen
  • Schwangerschaften, Aborte
  • Frühere Transfusionsreaktionen
  • Blutgruppenserologische Untersuchungsergebnisse wie Blutgruppe, ggf. Blutgruppen-Antikörper
  • sonstige relevante Daten

Welche Blutproben für was?

Test Probe Menge Erwachsene und Kinder Menge Früh- und Neugeborene
Blutgruppe + AK-Suchtest + Kreuzprobe 1-10 Konserven EDTA-Monovette 9 ml 1,2 ml
Blutgruppe + AK-Suchtest EDTA-Monovette 9 ml 1,2 ml
Kreuzprobe 1-10 Konserven EDTA-Monovette 9 ml  
AK-Differenzierung
Wärmeautoantikörper

Kälteautoantikörper
AK-Titer
EDTA-Monovette
EDTA-Monovette

nach Absprache
EDTA-Monovette
2 x 9 ml
2 - 4 x 9 ml (je nach HB)

9 ml nach Absprache
 
DAT EDTA-Monovette 9 ml  
Transfusionszwischenfall EDTA-Monovette
und
Serummonovette nach Transfusion und Blutbeutel
9 ml

9 ml
 
HLA-Crossmatch-Thrombospender Lithium-Heparin-Monovette 9ml  
HLA-AK Serummonovette 9 ml  
HLA-Typisierung Einzelantigen EDTA-Monovette 9 ml  
HLA-Typisierung EDTA-Monovette 2 x 9 ml  
HLA-Typisierung vor Organtransplantation Spender:
EDTA-Monovette
Empfänger:
EDTA-Monovette
Serummonovette

4 x 9 ml

4 x 9 ml
9 ml
 

Die Vorbereitung zur sicheren Transfusion im immunhämatologischen Labor

Vorgang  Kommentar
BG & AKS
(Blutgruppenbestimmung & Suche nach erythrozytären AK)
= type & screen
 
  • BG & AKS frühestmöglich
  • BG-Doppelbestimmung aus zwei unabhängig voneinander gewonnenen Blutproben sind angestrebt; Vorbefunde auf Anforderungsformular mitteilen
AK-negativ AK-positiv *) *) Angaben zu Diagnose, zu Transfusions- und Schwangerschafts-Anamnese sowie zu Transfusionsreaktionen beschleunigen die Beurteilung auffälliger AKS-Befunde
  AK-Spezifizierung **) **) 1 - 24 (-?) Stunden erforderlich
Konservenauswahl ***) berücksichtigt AB0, Rhesus, Kell Konservenauswahl bzw. -suche ****)
berücksichtigt AB0, Rhesus, Kell und AK-Spezifität ****)
***) bei seltenen Blutgruppenmerkmalen und Bestellung größerer Mengen kann Suche mehrere (selten) Tage dauern, z.B. KK-Konserven
****) bei Erythrozyten-AK für die keine kompatiblen EK vorrätig sind, kann Konservenaustestung intern oder Suche bei anderen Blutspendediensten tagelang dauern
Verträglichkeitsprobe (Kreuzprobe) Verträglichkeitsprobe der speziell ausgewählten EK, die das zum AK korrespondierende Antigen nicht tragen EK sind zur Transfusion freigegeben bis längstens 3 Tage nach Entnahme der Blutprobe, mit der die Verträglichkeitstestung durchgeführt wurde

BG & AKS frühestmöglich durchführen lassen, um Verzögerungen durch *) / **) / ***) / ****) zu verhindern. Verzögerungen infolge vermeidbarer Spät- oder Zuvielbestellungen - durch den Kliniker sind von diesem zu verantworten.

Verträglichkeitstestung (Kreuzprobe)

Die serologische Verträglichkeitsprobe ist die unerlässlich notwendige Sicherung der Verträglichkeit vor jeder Transfusion von Erythrozytenpräparaten.
Die Kreuzprobe ist gültig vom Abnahmedatum der Blutprobe plus 3 Tage.
Das Ergebnis der Verträglichkeitsprobe wird auf dem Begleitschein dokumentiert, der bis zur Transfusion mit dem dazugehörigen Blutpräparat verbunden bleibt.

Bearbeitungszeiten in der Blutbank

Zeit von Eingang der Bestellung in der BB per Fax oder mit Formular via Transportdienst (Eingangsstempel) bis zur Ausgabe von Präparaten. Bestrahlung verzögert um 20 - 60 Minuten.

FFP / TK (BG bekannt)  
Routine (ungestört): 30 Minuten
Notfall: 5 - 10 Minuten
EK    
Notfall: ungekreuzt: 10 Minuten (bis zu 4 EK 0 negativ oder BG-kompatibel)
Eilig: BG bekannt: 1 - 3 Stunden
  BG unbekannt: Verzögerung 15 - 60 Minuten
Routine:   3 - 6 Stunden

Sie erhalten EK zu dem von Ihnen gewünschten Zeitpunkt um so sicherer,

  • je sorgfältiger Sie das Anforderungsformular ausfüllen
  • je weniger EK Sie bestellen
  • je frühzeitiger Sie die BG-Bestimmung und den AK-Suchtest haben durchführen lassen
    (Type and screen!)
  • je frühzeitiger Sie die EK anfordern
    (Bestrahlung verzögert um ca. 20 - 60 Minuten)

Bestellung für das OP-Programm am nächsten Morgen (geplante Operationen)

Die Bestellung muß bis spätestens 17:00 Uhr am Vortage des OP-Tages erfolgen, nur dann können die bestellten Befunde und EK um 8:00 Uhr morgens am Folgetag bereitstehen.
Die Bearbeitung der Proben, die später als 17:00 Uhr eintreffen, ist eventuell erst am nächsten Morgen möglich; es gibt keine Garantie für die Bereitstellung bis 8:00 Uhr.

Bestellung auf Abruf

Bei Bestellung auf Abruf werden die EK für den Patienten bis zum Ablauf der Gültigkeit der Kreuzprobe in der Blutbank reserviert. Diese EK stehen dem Routine- und Notfallbetrieb für diesen Zeitraum nicht zur Verfügung. Die Blutbank bittet aus diesem Grund dringend darum, nur die wirklich erforderliche Anzahl an EK auf Abruf zu bestellen. An dieser Stelle sei auf den "präoperativen Anforderungskatalog von Blutbestandteilen" (Stand August 2000) verwiesen, der in Zusammenarbeit zwischen Anästhesie und chirurgischen Abteilungen erarbeitet wurde.

Blutkomponentenauswahl: Blutgruppenkompatible Transfusion

Erythrozytenkonzentrate

AB0-und Rh-kompatibel, in der Regel AB0-und Rh gleich entsprechend der nachfolgenden Tabelle (aus RiLiBÄK Blut 2000)

Patient Kompatible EK
A A oder 0
B B oder 0
AB AB, A, B oder 0
0 0

Das Rhesus-Merkmal D ist wegen seiner starken Immunogenität stets zu berücksichtigen. Aus diesem Grund sollen Rhesus(D)-negative Empfänger kein Rhesus(D)-positives Blut erhalten.

Rh positive Empfänger (ohne irreguläre Antikörper) können auch Rh negatives Blut erhalten.

Wegen des Mangels an Rh negativem (D negativ) Blut läßt sich die Übertragung von Rh positiven (D positiv) Erythrozytenpräparaten an Rh negative (D negativ), nicht immunisierte Patienten nicht immer vermeiden. Eine solche Übertragung sollte jedoch nur in Betracht gezogen werden, wenn die Transfusion lebenswichtig ist und Rh negative (D negativ) Erythrozytenkonzentrate nicht zeitgerecht beschafft werden können und wenn es sich um Frauen im nicht mehr gebärfähigem Alter oder um Männer handelt.

Bei Rh negativen (D negativ) Kindern sowie Rh negativen (D negativ) Frauen im gebärfähigen Alter ist die Transfusion von Rh positiven (D positiv) Erythrozytenkonzentraten (mit Ausnahme von lebensbedrohlichen Situationen) unbedingt zu vermeiden. Die Dringlichkeit der Indikation, für die der transfundierende Arzt die Verantwortung trägt, ist genau zu dokumentieren.

Bei einer Transfusion von Rh positiven (D positiv) Präparaten auf Rh negative (D negativ) Patienten ist dem weiterbehandelnden Arzt eine serologische Untersuchung 2-4 Monate nach Transfusion zur Feststellung eventuell gebildeter Antikörper zu empfehlen. Bei Nachweis entsprechender Antikörper hat eine Aufklärung und Beratung der Betroffenen zu erfolgen.

Patienten, bei denen vor Transfusion ein relevanter Antikörper (z.B. Anti-D, Anti-Kell u.a.) nachgewiesen wurde, dürfen nur mit EK versorgt werden, deren Erythrozyten das korrespondierende Antigen nicht tragen, auch dann, wenn der Antikörpertiter im weiteren Verlauf abfällt und eventuell nicht mehr nachweisbar ist.

Gefrierfrischplasma

AB0-kompatibel, in der Regel AB0-gleich
GFP muss wegen der darin enthaltenen Isoagglutinine AB0-Blutgruppenkompatibel verabfolgt werden

Patient Kompatibles Plasma
A A oder AB
B B oder AB
AB AB
0 0, A, B oder AB

Thrombozytenkonzentraten

AB0-kompatibel, in der Regel AB0-gleich; ggf. vorrangig HLA-kompatibel ohne zwingende AB0-Gleichheit.
In Ausnahmefällen ist die Gabe AB0-teilkompatibler Präparate entsprechend der nachfolgenden Tabelle möglich:

Patient Thrombozytenpräparat
A A oder 0 (ggf. B, AB)
B B oder 0 (ggf. A, AB)
AB AB oder A, B (ggf. 0)
0 0 (ggf. A, B, AB)

Blutkomponentenauswahl: Risiken bei A/B/D-inkompatibler Transfusion

Risiken bei A/B/D-inkompatibler Transfusion

AB0-minor-inkompatible Transfusion
Zufuhr von inkompatiblen Isoagglutininen, z.B. 0-TK für A-Patient:

  • Hämolyse
  • Reduziertes Inkrement

AB0-major-inkompatible Transfusion
Zufuhr von AB=-inkompatible Plättchen, z.B. A-TK für 0-Patient:

  • Reduziertes Inkrement
  • Erhöhte Rate an HLA-Sensibilisierungen

D-inkompatible Transfusion
Zufuhr von Plättchen eines D-positiven Spenders an D-negativen Patienten:
Apheresepräparate sind bzgl. Ery-Kontamination i.d.R. unterhalb der Sensibilisierungsschwelle. Das Merkmal D soll jedoch wegen der Möglichkeit einer Immunisierung bei D-negativen Frauen im gebärfähigen Alter berücksichtigt werden. Wenn die Gabe von D-positiven Thrombozytenpräparaten in diesem Fall unvermeidlich ist, sollte eine Prophylaxe mit Anti-D i.v. durchgeführt werden.

unterer Abschluss
Impressum