Seitenzähne (Backenzähne) haben auf den Kauflächen häufig kariesgefährdete Furchen, so genannte Fissuren oder Grübchen. Entsprechende Einziehungen sind auch gelegentlich auf den übrigen Flächen von Frontzähnen und Mahlzähnen zu finden. Nach dem Durchbruch der Zähne in die Mundhöhle sind diese Fissurenbereiche sehr stark kariesgefährdet. Da die Fissuren häufig enger als eine Zahnbürstenborste sind, kann auch bei guter Mundhygiene Karies entstehen. Bei Kindern werden deshalb diese Bereiche am häufigsten kariös.
Stark zerklüftete und kariesgefährdete Fissuren sollten zum Schutz deshalb möglichst rechtzeitig versiegelt werden. Es müssen aber nicht alle, sondern nur die kariesgefährdeten Zahnflächen mit einem Versiegelungsmaterial geschützt werden. Die Versiegelung verhindert dann, dass Bakterien in die enge, tiefe Fissur eindringen können und dort bei Zufuhr von kohlenhydrathaltiger Nahrung (wie z.B. Zucker) die Zahnhartsubstanzen angreifen können.
Für die Versiegelung müssen die Zähne richtig trocken sein. Direkt nach dem Durchbruch können die Zähne üblicherweise nicht sicher "trockengelegt" werden. Daher sollten in den ersten Monaten nach Zahndurchbruch die kariesgefährdeten Fissuren mit einem Fluoridlack geschützt werden, bis die Versiegelung möglich ist. Vor dem Versiegeln muss der Zahnarzt die Zähne reinigen und dann die oberste Schicht des Zahnschmelzes durch eine kurze Anätzung aufrauen, damit der Kunststoffversiegler gut an der Zahnoberfläche haftet. Zahlreiche klinische Untersuchungen haben gezeigt, dass Versiegelungen eine mittlere Lebensdauer von 7 bis 10 Jahren aufweisen und dass durch sie die Fissuren sehr gut vor Karies geschützt werden.
Eine Fissurenversiegelung kann allerdings gelegentlich ganz oder teilweise abplatzen. Diese Verluste treten meist innerhalb der ersten 4 bis 6 Monate nach Versiegelung auf. Aus diesem Grund wird eine erste Nachkontrolle innerhalb dieses Zeitraums empfohlen. Falls Teile des Versiegelungsmaterials abgeplatzt sind, können diese leicht ergänzt werden. Die weiteren Kontrolltermine richten sich nach dem individuellen Kariesrisiko des Patienten. Nebenwirkungen von Fissurenversiegelungen sind extrem selten. Weltweit wurde bisher lediglich in zwei Fällen über allergische Reaktionen gegenüber diesen Materialien berichtet. Dies ist im Vergleich zu der hohen Anzahl an Versiegelungen äußerst gering.
Die Fissurenversiegelung stellt heute eine wissenschaftlich anerkannte und bewährte Methode dar, die bei kariesgefährdeten Zähnen im Kauflächenbereich angewandt werden sollte. Die Fissurenversiegelung ist eine kariesprophylaktische Maßnahme, die andere präventive Maßnahmen wie z.B. angemessene Mundhygiene, Fluoridierung und ausgewogene "zahnschonende" Ernährung nicht ersetzt, sondern wertvoll ergänzt.
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