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Entwicklung und Evaluation eines Behandlungskonzepts für die funktionelle Gedächtnis- und Konzentrationsstörung

Ein bedeutender Teil der Patienten von Memory-Ambulanzen leidet nicht unter organischen, sondern unter funktionellen, d.h. psychisch bedingten Störungen infolge einer chronischen Stressbelastung und inneren Abgelenktheit, z.B. aufgrund von zwischenmenschlichen Konflikten, körperlichen Erkrankungen oder psychischen Störungen. Dabei kann es zu erheblichen, das Berufs- und Alltagsleben behindernden Defiziten kommen. Das Beschwerdebild der „Funktionellen Gedächtnis- und Konzentrationsstörung“ (FGK) setzt sich aus folgenden von den Patienten häufig berichteten Problemen zusammen:

  • Fehler des prospektiven Gedächtnisses (Vergessen von Vorhaben, Terminen, Aufträgen)
  • Störungen der Merkfähigkeit
  • Störungen des Abrufs von Altgedächtnisinhalten (Namen, Telefonnummern etc.)
  • Blockierungserlebnisse und Fehlleistungen bei Alltagstätigkeiten
  • Störungen des Konzentrationsvermögens

Dem Phänomen der FGK wurde erst in den letzten Jahren vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt. Die korrekte Einschätzung nicht-organischer Störungen ist jedoch von hoher Bedeutung, da sie eine Fixierung der Patienten auf organische Ursachen verhindert, die Angst vor einer Demenzerkrankung nimmt und eine notwendige psychotherapeutische Behandlung oder Änderung der Lebensumstände anbahnen kann.
Ziel der aktuellen Untersuchung ist die Entwicklung und Evaluation eines Therapiekonzepts für FGK, welches neben der allgemeinen Psychoedukation auch psychotherapeutische Interventionen umfasst, die gezielt auf die vermutete Ätiologie der Störung Bezug nehmen. In Voruntersuchungen zeigte sich in Übereinstimmung mit den ätiologischen Überlegungen ein enger Zusammenhang zwischen Stress- und Depressionsskalen sowie subjektiven Gedächtnisbeschwerden.
Elemente des aus der vermuteten Ätiologie abgeleiteten Behandlungskonzepts: Veränderung der Situationsbewertung (kognitiv-emotional), Erlernen von Stressbewältigungsstrategien, Entspannungsverfahren und mittelbaren Methoden zur Steigerung der Konzentrations- und Gedächtnisleistung (z.B. Achtsamkeit, Organisationsstrategien).
Das Training ist als Gruppentraining konzipiert, da Gruppen die Möglichkeit bieten, persönliche Erfahrungen zur Problematik im Gespräch mit anderen Betroffenen auszutauschen. Dies dient der emotionalen Entlastung sowie der Förderung von Kontakten unter den Patienten und ihren Angehörigen und damit der Aktivierung sozialer Unterstützungsressourcen. Das Behandlungsprogramm besteht aus 13 wöchentlich stattfindenden Gruppensitzungen zu je 90 Minuten und erstreckt sich damit über ca. 3-4 Monate.
Die Ergebnisse unserer Evaulationsstudie weisen auf eine positive Beeinflussbarkeit der FGK-Symptomatik durch die Therapie sowie eine hohe Akzeptanz des Programms durch die Patienten und eine hohe Behandlungszufriedenheit hin.

Leitung:
Dipl. Psych. B. Metternich

Mitarbeiter:
Prof. Dr. M. Hüll, Prof. Dr. K. Schmidtke

Publikation:

  • K Schmidtke. Funktionelle Gedächtnisstörungen. Eine Untersuchung an 25 Patienten. Nervenarzt 66: 338 - 346, 1995.
  • K Schmidtke, S Pohlmann. Gedächtnisstörung ohne organische Grundlage – häufige Diagnose in Memory-Ambulanzen. Neurogeriatrie 2005, 2: 40-41.
  • Abstract: K. Schmidtke, S. Pohlmann, B. Metternich. Gedächtnisstörungen ohne organische Grundlage. Vortrag auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, Berlin, 25. 11. 2005. Der Nervenarzt 2005, 76 (Suppl. 1): S 106.
  • Poster: B Metternich, K Schmidtke, M Hüll. Gedächtnisstörung durch Stress? Tag der Gesundheitsforschung, Freiburg, 19. 2. 2006
  • K Schmidtke, B Metternich, M Hüll.. Funktionelle Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen. NeuroGeriatrie 2007, 2:79-84.
  • B Metternich, K Schmidtke, P Dykierek, M Hüll. A Pilot Group Therapy for Functional Memory Disorder (im Druck). Psychotherapy and Psychosomatics
unterer Abschluss
Impressum