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Harnwegsinfekte

Harnwegsinfekte zählen zu den häufigsten, überwiegend unkomplizierten Infektionen und werden meist durch Bakterien, seltener auch durch andere Erreger verursacht. Die Erreger gelangen durch die Harnröhre in die Harnblase, deren Gewebe sich daraufhin entzündet (Blasenentzündung, Zystitis). Steigen die Erreger weiter auf, können sie eine Nierenbeckenentzündung auslösen. Im Gegensatz zu Blaseninfektionen bei jüngeren Personen können mit zunehmenden Lebensalter die typischen Krankheitszeichen wie Beschwerden/Brennen beim Wasserlassen (Dysurie), häufiger Harndrang (Pollakisurie), Schmerzen im Unterbauch oder Blutbeimengungen im Urin (Hämaturie) fehlen. Fieber kommt bei einer unkomplizierten Blasenentzündung nur in Einzelfällen vor. Häufig deutet nur eine allmähliche Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustandes, unwillkürlicher Harnabgang (Inkontinenz), unangenehmes Gefühl bei der Blasenentleerung oder ein akuter Verwirrtheitszustand (akutes Delir), besonders bei vorbestehender Demenzerkrankung, auf einen Harnwegsinfekt hin.

Das Auftreten von Harnwegsinfektionen im höheren Lebensalter hängt stark von der Lebens- und Wohnsituation ab. Bei noch selbständig in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung lebenden älteren Frauen finden sich nur bei rund 10% auslösende Krankheitserreger im Urin. Bei gleichaltrigen Pflegeheimbewohnerinnen aber bei 25% oder noch häufiger. Männern sind generell nur etwa halb so häufig wie Frauen von Blasenentzündungen betroffen, holen jedoch ebenfalls mit fortschreitenden Lebensjahren auf.

Für die erhöhte Anfälligkeit älterer Menschen für Harnwegsinfektionen finden sich verschiedene Ursachen: erhöhte Infektanfälligkeit, Austrocknung (Exsikkose), Blasenentleerungsstörungen, Verengungen der ableitenden Harnwege, Prostatavergrößerungen, erhöhtes Ansteckungsrisiko durch Harn- oder Stuhlinkontinenz, eine Änderung des Scheiden- und Blasenmilieus sowie hormonelle Veränderungen, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Ein wichtiger Risikofaktor sind auch Dauerkatheter. Je länger der Blasenkatheter liegt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, eine Infektion zu entwickeln. Die Diagnose des Harnwegsinfekts wird anhand der hinweisenden Symptome und mithilfe von Untersuchungen des Urins sowie der Harnwege und Nieren gestellt. Bei unkompliziertem Harnwegsinfekt wird mit Antibiotika in Tablettenform behandelt, in schwierigeren Fällen kann auch eine Behandlung mit Infusionen erforderlich werden. Vorbeugende Maßnahme wie ausreichendes Trinken mit einer Trinkmenge von ca zwei bis drei Litern pro Tag, Schutz vor Unterkühlung sowie eine angemessene Hygiene reduzieren das Infektionsrisiko deutlich. Für die Abklärung und Behandlung von Harnwegsinfekten ist unsere Geriatrische Ambulanz zuständig.

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