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Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin

Was ist invasiver Lungenersatz

Die wichtigsten Funktionen der Lunge sind die Aufnahme von Sauerstoff aus der Atemluft und die Abgabe von Kohlendioxid aus dem Blut. Zusammengefasst werden diese Funktionen als „Gasaustausch“.

Bei manchen Krankheiten kann der Gasaustausch eingeschränkt sein, so dass Kohlendioxid nicht mehr ausreichend abgegeben oder/und Sauerstoff nicht mehr ausreichend aufgenommen wird. Beides kann zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen.

Durch maschinelle Beatmung und Anreicherung der Atemluft mit zusätzlichem Sauerstoff kann eine solche Situation häufig beherrscht werden. Allerdings können durch hohe Beatmungsdrücke und hohe Sauerstoffkonzentrationen weitere Schäden an der Lunge entstehen, die wiederum den Gasaustausch einschränken. Auf diese Weise entsteht eine Spirale, die im schlimmsten Fall dazu führen kann, dass trotz eskalierter maschineller Beatmung die Kohlendioxidabgabe oder die Sauerstoffaufnahme nicht mehr ausreichend kontrolliert werden können. Dieser Zustand ist absolut lebensbedrohlich.

Eine häufige Ursache ist das Akute Atemnotsyndrom des Erwachsenen (ARDS), das nach Operationen oder Infektionen der Lunge oder des übrigen Organismus auftreten kann. Eine andere Ursache sind strukturelle Lungenerkrankungen wie zum Beispiel die Lungenfibrose.

Invasiver Lungenersatz kann in diesen Fällen eine therapeutische Option darstellen. Durch Kanülen in großen Gefäßen (Hals- Schlüsselbein- oder Leistenvenen) wird dem Körper Blut entnommen und in einer Maschine über eine besondere Kunststoffmembran von Kohlendioxid befreit und mit Sauerstoff angereichert. Anschließend wird das Blut – je nach Krankheitsbild – durch eine große Vene direkt zum Herzen oder durch eine Arterie in die Hauptschlagader zurückgeführt. Die Maschine übernimmt also die Funktion der Lunge (und unterstützt in speziellen Fällen auch die Funktion des Herzens).

Gleichzeitig kann sich durch schonende Beatmung der Lunge und durch Behandlung der Grundkrankheit die Lunge des Patienten erholen. Wenn die Lunge unumkehrbar geschädigt und der Patient für eine Lungentransplantation geeignet ist, kann durch invasiven Lungenersatz die Zeit bis zu einer Organzuteilung überbrückt werden.

Ein invasives Lungenersatzverfahren ist also eine Brückentherapie für einige Tage bis wenige Wochen, das nur dann sinnvoll ist, wenn die Lunge entweder nicht unumkehrbar geschädigt ist, oder wenn der Patient bei dauerhafter Lungenschädigung für eine Lungentransplantation in Frage kommt.

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