Zu den Inhalten springen

Die Auszubildenden des Klinikums in WalesAuslandsprojekt des Universitätsklinikums Freiburg

Übersicht, Abschluss und Fazit

29. Oktober 2016 - auslandsprojekt-2016

Schön wärs.

Da ich es leider versäumt habe, während meines Auslandsaufenthaltes einen weiteren Blogeintrag zu schreiben, möchte ich die Chance hier gerne nutzen und dies nachholen.

Mein Praktikum dürfte ich bei ALcontrol Laboratories im Hawarden Industrial Park in der Nähe von Broughton absolvieren. Da ich bereits über eine abgeschlossene schulische Berufsausbildung als Umweltschutztechnischer Assistent verfüge, sah man die Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen zu den Tätigkeiten in Hawarden. Dort werden Boden- und Wasserproben auf verschiedene Parameter und Belastungen hin untersucht.

Am ersten Tag hatte ich leider etwas Pech mit den Bussen, sodass ich ab dem zweiten Tag das Fahrrad zur Arbeit nahm. Die gut 30 Minuten Fahrt vergingen jeweils wie im Flug und ich wurde mit einigen schönen Ausblicken belohnt, wie beispielsweise gen Süden ziehenden Gänseherden.

Mein eigener Spind während meines vierwöchigen Praktikums

Meine Arbeit während der ersten Wochen bestand hauptsächlich darin, Wasserproben unter anderem auf Spuren von Siliziumdioxid, Schwefel und Chlor hin zu untersuchen. Ich durfte jedoch auch Gläser für die Suche nach Cypermethrin in den Proben vorbereiten. Dafür mussten diese einige Male mit deionisiertem Wasser und Aceton gereinigt und anschließend mit dem Probenmaterial aufgefüllt werden.

Hier pipettiere ich gerade immens gesundes Dichlormethan mit mehr Spaß als unbedingt nötig.

Wenn ich einmal nicht in Arbeit versunken war, beschäftigte ich mich vor allem mit dem direkt neben Alcontrol liegenden Hawarden Airport, der von der dortigen Airbus-Fabrik genutzt wird, um Flügel nach Frankreich und Deutschland zu transportieren. Regelmäßig konnte man dort Airbus Belugas starten und landen sehen. Da die Flugzeuge von 1 bis 5 nummeriert sind, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, jedes Einzelne zu fotografieren.

Doch auch das umliegende Gelände des Flughafens war höchst interessant. So gab es unter anderem eine de Havilland Vampire (in Deutschland auch in Speyer zu sehen) und zwei sowjetische Abfangjäger zu bestaunen.

Meine restliche Freizeit habe ich unter anderem damit verbracht, nach Liverpool zu fahren und mir beibringen lassen, wie man Modelle bemalt (bevor jemand fragt, sie ist weit davon entfernt, fertig zu sein). Außerdem habe ich eine hübsche Katze in Chester getroffen, während ich einen Stadtrundgang auf der Stadtmauer unternommen habe.

An einem Wochenende beschloss ich, dem River Dee bis zur Mündung ins Meer zu folgen. Als ich nach Stunden endlich an der Küste angekommen bin, war es leider schon fast dunkel. Ich ging davon aus, mich im Mondlicht problemlos zurechtfinden zu können. Nun leide ich zwar nicht an Lykanthropie, doch etwas Licht braucht es schon. Entsprechend ernüchtert war ich darüber dass wohl erst einen Tag zuvor Neumond war. Aber bedingt durch die Begradigung des Flusses und meinen Orientierungssinn gelang mir auch die Heimfahrt ohne größere Probleme. Es hat nur eine ganze Weile gedauert.

Außerdem habe ich einige Schnecken und einen Regenwurm zumindest temporär vor ihrem grausigen Schicksal bewahrt. Für diverse Kaninchen, Vögel und einen Waschbären kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Während der letzten beiden Arbeitswochen arbeitete ich in der Abteilung für leicht flüchtige Stoffe. Dort half ich unter anderem Proben zu bearbeiten, Standards herzustellen, Proben vorzubereiten (darunter auch asbesthaltige, die gesondert unter einem Abzug zu bearbeiten waren) und Gaschromatografen zu kalibrieren.

Am letzten aktiven Wochenende in Chester habe ich die Chance genutzt und mir ein Auto gemietet, um damit an die Ostküste zu fahren. Nach kurzer Zeit hatte ich mich daran gewöhnt, links zu fahren und rechts zu lenken. Der einzig bleibende störende Aspekt war die grässliche Musikauswahl im Radio, sodass ich unentwegt damit beschäftigt war, den Sender zu wechseln. Amüsant war jedoch die vorherrschende Zensur, so war ein Teil des furchtbaren Liedes Loca People von Sak Noel zensiert. Allerdings sei erwähnt, dass es auch ein paar gute Lieder gab, die mich während meiner insgesamt rund 12 Stunden andauernden Fahrt unterhalten haben. Darunter unter anderem Freed from Desire von Gala (leider in einer schlechten Mix-Version), King of My Castle von Wamdue Project, Rasputin von Boney M. Fat Lip von Sum 41, Numb von Linkin Park sowie Tragedy von den Bee Gees. Dank der Routenplanung meines Gastvaters gelang es mir zudem ohne Probleme, mein Ziel Upper Stoke zu erreichen.

Vor Upper Stoke liegt das Wrack von UB-122, einem Unterseeboot der Kaiserlichen Marine. UB-122 ging jedoch nicht während des ersten Weltkrieges verloren, sondern wurde an Großbritannien übergeben. Dort wurden die Maschinen ausgebaut und einem neuen Verwendungszweck in der Industrie zugeführt. Die Überreste des Bootes lösten sich von ihrer Verankerung und das Wrack wurde an seinen heutigen Standort gespült. Dort kann es bei Ebbe und guter Sicht sogar besichtigt werden. Unglücklicherweise hatte es jedoch geregnet, der Himmel war bewölkt und es war dunkel. Somit ist es mir zwar gelungen, das Wrack zu erspähen, doch mein eigentliches Vorhaben ließ sich nicht umsetzen. Auf dem Heimweg geriet ich dann noch in einen Stau und war über die Fähigkeit der Briten erstaunt, das Reißverschlussverfahren einigermaßen problemlos zu meistern. Alles in allem also dennoch eine lehrreiche und interessante Erfahrung.

Am Sonntagmorgen brachte ich meinen Mietwagen zurück und staunte nicht schlecht über die mehr als 840 Kilometer, die ich zurückgelegt hatte, genau wie das Personal. Direkt darauf machte ich mich mit dem Zug auf nach London, wo ich übernachtete und am Montagabend zum Rückweg aufbrach.

Die gut zweistündige Fahrt mit einem Zug der Virgin-Trains-Eisenbahngesellschaft hinter mich gebracht erreichte ich den Bahnhof Euston. Als Harry-Potter-Fan machte ich mich nun erst einmal zu Fuß in Richtung des Bahnhofs King's Cross auf und bemerkte schnell, dass die U-Bahnkarte zwar einerseits sehr hilfreich ist, andererseits jedoch eine vollständige Stadtkarte vermissen lässt. So ist man immer auf externe Hilfe angewiesen um zu wissen, welche Sehenswürdigkeiten sich in der Nähe der jeweiligen Haltestellen befinden.

Von King's Cross fuhr ich nun zur London Bridge, um eines der Hauptziele meines Interesses zu erreichen: den leichten Kreuzer HMS Belfast, der sich zwischen London Bridge und Tower Bridge, sowie gegenüber des Tower of London befindet.

Die HMS Belfast ist ein modifizierter leichter Kreuzer der Southampton-Klasse. Sie ist eines von nur drei verbliebenen Schiffen, die an dem Bombardement während der Invasion in der Normandie beteiligt waren. Darüber hinaus war sie Teil des Kampfverbandes, der das deutsche Schlachtschiff Scharnhorst versenkt hatte.

Da die Prinz Eugen, der einzige Kreuzer der Kriegsmarine, der den zweiten Weltkrieg überstanden hatte, 1946 im Zuge von Atomtests am Bikini-Atoll gesunken ist, habe ich noch nie etwas ähnlich eindrucksvolles gesehen wie die HMS Belfast. Auf den Bildern zu sehen ist die Schiffskatze „Frankenstein“ sowie das Magazin eines der 152mm-Drillingsgeschütztürme.

Während meines Aufenthaltes auf der Belfast wurden mit einiger Regelmäßigkeit Durchsagen gemacht, die auf den Sturm an Deck hinweisen. Dies war jedoch nicht die einzige Gefahr an Bord, da Unmengen an asbesthaltigem Material verbaut wurden. Entsprechend wurde darum gebeten, nach Möglichkeit jeglichen Abrieb zu vermeiden.

Leider auf den Bildern nur bedingt zu erkennen, hatten die Stürme auch ihre guten Seiten und so ließ sich ein Doppelregenbogen über dem Tower of London und der Tower Bridge erkennen.

Bedingt durch die Tatsache, dass ich dermaßen viele hochauflösende Fotos geschossen hatte, dass der Akku meines Mobiltelefons dem nicht länger gewachsen war und es bereits dunkel wurde, beschloss ich mich auf den Weg zu meinem in der Nähe des Fußballstadions Stamford Bridge gelegenen Hotel aufzumachen.

Den nächsten Morgen begann ich mit einem entspannenden Bad und einer Tasse Kakao. Entsprechend gestärkt verließ ich mein Zimmer pünktlich um 12:00 Uhr und begab mich in Richtung des Buckingham Palace.

Dort angekommen schoss ich ein paar Fotos und machte mich dann durch den St James's Park auf in Richtung Big Ben. Der Park zeichnet sich durch seine hohe Artenvielfalt aus und beherbergt unter anderem Pelikane, Graugänse, Schwäne, Blesshühner und nunja, Grauhörnchen. Die Bitte, die Tiere doch bitte nicht zu füttern, wurde selbstverständlich konsequent ignoriert. Im Anschluss kam ich an den Horse Guards vorbei und machte Halt um mich mit einem Currywurst Dog zu stärken.

Nun konnte ich mich zu meinem eigentlichen Ziel für diesen Tag aufmachen: Dem Imperial War Museum.

Im Imperial War Museum staunte ich nicht schlecht über die große Zahl an Exponaten und deren Auswahl. So gab es unter anderem eine 8,8-cm-FlaK, eine Atombombe des Typs Little Boy, eine Fieseler Fi 103, einen Harrier-Senkrechtstarter und einen Mark-V-Tank zu bestaunen. Allerdings war jeder Aspekt des Museums beeindruckend und lehrreich ausgestattet, vom ersten über den zweiten Weltkrieg bis hin zum Kalten Krieg und zur heutigen Zeit sowie einer gesonderten Abteilung für den Holocaust, wo glücklicherweise keine Fotos geschossen werden dürften. Eine Möglichkeit weniger, sich daneben zu benehemen.

Da ich die Öffnungszeiten des Imperial War Museum bis zum Schluss ausreizte, blieb mir nichts anderes übrig als nach einer kleinen Spende mein letztes Ziel zu erfüllen: Ein Foto des MI6-Hauptquartiers schießen, als Bond-Fan eine Selbstverständlichkeit.

Im Anschluss musste ich wieder zum Bahnhof Euston aufbrechen, um meinen Zug zurück nach Chester nicht zu verpassen. Dort angekommen nahm ich mir ein Taxi zurück zu meiner Gastfamilie.

Geringfügig irritiert an meiner London-Reise hat mich die extrem schwer bewaffnete Polizei. Vermutlich bedingt durch eine hohe Terrorwarnstufe.

Während der letzten Arbeitswoche besuchte ich gemeinsam mit meiner Arbeitskollegin Aneta das Theatr Clwyd und schaute mir dort den Film „Die Welle“ an, den ich bereits kurz nach Erscheinen in Deutschland anschauen konnte. Am Freitagabend besuchten wir noch das Kino in Broughton und sahen uns „Keeping Up with the Joneses“ an.

Da dies meine letzte Arbeitswoche war musste ich mich leider der schweren Aufgabe stellen, mich von allen liebgewonnenen und geschätzten Leuten zu verabschieden. Da Sarah, die mich die ersten zweieinhalb Wochen betreut hat, bereits am Donnerstag ihren letzten Arbeitstag hatte, verabschiedeten wir uns bereits dort. Als Abschiedsgeschenk übergab sie mir eine Box mit Süßigkeiten, einige ihrer Resteuro-Münzen und ich dürfte mir noch ein für mich äußerst interessantes Buch aus der Kantinenbücherei mitnehmen.

Die letzte Woche in der Schule diente nun ausschließlich dazu, uns auf Freitag vorzubereiten, an dem unsere Englischprüfung anstand.

Montags probten wir also eine Präsentation über eines von 12 Themengebieten, Dienstags ein je nach Level ein- oder zweiteiliges Telefongespräch und Donnerstags die gesamte Prüfung. Mittwochs war wie in der ersten Woche ein freier Tag. Diesen habe ich genutzt um mit Aneta noch eine Ausflug zu unternehmen, der in einem Besuch der Küste bei Llandudno mündete. Außerdem habe ich meine Lieblingskatze wieder getroffen. Donnerstagabend habe ich den Film „Pride“ in der Mulberry School angeschaut. Dort geht es um einen Zusammenschluss von Schwulen und Lesben, die während der 80er Jahre Minenarbeiter in Großbritannien unterstützen. Da ich den Film bereits bei Erscheinen im Rahmen einer Sneak Preview genießen dürfte, war ich froh ihn nochmals in der Originalsprache sehen zu können. Ein besonderes Vergnügen bereitete die großartige Musikuntermalung.

Am Freitag ist es schließlich jedem Teilnehmer gelungen, die Prüfung mit Bravour zu bestehen. Um dies festzuhalten, erhielt jeder noch ein Zertifikat über sein Englischlevel. Entsprechend wurde am Abend noch mit fast allen auf den gelungenen Aufenthalt angestoßen und leider am selben Abend sofern nötig auch noch für die Heimreise gepackt. Da wir uns in der ersten Woche recht gut verstanden haben, habe ich mich außerdem noch von Sue und Steve aus meiner ersten Gastfamilie verabschiedet und Nelson zu uns eingeladen.

Samstagmorgen ging es dann um 8 Uhr los zum Manchester Airport. Da ich mit insgesamt mehr als 30 Kilogramm unterwegs war, hatte ich einige Bedenken bezüglich des maximalen Gepäckgewichts. Wie sich herausstellen sollte war diese Sorge jedoch unbegründet und ein viel größeres Problem stellte die Tatsache dar, dass ich dieses Gewicht mit mir herum tragen musste. Dank der großzügigen Hilfe aller Gruppenmitglieder stellte jedoch auch dies kein Problem dar. Der Rückflug selbst gestaltete sich sehr ruhig und war um einiges schneller als der Hinflug. Von meinen Sitznachbarn wurde ich noch gefragt, ob ich denn Fußball spiele und ob ich aufgrund meiner Englischkenntnisse in England lebe. Amüsiert nahm ich dies zur Kenntnis und musste verneinen. Die Uhren abermals umgestellt und in Stuttgart angekommen waren wir gezwungen, einen etwas früheren Zug zu nehmen, da unser gebuchter erst einige Stunden später angekommen wäre. Alle Mitglieder überstanden die zweieinhalbstündige Fahrt jedoch und kamen wohlbehalten in Freiburg oder Umgebung an.

Unabhängig von der Qualität der Praktika würde ich sagen war es für jeden Teilnehmer eine unheimlich interessante und wertvolle Erfahrung. Hätte ich die Möglichkeit, dies zu wiederholen, ich würde es jederzeit tun.

Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.

0 Kommentare