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Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie

Einleitung

Lippen-Kiefer-Gaumenspalten gehören zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen. Es gibt heute sehr gute interdisziplinäre Behandlungsverfahren zur Korrektur dieser Fehlbildung. Durch Rehabilitation der natürlichen Funktionen von Ernährung, Sprache und Gehör kann heute meist eine ungestörte Entwicklung des betroffenen Kindes in normaler Umgebung erreicht werden. 

Die Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten treten in einer Häufigkeit von ca. 1:500 Geburten auf, betreffen häufiger Jungen und bevorzugen die linke Seite des Gesichtes. Im Unterschied dazu sind die isolierten Spalten des harten und weichen Gaumens zahlenmäßig seltener und betreffen hier etwas häufiger Mädchen. In Europa war die Inzidenz (=Anzahl der Neuerkrankungen) in den letzten Jahrzehnten konstant. 

Die Spalten können einseitig oder auf beiden Seiten des Gesichtes auftreten und unvollständig oder vollständig erscheinen. Unvollständige Lippenspalten enden in der Oberlippe, vollständige reichen bis in den Naseneingang. 

Bei vollständigen Lippen-/Lippenkiefergaumenspalten ist auch der Nasenboden betroffen und wird im Rahmen des operativen Lippenverschlusses zusammen mit dem Naseneingang rekonstruiert. Vollständige Gaumenspalten dehnen sich bis zum Zwischenkiefer aus, unvollständige Gaumenspalten enden weiter hinten. Bei vollständigen Gaumenspalten kann die Anheftung der Gaumenplatten an das Nasenseptum (Nasenscheidewand) fehlen, so dass es bei beidseitigen Gaumenspalten frei in die Mundhöhle ragen kann.

Daneben gibt es noch verdeckte, sog. submuköse oder subkutane, Spalten, die oft nicht auf Anhieb erkennbar sind: Die Spaltbildung erstreckt sich hier nur auf die Muskulatur. Die darüber liegende Haut bzw. Schleimhaut ist intakt. Dies ist von besonderer Bedeutung bei den submukösen Gaumenspalten, da hier bei unversehrter Gaumenschleimhaut die für die Aussprache und Belüftung des Ohres wichtige Muskulatur nicht vereint ist. Unbehandelt kann es dann durch die mangelnde Funktion zu Sprechstörungen und Belüftungsstörungen des Mittelohres kommen. Folge davon kann eine Schwerhörigkeit sein. Deshalb sind auch diese submukösen Spalten wie die offenen Spaltformen zu behandeln.
Der Fachmann unterscheidet mehr als einhundert verschiedene Erscheinungsformen, die jeweils einen individuellen Behandlungsplan brauchen. Der zeitliche Behandlungsablauf ist dabei weitgehend einheitlich. Die Anzahl der Behandlungsschritte ist abhängig von der Ausprägung des Ausgangsbefundes.  

Bei den meisten Kindern mit einer Spaltbildung ist es möglich, innerhalb des ersten Lebensjahres die Voraussetzung für eine normale Entwicklung zu schaffen. Die erreichbaren Behandlungsergebnisse hängen sehr stark vom Ausprägungsgrad der Spaltbildung ab. Man darf besonders gute oder auch weniger befriedigend erscheinende Ergebnisse nur in Kenntnis der Ausgangssituation beurteilen.

Ärztlicher Direktor

Prof. Dr. Dr. Rainer Schmelzeisen

Dr. Dr. Wiebke Schupp
Fachärztin für Mund-,Kiefer- und Gesichtschirurgie
wiebke.schupp@uniklinik-freiburg.de