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Wir überwinden Grenzen

Wenn Sitzen auf den Rücken geht

Physiotherapie

Wer lange in einer Position verharrt, verliert an Muskelkraft und die Körper-Koordination wird schlechter. Helfen können schon einfachste Übungen. © Robert Kneschke / fotolia.de

(12.01.2017) Etwa fünf Prozent aller Krankentage sind durch Rückenschmerzen bedingt. „Die Zeit, in der wir sitzen, hat die Zeit, in der wir uns bewegen, leider überholt“, sagt Jörg Bohmann, Leiter der Zentralen Physiotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. „Dieser Bewegungsmangel ist eines der größten gesundheitlichen Probleme unserer Zeit.“ Denn langes und krummes Sitzen beeinflusst nicht nur die Gelenke und die Wirbelsäule negativ, sondern auch das Herz-Kreislauf-System, die Gefäße, die Atmung, das Verdauungssystem und das psychische Wohlbefinden.

Am Universitätsklinikum Freiburg befassen sich unterschiedliche Abteilungen mit der Behandlung von Rückenschmerzen. Neben der Zentralen Physiotherapie sind das vor allem die Sektion Wirbelsäulenchirurgie und die Sektion Sportorthopädie und Sporttraumatologie, beide an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, die Abteilung Wirbelsäulenchirurgie der Klinik für Neurchirurgie und das Interdisziplinäre Schmerzzentrum.

Normalerweise beschreibt die Wirbelsäule eine doppelte S-Kurve, ähnlich wie eine Feder. Gehalten wird sie durch Muskulatur und Bänder, Bandscheiben wirken bewegungsausgleichend und puffernd. So wird das aufwendige Zusammenspiel der Strukturen bei gleichzeitiger Stabilität und Beweglichkeit möglich. Dafür muss das System regelmäßig bewegt und koordiniert trainiert werden.

Warum ist Sitzen schädlich?

Zu langes Verharren in einer Position hingegen ist schädlich: ob aufgerichtet im Stand, gebeugt am Schreibtisch oder auf dem Sofa liegend spielt keine Rolle. Wer beispielsweise dauerhaft krumm sitzt, verliert an Muskelkraft und die Koordination mit den anderen Körperteilen wird schlechter. Außerdem hat man immer weniger das Bedürfnis, sich zu bewegen. Der Körper gewöhnt sich sozusagen an das krumme Sitzen und dies wird nicht mehr als schädlich wahrgenommen. „Dann wird es immer anstrengender, wieder in die aufrechte Haltung zurückzukehren“, sagt Bohmann.

Besonders gefährlich wird es, wenn die Wirbelsäule in dieser krummen Fehlhaltung durch akuten, hohen Druck belastet wird. „Es passiert nicht selten, dass akute Schmerzen, unter Umständen auch einmal ein Bandscheibenvorfall, beim Heben schwerer Lasten, beim Nießen oder beim Pressen auf der Toilette auftreten, also in einer Haltung, in der die Wirbelsäule nicht optimal für solche Belastungen ausgerichtet ist“, sagt der Physiotherapeut des Universitätsklinikums Freiburg.

Wann zum Arzt bei Rückenschmerzen?

Nicht jeder Rückenschmerz muss von einem Arzt diagnostiziert oder behandelt werden. Wie der Schmerz beurteilt wird, ist abhängig von Schmerzstärke und Schmerzhäufigkeit beziehungsweise von der Zeit, die der Schmerz andauert.

Wichtig ist, dass sich die Betroffenen folgendes fragen:

- Neigt sich der Körper im Stehen zu einer Seite, besteht eine auffällige Asymmetrie?

- Strahlen die Schmerzen in Arme oder Beine aus? 

- Gehen mit den Schmerzen neurologische Veränderungen wie Kribbeln, Taubheit oder untypische Muskelschwäche einher?

Muss eine der Fragen mit „Ja“ beantwortet werden, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Insbesondere neurologische Beschwerden sollten so schnell wie möglich abgeklärt werden.

Was ist bei akuten Schmerzen zu tun?

Bei akuten Schmerzen entsteht ein Teufelskreis: „Der Schmerz führt zu einer Verspannung der Muskulatur, die wiederum zu einer Verstärkung des Schmerzes führt“, erklärt Bohmann. Darum sollte vor allem eine schmerzfreie Position gefunden werden. Wärme und kleine, leichte Bewegungen können helfen, die Verspannung zu lösen.

Lassen die Schmerzen nach, sollte sich der Betroffene langsam aus der Position befreien und einen Arzt aufsuchen oder anderweitig Hilfe in Anspruch nehmen.

Was kann ich selbst gegen Rückenschmerzen tun?

Am wichtigsten ist Bewegung. „Wer Sport macht, sollte darauf achten, sich nicht zu einseitig zu belasten“, sagt Jörg Bohmann. Ausdauer, Kraft, Mobilität und Koordination müssen gleichermaßen trainiert werden.

Der Physiotherapeut rät außerdem, kleine Herausforderungen in den Alltag einzubauen: Ein Stockwerk früher als nötig aus dem Aufzug aussteigen und die Treppe nehmen, das Auto ein paar Meter weiter weg parken oder gleich mit dem Rad fahren. Auch am Arbeitsplatz lassen sich Übungen einbinden. „Schwere und häufig benutzte Gegenstände sollten auf Brusthöhe ins Regal gestellt werden. Aber leichte Dinge können ruhig ganz weit oben oder auch mal unten stehen. Dann muss man sich jedes Mal strecken oder aktiv beugen“, sagt Bohmann. „Die Wirbelsäule sollte wirbeln, also sich bewegen. Dann geht es uns am besten.“

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