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Wir überwinden Grenzen

Eine Stammzellspende gegen Blutkrebs

Onkologie

Nur wenn Zelleigenschaften von Spender und Empfänger zusammenpassen, ist eine Stammzellspende möglich. Für die Untersuchung werden dem Spender Zellen per Wangenabstrich oder Blutprobe entnommen. (© iStockfoto/DETart21)

(27.05.2016) Mehr als 11.000 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an Leukämie. Oft hilft den Betroffenen nur die Transplantation gesunder Stammzellen. Der Leukämie-Experte Prof. Dr. Jürgen Finke, Leitender Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin I (Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation) des Universitätsklinikums Freiburg, erklärt im Gespräch mit Im Fokus, wann eine Stammzellspende sinnvoll ist, wie sie abläuft und was Spendewillige außerdem wissen sollten.  

Professor Finke, was geschieht bei einer Leukämie?
Unsere weißen Blutzellen werden im Knochenmark von Blutstammzellen gebildet. Ist die Erbinformation dieser Zellen fehlerhaft, werden zu viele Blutzellen gebildet und diese meist unreifen, weißen Blutzellen gelangen in den Blutkreislauf. Dort verdrängen sie die gesunden weißen und roten Blutzellen. Daher auch der Name „Leukämie“ - „weißes Blut“.   

Wann ist eine Stammzelltransplantation notwendig und was passiert dabei im Körper?
Immer, wenn eine Erkrankung des blutbildenden Systems, wie Leukämien, Lymphome oder Aplastische Anämien, nicht ausreichend auf eine Medikamentenbehandlung ansprechen ist eine allogene Stammzelltransplantation notwendig, also die Übertragung von blutbildenden Stammzellen von gesunden Spendern auf Patienten. Im Vorfeld werden die körpereigenen Stammzellen des Patienten durch Chemotherapie oder Bestrahlung zerstört. Das neue blutbildende System vom Spender übernimmt alle Funktionen der Blutbildung und insbesondere auch der Immunabwehr. Indem die neuen Immunzellen auch bösartige Krebszellen zerstören, baut es zusätzlich einem Rückfall vor. Somit ist die allogene Stammzelltransplantation eine hocheffektive Form der zellulären Immuntherapie von Blutkrebs.  

Ich möchte Stammzellen spenden. Was muss ich dafür tun? 
Zunächst müssen Sie sich typisieren lassen. Das bedeutet, dass Ihre Zellen auf bestimmte Eigenschaften geprüft werden, sogenannte HLA-Merkmale. Die Zellen gewinnen wir mittels Blutprobe oder Wangenabstrich. Diese Informationen werden in der Freiburger Stammzelldatei gespeichert. Wenn ein Patient in Deutschland oder bei Partnern im Ausland eine Stammzellspende benötigt, wird geprüft, ob die HLA-Merkmale des Patienten mit einem Typisierten zusammenpassen. Passen Ihre HLA-Merkmale mit denen eines Patienten, werden Sie angeschrieben. Eine weitere Blutprobe und eine körperliche Untersuchung stellen sicher, dass Sie gesund sind und die Stammzellen tatsächlich zum Patienten passen.  

Wie läuft die Stammzellspende konkret ab?
Stammzellen werden heutzutage meist mit dem Leukapherese-Verfahren gewonnen. Die Spender spritzen sich dafür in den Tagen vor der Entnahme Wachstumsfaktoren, die dafür sorgen, dass besonders viele Blutstammzellen im Blutkreislauf vorhanden sind. Die Entnahme findet ambulant statt und läuft sehr ähnlich wie eine Blutspende ab. Allerdings werden die Blutstammzellen aus dem Blut herausgefiltert und der größte Teil des Blutes kommt wieder zurück in den Körper. Das dauert etwa vier Stunden. Danach können Sie wieder nach Hause gehen. In speziellen Fällen ist eine Knochenmarkspunktion besser geeignet, etwa wenn ein Kind die Spende bekommen soll. Dabei werden stationär und unter Vollnarkose mit einer Nadel Zellen direkt aus dem Knochenmark entnommen. Die Spender werden in aller Regel am nächsten Tag wieder entlassen.  

Es gibt die Befürchtung, eine Stammzellspende könnte beim Spender Leukämie auslösen. Ist da etwas dran?
Nein, es liegen Erfahrungen von zehntausenden Spendern weltweit vor und beide Verfahren sind sicher. Es besteht keinerlei Gefahr für den Spender.  

Erfahre ich als Spender etwas über den Empfänger? 
Anonymität zwischen Spender und Patient ist uns extrem wichtig. Als Spender erfahren Sie aber etwa drei Monate nach der Spende, ob die Übertragung erfolgreich war. Das ist dann für den Spender ein besonders schönes Gefühl, wenn er nun sicher weiß, dass er helfen konnte. Zwei Jahre nach der Spende können Spender und Patient miteinander in Kontakt treten, wenn beide Seiten das möchten.  

Wenn ich mich jetzt typisieren lasse und es mir im Laufe der Zeit anders überlege: Kann ich die Spende verweigern?
Selbstverständlich. Sie können sich jederzeit und ohne Angabe von Gründen umentscheiden.

 

Weitere Informationen:

Freiburger Stammzelldatei

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