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Wir überwinden Grenzen

Fröhlich und aktiv mit Diabetes

Kinderheilkunde

(20.06.2018)  Dank des medizinischen Fortschritts können Kinder mit Typ-1-Diabetes ein normales Leben führen. Experten des Universitätsklinikums Freiburg erklären, worauf es zu achten gilt.

Etwa 30.000 Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren sind in Deutschland an Typ-1-Diabetes erkrankt, Tendenz steigend. „Anders als früher können wir erkrankten Kindern und Jugendlichen heute Mut machen, dass ihr Leben mit all den Herausforderungen in Schule, Beruf, Sport und Reisen fast genauso weitergehen kann wie bisher“, sagt Professor Dr. Ute Spiekerkötter.

„Aller Anfang ist schwer, und die Patientinnen und Patienten müssen erst einmal viel über ihre Krankheit lernen“, erklärt die Ärztliche Direktorin der Klinik für Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Freiburg. So muss regelmäßig der Blutzucker gemessen und Insulin gespritzt werden. Die Ernährungsempfehlungen sind hingegen heute dieselben wie bei gleichaltrigen Kindern ohne Diabetes.

Kinder mit Diabetes-Typ-1 können toben und Sport machen. Sie sollten dabei aber auf ihren Blutzuckerwert achten.

„Wenn die Kinder und Jugendlichen die eigene Krankheit gut kennen, gewinnen sie ihre Unabhängigkeit zurück. Das ist gerade jugendlichen Betroffenen sehr wichtig“, weiß Spiekerkötter. Insgesamt haben neue medizinische Entwicklungen wie Blutzuckersensoren und Insulinpumpen eine große Erleichterung für die Betroffenen gebracht.

Auf die Ernährung achten

„Kinder mit Diabetes können alles essen, sogar Zucker“, sagt auch Professor Dr. Karl Otfried Schwab. Der Oberarzt an der Klinik für Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Freiburg leitet die Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie.

Wichtig sei jedoch, die Blutzuckerwerte exakt zu überprüfen und die Insulinmenge anzupassen. Das kann vor allem in ungewohnter Umgebung, zum Beispiel auf Reisen, zur Herausforderung werden. „Am Universitätsklinikum Freiburg setzen wir gerade bei Kindern gerne einen Sensor ein, der den Blutzucker kontinuierlich im Unterhautfettgewebe an Bauch oder Arm misst. So müssen sie viel weniger pieksen“, sagt Schwab.

Toben erlaubt

„Fördern Sie den natürlichen Bewegungsdrang Ihres Kindes“, empfiehlt der Diabetologe allen betroffenen Eltern. Beim Sport, aber auch beim Herumtoben mit Freunden wird überschüssige Glukose abgebaut. Auch hier gilt: „Solange Sie die Blutzuckerwerte genau im Blick behalten, dürfen sich Kinder und Jugendliche nach Herzenslust verausgaben.“

Was tun bei Unter- oder Überzucker?

„Wichtig ist es, die Warnzeichen für Unterzuckerungen zu erkennen, um richtig zu reagieren“, sagt Spiekerkötter. Frühe Warnzeichen sind Blässe um Mund und Nase, Schweißausbrüche, schneller Puls und Zittern sowie Unruhe. „Eine Unterzuckerung lässt sich schnell mit Kohlenhydraten beseitigen, die sofort ins Blut gehen. Am einfachsten ist es, Traubenzucker zu essen oder Fruchtsaft zu trinken“, rät Spiekerkötter.

Bei einem zu hohen Blutzucker tritt starker Durst oder häufiger Harndrang auf. „Informieren Sie auch Lehrerinnen, Kindergärtner und andere Betreuungspersonen über die Erkrankung Ihres Kindes, damit auch sie im Ernstfall richtig reagieren können“, sagt die Kinderärztin.

Vergleichswerte für bessere Therapien

Essen, Sport und Insulin wirken sich bei Menschen mit Diabetes sehr unterschiedlich aus. Um Behandlungsergebnisse bei Diabetes zu verbessern, wurde in Deutschland die Initiative Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation DPV gegründet. Wichtige Messwerte wie der Glukosewert werden zentral gesammelt und anonymisiert ausgewertet.

„Diese Datenbank ist mittlerweile das weltweit größte Netzwerk für Typ-1und Typ-2-Diabetiker und leistet einen großen Beitrag zur Therapieforschung“, sagt Schwab. Auf Grundlage der seit den 1990er-Jahren gesammelten Daten konnten Freiburger Experten eine ganze Reihe wichtiger Beiträge in renommierten diabetologischen und pädiatrischen Fachzeitschriften publizieren.

Zudem erleichtert das Programm die Qualitätssicherung der pädiatrischen Diabetes-Behandlung. Dies hat zur erfolgreichen Zertifizierung der Freiburger Klinik für Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin als Einrichtung zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes durch die deutsche Diabetes-Gesellschaft geführt.

Praktische Hilfe gibt es bei Spatz e.V.

Unterstützung finden Eltern, Kinder und Jugendliche bei der „Selbsthilfegruppe für Kinder mit chronischer Stoffwechsel-, Hormon- oder Zuckererkrankung“, kurz SPATZ e. V. Gemeinsam mit der Klinik für Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Freiburg veranstaltet der Verein Kochabende, an denen Kinder und Jugendliche Rezepte für eine gesündere Ernährung kennenlernen.

Um Eltern von Kindern mit Diabetes zu entlasten, vermittelt SPATZ Diabetes-Babysitter in ganz Südbaden: Ältere Jugendliche mit Typ-1-Diabetes passen auf jüngere Diabetes-Kinder auf. Sie kennen sich mit der Blutzuckermessung und mit Insulinpumpen aus. „Unsere Babysitter sind bestens geschult. Wir geben ihnen Merkzettel an die Hand, auf denen steht, woran Eltern und Betreuer bei der Übergabe denken sollten“, sagt Ute Knoll, Leiterin des SPATZ-Infobüros.

Für ganz junge Patienten hat SPATZ den Teddybären Wuschel ins Leben gerufen. In zwei Kinderbüchern bringt Wuschel Kindern spielerisch bei, was sie über Diabetes und Insulinpumpen wissen müssen. „Wuschel zeigt den Kindern, wie sie mit ihrer Erkrankung ein fröhliches und unbeschwertes Leben führen können“, sagt Knoll.

Basierend auf seinen langjährigen Erfahrungen im Schulen von Eltern, Kindern und Jugendlichen mit Diabetes hat das Team um den Diabetologen Schwab das Freiburger Diabetes-Schulungsprogramm erstellt. Der Ratgeber mit acht Lernabschnitten kann über das SPATZ Infobüro bezogen werden. Die Eltern können ihn bei SPATZ-Fortbildungen mit ihren Mitschriften ergänzen; so wird er für sie zu einem „zentralen Diabetes-Gedächtnis“.

Kontakt:
Spatz-Infobüro
Telefon: 0761 270-44821
info@spatz-ev.de 

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