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Wir überwinden Grenzen

Fit bleiben bis ins hohe Alter

Geriatrie und Gerontologie

(08.05.2018) Wird heute ein Mädchen geboren, hat es eine Lebenserwartung von fast 84 Jahren. Die älteste Deutsche ist kürzlich mit 112 Jahren gestorben. Wie man fit im Kopf bleibt und wie schnell der Tod läuft, erklärt ein Alters-Experte.

83,98 Jahre werden Mädchen im Schnitt, die heutzutage in Baden-Württemberg geboren werden. Das ist ein Höchstwert, historisch und bundesweit. Auch die Lebenserwartung von Jungen ist mit rund 79,5 Jahren auf einem Höchststand. Die älteste Deutsche ist kürzlich in Karlsruhe gestorben, mit 112 Jahren. Doch wie Menschen altern ist sehr unterschiedlich. Dr. Bernhard Heimbach, Ärztlicher Leiter des Zentrums für Geriatrie und Gerontologie des Universitätsklinikums Freiburg, erklärt, welche Faktoren ein gutes Altern ermöglichen.

Wer sich regelmäßig sportlich betätigt, ist im Alter fitter und wird im Schnitt älter. © Vasyl / fotolia

Herr Dr. Heimbach, wann beginnt das Alter?
Alt fühlt man sich dann, wenn man Dinge nicht mehr selbstständig tun kann, die früher möglich und selbstverständlich waren. Der Zeitpunkt der Gefährdung dieser Autonomie ist ganz individuell. Es gibt Menschen, die mit über 90 Jahren fit und mobil sind. Andere haben schon mit 60 Jahren Schwierigkeiten, ihr Leben selbständig zu bestreiten.

Was ist für ein gesundes Altern und ein langes Leben entscheidend?
Ganz wesentlich sind Selbstständigkeit, seelisches Wohlbefinden, geistige Fitness und Mobilität. Letztere lässt sich sehr gut an der Geh-Geschwindigkeit festmachen.

Ein Beispiel: Eine 65-jährige Frau, die rund 5,7 Kilometer pro Stunde laufen kann, wird mit über 40 Prozent Wahrscheinlichkeit älter als 75. Die Zwillingsschwester, die nur 2,5 Kilometer pro Stunde schnell läuft, hat gerade einmal eine Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent.

Britische Wissenschaftler haben es deshalb etwas überspitzt so formuliert: Mit der richtigen Geschwindigkeit kann man dem Tod davonlaufen. Die Geh-Geschwindigkeit ist ein guter Parameter für die Gesamtfitness älterer Personen. Aber natürlich sind das nur Wahrscheinlichkeiten und keine sicheren Prognosen.

Was hält uns fit im Kopf?
Für unsere kognitive Fitness ist „soziales Gedränge“, also achten auf die „soziale Hygiene“, ganz wichtig. Das heißt, Menschen sollten sich mit anderen Menschen austauschen, um ihre Neugier zu erhalten.

Wie wichtig diese Offenheit für neue Dinge ist, wird oft deutlich, wenn der Lebenspartner stirbt. Wenn der Hinterbliebene in der Lage ist, die Einsamkeit zu überwinden, an bestehenden Beziehungen und Freundschaften anzuknüpfen und dadurch wieder Zuversicht und Mut erfährt, besteht eine gute Chance, sich für Neues zu interessieren und somit seine geistige Fitness zu erhalten.

Helfen Gehirnjogging-Arten wie Sudoku oder Kreuzworträtsel?
Wer viel Sudoku spielt, wird besser in Sudoku. Das gleiche gilt für das Lösen von Kreuzworträtseln. Es hat aber keinen positiven Effekt auf die allgemeine kognitive Fitness.

Für den Erhalt der allgemeinen kognitiven Fitness bedarf es aber den interessengeleiteten Austausch mit anderen Menschen, das können Gehirn-Jogging-Aufgaben nicht bieten; stellt man sich jedoch Denkaufgaben in der Gruppe, können wiederum günstige Effekte auf die kognitive Fitness erreicht werden.

Sie hatten noch seelisches Wohlbefinden als Faktor genannt. Was bedeutet das?
Das seelische Wohlbefinden hat viel mit innerer Gelassenheit zu tun, also der Einstellung, dass es einem weiterhin gut gehen wird. Seelisch stärkende Elemente wie Religiosität oder eine allgemeine Spiritualität können dabei sehr helfen.

Was sind die Schwerpunkte Ihrer Arbeit am Zentrum für Geriatrie und Gerontologie?
Zu unseren Schwerpunkten zählen die Diagnostik und Behandlung von typischen Erkrankungen im Alter, wie Gangstörungen und Sturzneigung, Nachlassen der Hirnleistung, Gefährdung der Selbständigkeit im Alltag sowie nachlassendes seelisches Wohlbefinden. Dafür arbeiten Mediziner, Therapeuten, Fachpflegekräfte, Psychologen, Sozialarbeiter, Studienassistenten und weitere Berufsgruppen eng zusammen.

Unser Ziel ist es, dass ältere Menschen trotz Krankheiten und Gebrechlichkeit ihre Selbständigkeit erhalten oder wiedererlangen. Denn das bedeutet zugleich einen enormen Zugewinn an Lebensqualität.

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