Zu den Inhalten springen

Wir überwinden Grenzen

Kalter Schweiß: Angst vor jedem Händedruck

Thoraxchirurgie

(26.08.2019) Schwitzen ist wichtig und gesund. Wer aber schon bei kleinsten Anstrengungen oder sogar ganz ohne Grund Schwitzattacken bekommt, leidet oft darunter. Dabei gibt es für viele Betroffene Hilfe.

Mindestens 800.000 Menschen in Deutschland leiden an übermäßigem Schwitzen, Hyperhidrose genannt. Wie jeder überprüfen kann, ob das Schwitzverhalten noch normal ist, und welche medizinischen Möglichkeiten es gegen die Schwitzattacken gibt, erklärt Dr. Hannah Arnold, Ärztin an der Klinik für Thoraxchirurgie des Universitätsklinikums Freiburg.

Wer auch ohne erhöhte Außentemperaturen häufig stark schwitzt, leidet möglicherweise an Hyperhidrose. Die lässt sich oft gut behandeln. © Andrey Popov / fotolia

Frau Dr. Arnold, woran erkenne ich, dass mein Schwitzen krankhaft verstärkt ist?
Dr. Arnold: Typisch sind übermäßig starke Schwitzattacken, die meist temperaturunabhängig auftreten und die Betroffenen sehr in ihren alltäglichen Aktivitäten beeinträchtigen. Die übermäßige Schweißtätigkeit tritt spontan auf und wird oft durch Stress, Emotionen oder Anstrengungen verstärkt. Nachts schwitzen die Hyperhidrose-Patienten interessanterweise meist nicht vermehrt.

Kann auch Hitze die Schwitzattacken auslösen?
In der Regel tritt die Hyperhidrose wie gesagt unabhängig von der umgebenden Temperatur auf, das heißt die Betroffenen leiden im Winter genauso unter Schwitzattacken wie im Sommer. Dennoch können sehr heiße Temperaturen die Hyperhidrose sicherlich verstärken.

Wo kann das starke Schwitzen auftreten?
Meist an Händen, Achseln oder Füßen und bei manchen Patienten am ganzen Körper. Das ist für die Betroffenen oft auch emotional sehr belastend, etwa wenn es ihnen wegen des nasskalten Händedrucks schwer fällt, jemandem die Hand zu geben oder sie gezwungen sind, ihre Kleidung häufig zu wechseln. Übermäßige Schweißbildung an den Füßen kann zu unangenehmem Schweißgeruch führen.

Welche Therapieoptionen gibt es denn?
Für gewöhnlich erfolgt die Behandlung zunächst mit lokalen Maßnahmen und beim Hausarzt. Verschiedene Salben und Sprays können zu einer Austrocknung der Schweißdrüsen führen. Eine andere Möglichkeit ist die Iontophorese, eine elektrische Stimulation an Händen, Füßen oder Achseln. Auch eine Injektion von Botox (Botulinumtoxin) im betroffenen Bereich kann helfen, da dieses Toxin die Übertragung von Nervenimpulsen zu den Schweißdrüsen vermindert und so die Schweißneigung reduziert wird. Die generalisierte Form der Hyperhidrose lässt sich zeitweise mit Tabletten behandeln. Das sollte aber keine Dauermedikation darstellen.

Wann kommt eine chirurgische Behandlung in Frage?
Wenn durch lokale und medikamentöse Behandlungen kein befriedigender oder langfristiger Erfolg erzielt werden konnte. Bei der Operation wird der sogenannte Sympathische Grenzstrang durchtrennt, der unter anderem auch für die Regulation der Schweißdrüsen ist. Der Nerv wird dabei auf unterschiedlichen Höhen im Brustkorb durchtrennt. So kann man erreichen, dass Hände und/oder Achseln dauerhaft trocken werden. Das Schwitzen im Bereich der Füße kann mit der Operation nicht direkt beeinflusst werden.

Wie läuft eine solche Operation ab?
Heutzutage wird eine solche Sympathikotomie minimalinvasiv, als sogenannte schlüssellochchirurgische Operation durchgeführt. Dabei wird während einer Vollnarkose über zwei etwa fünf Millimeter lange Schnitte eine kleine Kamera und spezielle Instrumente in den Brustkorb eingeführt. Über einen Monitor kann der Chirurg das Operationsgebiet einsehen und die entsprechenden Abschnitte des sympathischen Nervenstrangs aufsuchen und elektrochirurgisch behandeln. In der Regel erfolgt die Entlassung am Tag nach der Operation.

Wie gut wirkt die Operation?
Etwa 90 bis 95 Prozent der Patienten mit übermäßigem Schwitzen an der Hand können geheilt werden. Bei Achselschwitzen sind es etwa 75 bis 80 Prozent der Fälle. Wichtig zu wissen ist, dass bei gut der Hälfte der Patienten nach dem Eingriff ein sogenanntes „kompensatorisches Schwitzen“, also ein vermehrtes Schwitzen anderen Körperteilen, auftritt. Aber nur wenige Patienten fühlen sich dadurch beeinträchtigt. Andere Folgeerscheinungen wie das Schwitzen nach dem Essen sind deutlich seltener und erfreulicherweise bessern sich all diese Belastungen in der Regel nach einigen Wochen. Und danach sind die Betroffenen im besten Falle ein Leben lang von den Schweißattacken geheilt.

Wer ist am Universitätsklinikum Freiburg für die Behandlung zuständig?
Hier sind drei Kliniken an der Behandlung beteiligt: die Klinik für Thoraxchirurgie, die Klinik für Dermatologie und Venerologie und die Klinik für Plastische und Handchirurgie. Gemeinsam betreiben wir auch die Sprechstunde Hyperhidrose, an die sich Betroffene wenden können.

Weitere interessante Artikel

Vermeintlicher Lungentumor hat tierische Ursache

Wegen einer dunklen Stelle auf dem Röntgenbild ihrer Lunge wird eine Patientin an das Universitätsklinikum Freiburg überwiesen. Der Verdacht: Lungenkrebs. Doch die Spezialisten finden etwas, das eigentlich nur von Hunden bekannt ist.

Fit trotz Hitze: Acht einfache Gesundheitstipps

Die nächsten Tage werden die heißesten des Jahres. Nicht nur ältere Menschen und Kinder sollten dabei auf ihre Gesundheit achten. Mit diesen Gesundheitstipps kommen alle gesund durch die Hitzewelle.

Suche nach Artikeln

Universitätsklinikum Freiburg

Zentrale Information
Telefon: 0761 270-0
info@uniklinik-freiburg.de    

 

Unternehmenskommunikation

Breisacher Straße 153
79110 Freiburg
Telefon: 0761 270-84830
Telefax: 0761 270-9619030
kommunikation@uniklinik-freiburg.de