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Mit gebrochenem Herzen zum Kardiologen

Kardiologie

(15.03.2019) Herzschmerz aufgrund unerwiderter Liebe kennt wohl fast jeder. Dass daraus echte Herzbeschwerden entstehen können, ist eher unbekannt. Neben dem „Broken Heart Syndrom“ kennen Ärzte mittlerweile aber auch das „Happy Heart Syndrom“.

Trauer, Angst oder Konflikte in der Beziehung können eine schwere seelische Belastung sein. Immer wieder schlagen sie aber auch direkt aufs Herz. Schmerzen in der Brust, Atemnot oder schwere Rhythmusstörungen können die Folge sein. Ärzte sprechen dann vom Takotsubo-Syndrom, das auch als Stress-Kardiomyopathie oder als Broken-Heart-Syndrom bezeichnet wird. „Die Beschwerden ähneln oft denen eines Herzinfarkts. Deshalb wird die Untersuchung meist in der Notaufnahme oder im Herzkatheter-Labor in der Klinik durchgeführt“, sagt Privatdozentin Dr. Qian Zhou, Oberärztin an der Klinik für Kardiologie und Angiologie I des Universitäts-Herzzentrums Freiburg · Bad Krozingen.

Frauen sind besonders häufig vom "Broken Heart-Syndrom" betroffen. Wichtig ist, dass die Beschwerden Ernst genommen und vom Arzt abgeklärt werden. © New Africa / fotolia

Beim Takotsubo-Syndrom kontrahiert das Herz sehr ungleichmäßig. Die Herzspitze zieht sich zu wenig zusammen, der darüber liegende Bereich und insbesondere der Ausflusstrakt aber verengt sich sehr stark. So sieht die Herzspitze ähnlich aus wie ein aufgeblasener Luftballon. Den japanischen Arzt, der das Phänomen erstmals beschrieb, erinnerte die Herzform an spezielle Tonkrüge, die in Japan traditionell zum Tintenfischfang eingesetzt werden, die Takotsubos. Da die Symptome denen eines Herzinfarktes sehr ähneln und sich auch klinische Parameter verändern, werden die meisten Patienten sofort mittels Herzkatheter untersucht, um eine Verengung der Herzkranzgefäße auszuschließen. sagt Dr. Zhou.

Schwacher Trost für Traurige: Auch Glückliche kann es treffen

Besonders häufig betroffen sind Frauen nach der Menopause, nur zehn Prozent der Patienten sind Männer. Ob dies am veränderten Hormonhaushalt liegt, ist derzeit noch Gegenstand der Forschung. „Bei etwa einem Drittel der Betroffenen sind starke emotionale Ereignisse den Beschwerden vorausgegangen. Diese müssen nicht nur Stress, Angst und Ärger sein; bei einem kleinen Teil der Betroffenen sind Auslöser auch besonders positive Emotionen. Man spricht dann auch vom „Happy Heart Syndrom“, sagt Dr. Zhou.

Insgesamt handelt es sich bei der Takotsubo-Kardiomyopathie um eine noch relativ junge und nicht gut erforschte Erkrankung. Sehr wahrscheinlich tragen individuelle Aktivierungen des autonomen Nervensystems zur Erkrankung bei. So konnten in einigen Studien gezeigt werden, dass Patienten mit Takotsubo-Syndrom eine Überaktivierung des sympathischen Nervensystems mit vermehrter Ausscheidung von Stresshormonen aufweisen.

In den meisten Fällen sind die Beschwerden vorübergehend. Bei zehn Prozent der Patienten kommt es jedoch zu schweren Verläufen mit Herzinsuffizienz oder sogar kardiogenem Schock. „Bei allen Patienten steht die psychologische Betreuung im Vordergrund“, betont Dr. Zhou. Patienten mit einer Einschränkung der Herzleistung erhalten zusätzlich eine medikamentöse Therapie, die sich an der für Patienten mit Herzschwäche anlehnt. Erfreulicherweise erholen sich die meisten Patienten innerhalb der nächsten vier bis sechs Wochen.

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