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Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Gesundheit im Beruf und Burnout-Prävention

Aktuelles Angebot für Lehrerinnen und Lehrer im Schuljahr 2017/18

Im kommenden Schuljahr wird wieder allen Lehrerinnen und Lehrern von öffentlichen Schulen und Schulkindergärten in Baden-Württemberg die Teilnahme an "Lehrer-Coachinggruppen nach dem Freiburger Modell" angeboten. Die Lehrer-Coachinggruppen zur Stärkung der Beziehungskompetenz von Lehrkräften sind eine Maßnahme zur Gesundheitsvorsorge, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen wurde. 
Information und Anmeldung unter:
https://lehrer-coachinggruppen.de

Seit 2002 befasst sich eine an der Klinik für Psychosomatische Medizin tätige Arbeitsgruppe unter Prof. Dr. Joachim Bauer mit dem Thema Prävention psychischer Erkrankungen. Im Mittelpunkt der Projekte dieser Arbeitsgruppe stand und steht die Verhütung des sogenannten Burnout-Syndroms. Beim Burnout-Syndrom handelt es sich um eine Symptomen-Kombination von chronischer emotionaler Erschöpfung, Effizienz- und Sinnverlust am Arbeitsplatz sowie um eine –vorher nicht existente – plötzlich aufgetretene, dauerhaft anhaltende Abneigung gegenüber Klienten oder Kunden (bei schulischen Lehrkräften gegenüber Schülern, bei Ärzten gegenüber Patienten).

Einen besonderen Schwerpunkt der Arbeitsgruppe von Prof. Bauer war und ist die Burnout-Prävention und Bewahrung der seelischen Gesundheit an Schulen. Nach Durchführung einer Pilotstudie an 10 südbadischen Gymnasien in den Jahren 2002 und 2003 erhielt Prof. Bauer im Jahre 2004 seitens der Berliner Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) einen Zuschlag für ein mit ca. EUR 300.000 unterstütztes Lehrer-Gesundheitsprojekt. Dieses Projekt beinhaltete eine repräsentative Erhebung der seelischen Gesundheit bei Lehrkräften und die Entwicklung einer präventiven Interventionsmaßnahme. Bei der von der Arbeitsgruppe Prof. Bauer Präventionsmaßnahme handelt es sich um einen 10-Doppelstunden umfassenden Kurs („Lehrer-Coachinggruppen“) (Manual), welcher in Deutschland die einzige als effektiv evaluierte Intervention zur Burnout-Prävention bei Lehrkräften darstellt. Das BAuA-Projekt wurde 2008 erfolgreich abgeschlossen.

Im Anschluss an das erwähnte, von der BAuA unterstützte Projekt führte die Arbeitsgruppe von Prof. Bauer von 2008 bis 2011 ein von der Max Traeger-Stiftung (MTS) mit EUR 60.000 gefördertes weiteres Lehrergesundheitsprojekt durch. Im Rahmen dieses Projektes wurden bundesweit zahlreiche „Lehrer-Gesundheitstage“ durchgeführt.

Im Jahre 2011 erhielt die Arbeitsgruppe von Prof. Bauer vom Kultusministerium Baden-Württemberg den Auftrag, ab 2012 im Rahmen eines mit jährlich EUR 250.000 geförderten Projektes allen Lehrkräften des Landes das von der Freiburger Arbeitsgruppe entwickelten Präventionskurs(„Lehrer-Coachinggruppen“) anzubieten (https://lehrer-coachinggruppen.de). Das Projekt hat eine vorläufige Laufzeit bis August 2019.

Neben der Befassung mit der Berufsgruppe der schulischen Lehrkräfte hat sich die Arbeitsgruppe Prof. Bauer auch mit der seelischen Gesundheit im Pfarrerberuf befasst. Zusammen mit der evangelischen Landeskirche Bade wurden alle Pfarrerinnen und Pfarrer im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts mittels Fragebögen hinsichtlich der beruflichen Belastung, der Burnout-Gefährdung und hinsichtlich medizinisch relevanter Stress-Symptome untersucht.

Das Burnout-Syndrom stellt eine eigenständige, von der Depression abzugrenzende, auf den Arbeitsplatz bezogene und dort entstandene Störung dar. Da Symptomüberschneidungen mit depressiven Erkrankungen bestehen, ist jedoch darauf zu achten, dass eine evtl. vorliegende depressive Störung nicht mit der Bezeichnung eines „Burnout-Syndrom“ falsch etikettiert wird.

Der überall zunehmende Druck am Arbeitsplatz, der einerseits durch zunehmende quantitative Anforderungen, andrerseits durch fehlende Wertschätzung und weitere qualitative Faktoren bedingt ist, wird zu einer weiteren Zunahme des Burnout-Syndrom führen. Künftige Projekte sollten sich auf die Situation in der gewerblichen Wirtschaft konzentrieren und die dortige Arbeitssituation untersuchen und geeignete Präventionsmaßnahmen entwickeln und zum Einsatz bringen.

Literatur (Eigene Publikationen)

Angebote der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie für psychisch Belastete und Burnout-Gefährdete aller Berufe

Die Ambulanz der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, in der u. a. auch OA Prof. Joachim Bauer tätig ist, bietet nicht nur schulischen Lehrkräften, sondern Berufstätigen aller Berufe Hilfe bei seelischer Belastung, Depression, psychosomatischen Störungen oder bei Burnout-Verdacht. Betroffene können sich unter der Telefonnummer 0761 270-68410 einen Ambulanztermin geben lassen. Im Rahmen einer ambulanten Beratung und diagnostischen Klärung können weitere ambulante oder stationäre Hilfestellungen vermittelt werden.

Landesweite Angebote für Lehrkräfte ab 2011

Im Jahre 2011 erhielt Prof. Joachim Bauer vom Kultusministerium Baden-Württemberg den Auftrag, allen baden-württembergischen Lehrkräften „Lehrer-Coachinggruppen nach dem Freiburger Modell“ anzubieten und dieses Vorhaben wissenschaftlich zu begleiten. Um dieses Projekt realisieren zu können, wurden von Prof. Bauer in Zusammenarbeit mit der Landespsychotherapeutenkammer BW landesweit Psychologische Psychotherapeuten/innen im Rahmen eines Moderatorentrainings geschult. Die von diesen so geschulten Moderatoren geleiteten Lehrergruppen fanden bereits in den Schuljahren 2012-2017 statt und gehen im kommenden Schuljahr in die nächste Runde (siehe https://lehrer-coachinggruppen.de).

Aktuelles Angebot für Lehrerinnen und Lehrer im Schuljahr 2017/18

Im kommenden Schuljahr wird allen Lehrerinnen und Lehrer von öffentlichen Schulen und Schulkindergärten in Baden-Württemberg die Teilnahme an "Lehrer-Coachinggruppen nach dem Freiburger Modell" angeboten. Hiermit geht die gesundheitsfördernde Maßnahme zur Stärkung der Beziehungskompetenz von Lehrkräften in die sechste Runde.
Näheres erfahren Sie unter:
https://lehrer-coachinggruppen.de/.

2009-2010: Herstellung eines Lehrfilms für schulische Lehrkräfte

Die zwischen 2002 und 2009 gemachten Erfahrungen und die dabei gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse hatten ein weiteres Projekt zur Folge, welches durch die „Initiative neue Qualität der Arbeit (INQA)“, durch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) sowie durch die Hochgrat-Klinik (Allgäu) unterstützt wurde. Gegenstand und Ergebnis dieses Projekts war eine 2010 fertig gestellte Lehr-DVD für schulische Lehrkräfte mit dem Titel „Lange Lehren in Beziehung“.

Eine landesweite Untersuchung zur beruflichen Belastung bei evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrern

In den Jahren 2008 und 2009 führte die Arbeitsgruppe „Gesundheit im Beruf und Burnout-Prophylaxe“ in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Landeskirche Baden eine repräsentative Untersuchung über die Burnout-Belastung bei mehreren hundert badischen Pfarrerinnen und Pfarrern durch. Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden in mehreren Veranstaltungen mit der Badischen Landeskirche, insbesondere auch in einer Veranstaltung mit dem Landesbischof Dr. Fischer, präsentiert und diskutiert.

Eine große repräsentative Untersuchung der Gesundheitssituation südbadischer Lehrkräfte 2004-2008

Im Jahre 2004 erhielt Prof. Joachim Bauer von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) - unter mehr als 50 bundesweiten Bewerbern - zusammen mit zwei weiteren Arbeitsgruppen aus Berlin und Dresden den Auftrag, bis 2008 ein vierjähriges Forschungsprojekt zur Lehrergesundheit durchzuführen (Titel: „Lange Lehren“).
Die Leitung und Durchführung dieses Projekts oblag Oberarzt Prof. Bauer und Oberarzt Dr. Thomas Unterbrink. Gegenstand dieses Projekts, das einen massiven Drittmittelzufluss von mehreren hunderttausend Euro zur Folge hatte, war zum einen eine repräsentative Analyse des Gesundheitszustands und der Burnout-Belastung von Lehrkräften. Zum anderen konnte im Rahmen einer randomisierten Studie die Effektivität der „Lehrer-Coachinggruppen nach dem Freiburg Modell“ nachgewiesen werden.
In den Jahren seit 2008 führte die Arbeitsgruppe „Gesundheit im Beruf und Burnout-Prophylaxe“ ein von der Max-Traeger-Stiftung gefördertes Projekt durch, in dessen Verlauf zahlreiche „Gesundheitstage“ für schulische Lehrkräfte durchgeführt wurden. Die Struktur dieser Tagesveranstaltungen sieht für den Vormittag Impulsreferate (Plenum) und für den Nachmittag parallele Workshops (Kleingruppen) vor.
Die im Rahmen dieser Tage bearbeiteten Themen sind insbesondere Stressbiologie, Beziehungspsychologie, Körpersprache und Umgang mit der Stimme.
Die Gesundheitstage erfreuten und erfreuen sich bei Lehrkräften einer sehr hohen Akzeptanz. Begleitend zu diesen Tagen, bei denen viele hundert Lehrkräfte trainiert werden konnten, wurden weitere Fragebogen-gestützte wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt.

Lehrergruppen im Rahmen einer ersten Pilotstudie 2002-2004

Ausweislich entsprechender Studien zählen Lehrkräfte an Schulen zu den derzeit in Deutschland am stärksten von Burnout betroffenen Berufsgruppen. Vor diesem Hintergrund begann die Arbeitsgruppe „Gesundheit im Beruf und Burnout-Prophylaxe“ der Abteilung Psychosomatische Medizin im Jahre 2002, in Zusammenarbeit mit dem seinerzeitigen Oberschulamt Freiburg (inzwischen Abteilung VII des Regierungspräsidiums), den Lehrkräften von 10 Schulen im Großraum Freiburg Gesundheitsgruppen im Sinne einer Stressprophylaxe anzubieten. Eine qualitative Inhaltsanalyse der zwischen 2002 und 2004 durchgeführten Lehrergruppen zeigte, dass die Stressbelastungen von schulischen Lehrkräften vier bis fünf thematische Schwerpunkte umkreisen: Persönliche innere Einstellungen, Beziehungsarbeit mit Schülerinnen und Schülern, Beziehungsarbeit mit Eltern, Zusammenarbeit mit Kollegen und Schulleitung sowie der Wunsch von Lehrkräften, stressbiologische Abläufe zu verstehen und eine Entspannungs-methode zu erlernen. Dies führte zu Ausarbeitung eines Manuals für „Lehrer-Coachinggruppen nach dem Freiburger Modell“.

Bauer, J., Stamm, A., Virnich, K., Wissing, K., Müller, U., Wirsching, M., Schaarschmidt, U. 2006. Correlation between burnout syndrome and psychological and psychosomatic symptoms among teachers. In: Int. Arch. Occup. Environ. Health 79, 199-204.

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Unterbrink, T., Hack, A., Pfeifer, R., Buhl-Grießhaber, V., Müller, U., Wesche, H., Frommhold, M., Scheuch, K., Seibt, R., Wirsching, M., Bauer, J. 2007. Burnout and effort-reward-imbalance in a sample of 949 German teachers. In: Int. Arch. Occup. Environ. Health 80, 433-441.

Unterbrink, T., Zimmermann, L., Pfeifer, R., Wirsching, M., Brähler, E., Bauer, J. 2008. Parameters influencing health variables in a sample of 949 German teachers. In: Int. Arch. Occup. Environ. Health 82, 1127-123.

Bauer, J. 2009. Burnout bei schulischen Lehrkräften. In: Psychotherapie im Dialog 10/3, 251-255.

Bauer, J., Schächtele, T., Pfeifer, R., Muke, K., Walter, A., Unterbrink, T., Wirsching, M. 2009. Belastungserleben und Gesundheit im Pfarrerberuf. Deutsche Pfarrerblatt Band 109, Heft 9, Seite 460-466.

Unterbrink, T., Zimmermann, L., Pfeifer, R., Rose, U., Joos, A., Hartmann, A., Wirsching, M., Bauer, J. 2010. Improvement in School Teacher´s Mental Health by a Manual-Based Psychological Group Program. In: Psychotherapy and Psychosomatics 79, 262-264.

Unterbrink, T., Pfeifer, R., Krippeit, L., Zimmermann, L., Rose, U., Joos, A., Hartmann, A., Wirsching, M., Bauer, J. 2011. Burnout and Effort-Reward Imbalance Improvement for Teachers in a manual-Based Group Program. In: Int. Arch. Occup. Environ. Health. In press

Bauer, J. 2011. Burnout: „Mode-Diagnose“ oder ernste Gesundheitsstörung? Deutsche Apothekerzeitung Band 151 Nr- 49, Seite 50-54

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