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Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Sektion Systemische Gesundheitsforschung

Leitung
Prof. Dr. phil. Stefan Schmidt, Dipl. Psych.
Stiftungsprofessur für Systemische Familientherapie
Telefon: 0761 270-69280
stefan.schmidt@uniklinik-freiburg.de

Sekretariat
Ute Kato: 0761 270-68805

Die Professur für Systemische Familientherapie ist eine Stiftungsprofessur der Luisenklinik Bad Dürrheim

Anschrift
Universitätsklinikum Freiburg
Sektion Systemische Gesundheitsforschung
Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Hauptstr. 8
79104 Freiburg

Besucheradresse
Burgunderstr. 5a, 2. OG
79104 Freiburg

Die Sektion für Systemische Gesundheitsforschung führt Forschungsarbeiten zu den drei Schwerpunkten Systemische Therapie, Achtsamkeit und Meditation sowie Sinnstiftung und Heilung durch. Das verbindende Element dieser Fragestellungen ist der Zusammenhang zwischen Gesundheit einerseits und der Einstellung, Haltung, Weltsicht und Kultur andererseits. Unsere Untersuchungen basieren auf einem nicht-reduktionistischen erkenntnistheoretischen Zugang, der die drei Ebenen Körper, Psyche und Soziales als gleichwertig interagierende Systeme begreift.

Wir orientieren uns dabei vorrangig an einem konstruktivistischen und systemischen Ansatz, der geistige Prozesse nicht auf einzelne (neuro-)biologische Mechanismen reduziert, sondern ihre Einbettung in den körperlichen und sozialen Kontext einbezieht und untersucht. In dieser Sichtweise resultiert die erfahrene und gelebte Welt nicht aus der passiven Verarbeitung externer Gegebenheiten, sondern wird aktiv und kreativ in der körperlichen Interaktion mit der Umwelt hervorgebracht (metaphorisch gesprochen „Laying down a path in walking“, dt. Wege entstehen beim Gehen). Dieser Ansatz nimmt in der aktuellen Kognitionsforschung unter den Stichwörtern „Neurophänomenologie“, „Embodiment“ und „Enaction“ zunehmend eine zentrale Stellung ein. Damit wird auch eine systematischen Einbeziehung der Phänomenologie subjektiver Erfahrung in den Forschungsprozess nahegelegt.

Das methodische Spektrum der Sektion ist weitgefasst und schließt u.a. Klinische Studien, neuro- und psychophysiologische Zugänge, aber auch qualitative (phänomenologische) Methoden ein. Die Sektion verfügt über ein EEG-Labor sowie ein videogestütztes Bewegungslabor.

Systemische Therapie

Der Schwerpunkt Systemische Therapie beschäftigt sich mit der Frage nach der Wirksamkeit und Wirkweise systemisch ausgerichteter (Psycho-)therapieansätze. Dieses Vorgehen umfasst unterschiedliche Settings wie Familientherapie, Paartherapie, systemische Einzeltherapie, Systemische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Hier werden zwei unterschiedliche Herangehensweisen gewählt. Zum einen wird zur Untersuchung der Wirksamkeit der Systemischen Ansätze auf das klassische vorherrschende Wissenschaftsverständnis und Methodeninventar zurückgegriffen, wie es sich zum Beispiel in quantitativen klinischen Studien abbildet. Auf der anderen Seite wird aber auch versucht innerhalb der erkenntnistheoretischen Annahmen des Systemischen Zugangs alternative Forschungsmethoden und Herangehensweisen zu entwickeln und umzusetzen.

Achtsamkeit und Meditation

Die Arbeitsgruppe hat eine langjährige Tradition in der Erforschung achtsamkeitsbasierter Verfahren und experimenteller Meditationsforschung. An unserer Sektion wurde 1999 die erste deutsche Studie zur Achtsamkeitsbasierten Stressbewältigung durchgeführt (link), Im Jahre 2000 der Freiburger Fragebogen zur Achtsamkeit (FFA, engl. Freiburg Mindfulness Inventory FMI) (link) entwickelt und die eine der ersten Metaanalysen zu MBSR (Kurs in Achtsamkeitsbasierter Stressbewältigung) publiziert (link). Weiterhin folgten mehrere klinische Studien zu Migräne, chronischen Rückenschmerzen und Fibromyalgie. Weitere Interventionsstudien untersuchten die Auswirkung der Achtsamkeitspraxis in der Schule (link) und im Krankenhaus, wo wir sowohl Studie mit Pflegekräften, Stationsteams als auch mit Assistenzärzt/innen (link) durchgeführt haben und momentan durchführen.

Die Sektion verfügt über ein eigenes EEG-Labor (link) in dem neurophysiologische Studien in Zusammenhang mit Meditation durchgeführt werden. Hier werden unter anderem auch Arbeiten zur Handlungsinitiierung (Libet-Experiment) und neurophänomenologische Untersuchungen durchgeführt.

Sinnstiftung und Selbstheilung

Dieser dritte Bereich beschäftigt sich mit der Frage inwieweit Sinnstiftung und Bedeutungskonstruktion in Zusammenhang mit physischer Gesundheit stehen. Exemplarisch ist dieser Bezug im Placeboeffekt erkennbar, bei dem lediglich durch Informationen und Kontextualisierung einer Medikamentengabe deutliche physiologische Effekte hervorgerufen werden. Die Forschung in diesem Bereich umfasst Placebostudien und -experimente, aber auch qualitative Zugänge zu Narrativen von Krankheit und Gesundwerdung.

Ein wichtiger Fokus in diesem Bereich liegt auf der doppelten Beschreibung von Krankheit und Heilung zum einen als biochemischem Geschehen und zum anderen als Narration. Wir gehen davon aus, dass diese beiden Zugänge eng ineinander greifen und sich wechselseitig bedingen. So können viele kausal gedachte medizinische Behandlungen auch auf einer zweiten Ebene als sinnvolle Narrative gesehen werden, die mehr über Ritualaspekte als über biochemische Faktoren ihre Wirkung entfalten. Diese Herangehensweise wird in der Antrittsvorlesung von Prof. Stefan Schmidt ausführlich dargestellt (link).