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Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Der Einfluss von Metta Meditation auf selbstreferentielle neuronale Prozesse

Fynn-Mathis Trautwein, José Raúl Naranjo und Stefan Schmidt

Liebende Güte (Metta) Meditation ist ein Geistestraining, welches darauf ausgerichtet ist, warmherzige Gefühle gegenüber sich selbst und anderen Personen zu kultivieren. Bisherige Studien haben gezeigt, dass die Praxis dieser Meditationstechnik u.a. mit einer Zunahme positiver Emotionen, sozialer Verbundenheit und prosozialen Verhaltens einhergeht. Das Ziel unserer Studie war es, die diesen Veränderungen zugrunde liegenden Prozesse zu untersuchen. Der Fokus der Studie wurde dabei sowohl von Beschreibungen geleitet, welche in der kontemplativen und phänomenologischen Erfahrung verankert sind, als auch von aktuellen Befunden der sozialen und kognitiven Neurowissenschaften. So deuten Beschreibungen aus der buddhistischen Tradition darauf hin, dass die in der Metta Meditation angestrebte Vertiefung von Liebe und Mitgefühl eng mit einer Veränderung des Selbst-Erlebens verknüpft ist. Sozialpsychologische und neurowissenschaftliche Ergebnisse wiederum legen nahe, dass eine Überlappung selbst- und fremdbezogener Prozesse – oft als geteilte Netzwerke („shared networks“) oder Spiegelsystem („mirror system“) bezeichnet – eine zentrale Grundlage für die Fähigkeiten darstellt, Empathie zu empfinden, die Perspektive anderer Menschen zu verstehen und soziale Bindungen aufzubauen.

Wir untersuchten daher, inwiefern langjährige Praxis von Metta Meditation mit Veränderungen von neuronalen Repräsentationen des Selbst und Anderer einhergeht. Dazu luden wir 13 Langzeitpraktizierende von Metta Meditation sowie eine hinsichtlich Alter, Geschlecht, Bildung und Händigkeit äquivalente Kontrollgruppe in unser Labor ein und leiteten das Elektroenzephalogramm (EEG) ab. Wir erfassten dabei unter anderem Potenzialveränderungen, welche durch Bilder der eigenen Person bzw. einer nahestehenden Person ausgelöst wurden. Eine Reihe von Studien hat gezeigt, dass die P300, eine ab ca. 300 ms nach Stimuluspräsentation auftretende Positivierung des Potenzials, bei der Verarbeitung selbstreferentieller Stimuli eine höhere Amplitude aufweist als bei nicht selbstbezogenen Stimuli. Daher wurde die Differenz der P300 Amplituden, die durch das Bild der eigenen bzw. der nahestehenden Person ausgelöst wurden, als Indikator für das Ausmaß der Verknüpfung der Repräsentationen des Selbst und des Anderen herangezogen. Die Ergebnisse zeigten eine signifikant niedrigere Differenz der P300 Amplituden in der Meditationsgruppe. Außerdem korrelierte diese Differenz mit dem Ausmaß der individuellen Meditationspraxis und einem per Fragebogen erhobenen Maß uneingeschränkten Mitgefühls. Die Ergebnisse deuten somit auf eine Veränderung selbstbezogener Prozesse im Sinne einer zunehmenden Verbundenheit des Selbst mit Anderen bei Metta Meditation Praktizierenden hin. Allerdings zeigte eine kurze Metta Meditation im Labor keinen Einfluss auf die P300 Amplituden, weshalb die kausale Wirkung der Meditation nicht eindeutig belegt werden konnte.

Eine detaillierte Projektbeschreibung finden Sie hier.