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Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Die neuronale Basis der Achtsamkeitsmeditaton: Eine hochauflösende EEG-Studie an Lang-und Kurzzeitmeditierenden

Stefan Schmidt und José Raúl Naranjo

Innerhalb der Forschung zum Thema Bewusstsein gibt es in letzter Zeit ein gesteigertes Interesse an der Auswirkung von Meditation auf Bewusstsein und Körper. Besonders elektrophysiologische und bildgebende Verfahren haben dazu beigetragen die Hirnprozesse, die konzentrativen Meditationsformen zugrunde liegenden, besser zu verstehen. Im Unterschied dazu haben Meditationsverfahren, die auf eine Ausweitung des Aufmerksamkeitsprozesses ausgerichtet sind, wie z.B. die Achtsamkeitsmeditation, mehr Beachtung in der klinischen Forschung gefunden. Da sich verschiedene achtsamkeitsbasierte Interventionen in klinischen Studien als effektive Behandlungsstrategien erwiesen haben, stellt sich nun die Frage nach den neuronalen Wirkmechanismen dieser Interventionen. Eine EEG-Studie von Dunne et al. (1999) zeigte, dass bei Achtsamkeitsmeditation im Vergleich zu einer konzentrativen Meditationsform vermehrt langsamere (delta und theta) als auch relative schnelle (alpha und beta) oszillatorische Aktivität gefunden wurde. Die Auswirkung dieser Meditationsform auf gamma Frequenzen sowie auf die Kohärenz weit auseinander liegender kortikaler Areale wurde bisher noch nicht untersucht. Ziel dieses Projektes ist es diese beiden Fragestellungen detailliert zu beforschen. Ein hochauflösendes Spontan-EEG wird von zwei verschiedenen Stichproben während der Achtsamkeitsmeditation erhoben. Die erste Stichprobe rekrutiert sich aus Langzeitmeditierenden (> 10 Jahre, tägliche Praxis), für die Teilnehmer/-innen aus Klöstern und Meditationszentren eingeladen werden. Die zweite Stichprobe besteht aus Personen, die noch keine Vorerfahrung mit Meditation haben und sich unabhängig von dieser Studie zu einem achtwöchigen Kurs in achtsamkeitsbasierter Stressbewältigung (MBSR) angemeldet haben. Diese Personengruppe wird vor Beginn und am Ende des Kurses, der als Hausaufgabe auch tägliche Meditation umfasst, einer EEG-Messung unterzogen.

Die hier durchgeführte Studie hat in Design und Methode mehrere Vorteile im Vergleich zu früheren Arbeiten. Zum ersten werden sowohl Meditationsanfänger (Veränderungsmessung) als auch Langzeitmeditierende mit derselben Methode gemessen und verglichen. Weiterhin werden wir bei der EEG-Messung alle Frequenzbänder berücksichtigen. Das EEG wird mit einem hochauflösenden 64-Kanalsystem gemessen. Bei der Analyse schließlich werden wir neben der Untersuchung der Frequenzen auch Kohärenzanalysen zwischen einzelnen Elektrodenpositionen durchführen um kortikale Muster auch in nicht benachbarten Arealen zu untersuchen, zudem werden auch Lateralisationsanalysen durchgeführt. Mit dieser Arbeit wird erstmals eine umfassende neurophysiologische Beschreibung und Topographie der räumlichen und zeitlichen Dynamik während der Achtsamkeitsmeditation vorgelegt. Der Arbeit wird damit einen zentralen Stellenwert für die Suche nach Wirkmechanismen klinischer Achtsamkeitsinterventionen zukommen.

Die Studie wird von der Bial-Stiftung , Porto, Portugal und vom Samueli Institute , Alexandria, VA, USA gefördert.