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Sektion Versorgungsforschung und Rehabilitationsforschung

Praxisempfehlungen

In mehreren von der Deutschen Rentenversicherung Bund geförderten Forschungsprojekten wurden in unserer Einrichtung evidenzbasierte Praxisempfehlungen zu verschiedenen Themenbereichen erarbeitet:

Zum einen wurden Praxisempfehlungen für psychologische Interventionen in der medizinischen Rehabilitation entwickelt, und zwar für die Indikationen chronische Rückenschmerzen, koronare Herzerkrankung, onkologische Erkrankungen (Mamma-, Prostata- oder Kolonkarzinom), Diabetes mellitus Typ 2 oder Schlaganfall.

In einem Folgeprojekt (Laufzeit 2017-2018) sollen für die drei neurologischen Indikationsbereiche Schlaganfall (aus dem Vorgängerprojekt), Parkinson-Syndrom und Multiple Sklerose gemeinsame, modular aufgebaute Empfehlungen entwickelt werden. Dabei sollen den drei Indikationsbereichen gemeinsame Problemlagen in einem allgemeinen Grundmodul Neurologie zusammengefasst und spezifische Module für jeden Indikationsbereich erarbeitet werden.

Zum anderen wurden Praxisempfehlungen zum Umgang mit komorbiden Suchtproblemen in nicht auf Sucht spezialisierten Rehabilitationseinrichtungen entwickelt. Diese richten sich an die Gesamtgruppe der Mitarbeiter/-innen somatischer und psychosomatischer Rehabilitationseinrichtungen, die nicht auf Abhängigkeitserkrankungen spezialisiert sind.

Praxisempfehlungen für psychologische Interventionen in der Rehabilitation:

Chronische Rückenschmerzen, Koronare Herzerkrankung, Onkologische Erkrankungen (Mamma-, Prostata- oder Kolonkarzinom), Schlaganfall und Typ-2-Diabetes

Hintergrund

Vorliegende Leitlinien der Fachgesellschaften oder die Reha-Therapiestandards der Deutschen Rentenversicherung schließen psychologische Interventionen explizit ein, sie können praktisches psychologisches Handeln in der Rehabilitation im Einzelfall aber oft nicht leiten, da sie nicht differenziert genug sind oder sich nicht spezifisch auf die Rehabilitation beziehen.

Daher wurden in zwei Forschungsprojekten (Förderung: Deutsche Rentenversicherung Bund; Laufzeiten: 2009-2012; 2014-2016) evidenzbasierte Praxisempfehlungen für psychologische Interventionen in der medizinischen Rehabilitation entwickelt, und zwar für die Indikationen chronische Rückenschmerzen, koronare Herzerkrankung, onkologische Erkrankungen (Mamma-, Prostata- oder Kolonkarzinom), Schlaganfall und Typ-2-Diabetes.

Ziel war die Formulierung von möglichst konkreten, auf einzelne Problemlagen bezogenen Empfehlungen für psychologisches Handeln in der Rehabilitation.

Methode

Die Praxisempfehlungen wurden in mehreren Schritten entwickelt. Für jede Indikation führten wir eine umfassende, systematische Recherche nach relevanten Übersichtsarbeiten und Leitlinien durch. Gleichzeitig befragten wir die psychologischen Abteilungen in stationären und ambulanten Reha-Einrichtungen, in denen die jeweiligen Indikationsbereiche behandelt werden, zu den Strukturen und zur Praxis ihrer Tätigkeit. Auf Basis dieser Ergebnisse wurden im Rahmen von indikationsspezifischen Expertenworkshops Konsultationsfassungen der Praxisempfehlungen formuliert.

Diese Konsultationsfassungen schickten wir mit der Bitte um Kommentierung an die leitenden Psychologen und Chefärzte aller Reha-Einrichtungen mit den jeweiligen Indikationsbereichen. Außerdem diskutierten wir im Rahmen von Fokusgruppen mit Rehabilitanden über zentrale Aspekte der Praxisempfehlungen. Die Anmerkungen und Kommentare wurden von uns ausgewertet und bei der abschließenden Konsentierung der Praxisempfehlungen durch die Experten berücksichtigt.

Praxisempfehlungen zum Umgang mit komorbiden Suchtproblemen in der somatischen und psychosomatischen Rehabilitation

Hintergrund

Das Thema „problematischer Suchtmittelkonsum“ (riskanter Konsum, schädlicher Gebrauch und Abhängigkeit) macht vor somatischen und psychosomatischen Rehabilitationseinrichtungen keinen Halt. Dabei bietet die Rehabilitation aus einer Reihe von Gründen gute Voraussetzungen für die Diagnostik möglicher Suchtprobleme sowie Beratung, Schulung und ggf. Vorbereitung einer weiterführenden Behandlung. Gleichzeitig wird das Thema in den Einrichtungen von den Mitarbeitern kontrovers diskutiert und es herrschen Unsicherheiten in Bezug auf den Umgang mit dem Thema.

Daher wurden im Projekt „Praxisempfehlungen zum Umgang mit komorbiden Suchtproblemen in der somatischen und psychosomatischen Rehabilitation“ (Förderung: Deutsche Rentenversicherung Bund; Laufzeit: 2014-2015) entsprechende evidenzbasierte Empfehlungen entwickelt. Sie richten sich an die Gesamtgruppe der Mitarbeiter/-innen somatischer und psychosomatischer Rehabilitationseinrichtungen, die nicht auf Abhängigkeitserkrankungen spezialisiert sind, und sollen dazu beitragen, die Handlungssicherheit der Mitarbeiter zu erhöhen. Dies steht auch im Einklang mit der aktuellen S3-Leitlinie „Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen“, die eine systematische Erhöhung des Problembewusstseins in allen Versorgungsbereichen, den Ausbau von Konsil- und Liasondiensten sowie die Intensivierung von Maßnahmen zur Früherkennung  fordert.

Die Praxisempfehlungen beziehen sich auf alle stoffgebundenen Suchtprobleme (Alkohol, Medikamente und illegale Rauschdrogen) mit Ausnahme von Tabak.

Methode

Die Praxisempfehlungen wurden in mehreren Schritten entwickelt. Wir führten eine umfassende, systematische Recherche nach relevanten Übersichtsarbeiten und Leitlinien durch. Gleichzeitig befragten wir in einer bundesweiten Befragung stationäre Reha-Einrichtungen aller Indikationsbereiche (mit Ausnahme von Fachkliniken für Abhängigkeitserkrankungen) zur gegenwärtigen Praxis ihres Umgangs mit dem Thema. Auf Basis dieser Ergebnisse wurde im Rahmen eines Expertenworkshops eine Konsultationsfassung der Praxisempfehlungen formuliert.

Diese Konsultationsfassung schickten wir mit der Bitte um Kommentierung an die ärztlichen Leitungen aller stationären und ambulanten Reha-Einrichtungen mit Ausnahme von Fachkliniken für Abhängigkeitserkrankungen und reinen Kinder- und Jugendlicheneinrichtungen. Außerdem diskutierten wir im Rahmen von Fokusgruppen mit Rehabilitanden über zentrale Aspekte der Praxisempfehlungen. Die Anmerkungen und Kommentare wurden von uns ausgewertet und bei der abschließenden Konsentierung der Praxisempfehlungen durch die Experten berücksichtigt.

Kampling, H., Reese, C. & Mittag, O. (2015). Die (neuro-)psychologische Rehabilitation nach Schlaganfall: Eine bundesweite Befragung zu Strukturen und Praxis in der stationären und ambulanten neurologischen Rehabilitation. Rehabilitation, 54, 332-338.

Mittag, O. & Reese, C. (2013). Die Entwicklung von Praxisempfehlungen für psychologische Interventionen in der Rehabilitation von Patienten mit koronarer Herzkrankheit: Methoden und Ergebnisse. Die Rehabilitation, 52, 266-272.

Mittag, O., Reese, C., Gülich, M. & Jäckel, W.H. (2012). Strukturen und Praxis der Psychologischen Abteilungen in der orthopädischen und kardiologischen Rehabilitation: Vergleich zwischen ambulanten und stationären Einrichtungen in Deutschland. Das Gesundheitswesen, 74, 778-783.

Reese, C., Hübner, P., Petrak, F., Schmucker, D., Weis, J. & Mittag, O. (2016). Strukturen und Praxis der psychologischen Abteilungen in der onkologischen und diabetologischen Rehabilitation: Ergebnisse einer bundesweiten Befragung. Die Rehabilitation, 55, 40-47.

Reese, C., Jäckel, W. H. & Mittag, O. (2012). Die somatische Rehabilitation als Arbeitsfeld für Psychologen: Ergebnisse einer bundesweiten Befragung zu Strukturen und Praxis in der stationären orthopädischen und kardiologischen Rehabilitation. Die Rehabilitation, 51, 142-150

Reese, C. & Mittag, O. (2013). Entwicklung von Praxisempfehlungen für psychologische Interventionen in der Rehabilitation von Patienten mit chronischen Rückenschmerzen: Methoden und Ergebnisse. Das Gesundheitswesen, 75, 832-837.

Reese, C. & Mittag, O. (2013). Psychological interventions in the rehabilitation of patients with chronic low back pain: evidence and recommendations from systematic reviews and guidelines. International Journal of Rehabilitation Research Research, 36, 6-12.

Reese, C., Petrak, F. & Mittag, O. (2016). Entwicklung von Praxisempfehlungen für psychologische Interventionen in der Rehabilitation von Patienten mit Typ-2-Diabetes: Methoden und Ergebnisse. Die Rehabilitation, 55, 299-304.

Reese, C., Spieser, A. & Mittag, O. (2012). Psychologische Interventionen in der Rehabilitation von Patienten mit koronarer Herzerkrankung: Zusammenfassung der Evidenz und der Empfehlungen aus systematischen Übersichtsarbeiten und Leitlinien. Die Rehabilitation, 51, 405-414.

Reese, C., Weis, J., Schmucker, D. & Mittag, O. (2016). Development of practice guidelines for psychological interventions in the rehabilitation of patients with oncological disease (breast, prostate or colorectal cancer): methods and results. Psycho-Oncology. DOI: 10.1002/pon.4322 [Epub ahead of print]

Schlöffel, M., Funke, W., Pollmann, H., Köhler, J., Sellmer, S., & Mittag, O. (2016). Gegenwärtige Praxis des Umgangs mit komorbiden Suchtproblemen in nicht auf Sucht spezialisierten Rehabilitationseinrichtungen – Ergebnisse einer deutschlandweiten Befragung. Die Rehabilitation, 55, 95-101.

Schlöffel, M. & Mittag, O. (2016). Die somatische und psychosomatische Rehabilitation als möglicher Zugangsweg zum Suchthilfe- und Behandlungssystem – Praxisempfehlungen zum Umgang mit komorbiden Suchtproblemen. Sucht Aktuell, 1, 85-87.

Sektion Versorgungsforschung und Rehabilitationsforschung

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