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Klinik für Thoraxchirurgie

Gutartige Lungentumoren

Thoraxchirurgie

Ca. 1 % der Lungentumoren sind gutartig (benigne). Die gutartigen Lungentumoren können von allen in der Lunge vorkommenden Zelltypen abstammen. Sie können im Lungengewebe (parenchymal) oder in den Atemwegen (endobronchial) lokalisiert sein.

Typen von gutartigen Lungentumoren

Hamartome

Der häufigste gutartige Tumor ist das Hamartom und macht ca. 77 % aller gutartigen Lungentumoren aus. Hamartome sind eine Mischung aus verschiedenen Geweben, die zur normalen Ausstattung der Lungen gehören wie z. B. glatte Muskulatur, Kollagen, Knorpel, Fettgewebe. Die Hamartome in der Lunge können im Lungengewebe (parenchymal) oder in den Atemwegen (endobronchial) liegen. 90 % der Hamartome kommen als einzelne periphere Tumoren im Lungengewebe vor. Hamartome in der peripheren Lunge sind gewöhnlich ohne Symptome. Seltener liegen die Hamartome endobronchial. So können dann Bluthusten (Hämoptysen), Husten oder wiederholte Lungenentzündungen auftreten. Hamartome kommen häufig bei Menschen zwischen dem 40.–60. Lebensjahr vor, häufiger bei Männern als bei Frauen (2:1). Hamartome der Lunge wachsen langsam. Gewöhnlich werden sie bei einer Größe zwischen 1–2 cm entdeckt, aber es werden auch größere beobachtet.

Hamartome sind im Röntgenbild oder in der Computertomographie gewöhnlich gut abgrenzbar. Meistens sind sie rundlich und haben scharfe Grenzen. 10–30 % sind kalzifiziert (d. h. es findet sich im Computertomogramm gut erkennbarer Kalk), 30–75 % besitzen Fettansammlungen, 90 % kommen als einzelne Veränderung vor und mehr als 80 % sind in der Lungenperipherie gelegen.

Adenome

Ein Adenom ist ein gutartiger, epithelialer, drüsiger Tumor, der in jedem Lebensalter auftreten kann. Es gibt monomorphe Formen wie z. B. das Zystadenom und pleomorphe Formen. Eine mögliche maligne Entartung wird diskutiert. Bei lediglich endobronchialer Abtragung besteht die Neigung zu Rezidiven.

Papillom

Papillome liegen endobronchial und bestehen aus epithelialen Zellen. Als Ursache der Schleimhautwucherung wird eine Infektion mit humanem Papillomavirus angenommen.

Chondrom

Chondrome sind von bronchialem Knorpelgewebe ausgehende Tumoren und zählen zu den Hamartomen. Daher werden sie auch Hamartochondrome genannt.

Leiomyome

Leiomyome sind gutartige Tumore, die aus glatten Muskelzellen bestehen. Leiomyome machen 2 % der gutartigen Lungentumoren aus. Sie können ebenfalls im Lungengewebe oder in den Luftwegen auftreten. Leiomyome kommen gewöhnlich im mittleren Lebensalter vor und bei Frauen häufiger als bei Männern. Bei Frauen mit Leiomyomen in der Gebärmutter können multiple Leiomyome in der Lunge auftreten.

Hämangiome

Gutartig, aus neugebildeteten, ausgeweiteten Blutgefäßen bestehend.

Teratome

Tumoren aus differenziertem Gewebe, die von allen drei Keimblättern ausgehen können. Sie kommen selten in der Lunge vor, häufiger findet man sie im Mediastinum.

Fibrome

Fibrome sind Bindegewebstumoren.

Histiozytome

Histiozytome können überall vorkommen. Am häufigsten sind sie an den Extremitäten lokalisiert. Das fibröse Histiozytom ist ein gutartiger Lungentumor, der aus Kollagen, Entzündungszellen und mesenchymalem Gewebe besteht.

Lipome

Lipome sind Fettgewebstumoren.

Pulmonale Endometriose

Diese geht wahrscheinlich von pluripotentem Lungengewebe aus.

Abb. 1: Computertomographie mit einem Aspergillom in der linken Lunge.

Entzündliche und reaktive Lungenrundherde

Granulome

Etwa 40 % aller Rundherde sich Granulome – kleine, granulomatöse, entzündliche Knoten. Das Wort „Granulom“ kommt aus dem lateinischen „Granum“ und heißt „Korn“ oder „Samen“. Unter dem Mikroskop sind Granulome durch ihre knotige Struktur und durch ihr charakteristisches Zellbild gekennzeichnet. Granulome können sich in fast jedem Teil des Körpers bilden; innerlich und äußerlich. Es gibt verschiedenen Formen von granulomatösen Erkrankungen unter anderem auch die Tuberkulose. Tuberkulome sind oft verkalktes Narbengewebe nach abgeheilter Lungentuberkulose.

Pilzinfektionen

Auch Pilzinfektionen können sich als Lungenrundherd präsentieren. Während sie in Deutschland selten sind, kommen Pilzinfektionen insbesondere in manchen Regionen der USA sehr häufig vor. Auch US-Reisende können davon betroffen sein. Typische Pilzerreger sind: Histioplasmose, Coccidiomykose und Blastomycose. Bei immunsuppremierten Patienten z. B. nach Leukämien und Chemotherapie kann eine Aspergillose auftreten. Diese wird medikamentös behandelt. Manchmal kommt es jedoch nicht zur Ausheilung und es bildet sich ein Aspergillom. Dieses erscheint im CT-Thorax als Hohlraum mit einem Pilzgeflecht (Abb. 1). Zur endgültigen Ausheilung muss das Aspergillom operativ entfernt werden.

Echinokokkose (Fuchs- und Hundebandwurm)

Die Echinokokkose ist eine seltene Parasitenerkrankung. Bei 59 % der Erkrankten liegt nur ein Befall der Leber vor. Die Lungenechinokokkose verläuft in der Regel symptomfrei. Erst bei großen Zysten können Husten, thorakale Schmerzen, Bluthusten oder Luftnot auftreten. Zysten sollten wenn möglich immer operativ entfernt werden.

Symptome

Gutartige Lungentumoren sind meistens ohne Symptome und werden häufig als Zufallsbefund bei Röntgenaufnahmen gefunden, die aus anderen Gründen, etwa zu einer Operationsvorbereitung durchgeführt werden. Typisch sind kleine Tumoren von 1–2 cm Durchmesser. Diese sind in der Röntgenuntersuchung nicht von einer bösartigen Veränderung zu unterscheiden. Bösartige Lungenrundherde sind häufig Lungenkrebse im Frühstadium oder Tochtergeschwülste (Metastasen) von Tumoren aus anderen Körperregionen.

Abb. 2: Röntgenbild mit zufällig aufgefallenem Lungenrundherd.

Diagnose

Die wichtigste Maßnahme bei einem neu nachgewiesenen Lungentumor ist herauszufinden, ob es sich um eine gutartige oder um eine bösartige Veränderung handelt. Anhand des Röntgenbildes oder der Computertomographie lässt sich diese Entscheidung jedoch nicht eindeutig treffen.

Dazu kann die Krankengeschichte des Patienten bereits wertvolle Hinweise geben. Auch Blutwerte können diagnoseweisend sein. An apparativen Untersuchungen kann, neben der Röntgenaufnahme des Brustkorbs, eine Computertomografie des Brustkorbs und eine Positronen-Emissions-Tomografie (PET) weiteren Aufschluss über die Natur des Lungentumors geben. In den meisten Fällen wird es jedoch unvermeidlich sein, eine Gewebeprobe zu gewinnen, um diese unter dem Mikroskop zu untersuchen. Dazu kann man versuchen den Herd mit einer Nadel zu punktieren, entweder mit Hilfe einer Spiegelung der oberen Luftwege und der Bronchien (Bronchoskopie) oder von außen durch die Haut hindurch mit einer in den Herd eingeführten Nadel (Transthorakale Biopsie).

Wenn sich der Patient in einem operablem Zustand befindet, kann auf eine Gewebeprobe verzichtet und der Herd in einem operativen Eingriff ganz entfernt werden. Durch die Operation kann letztlich eine nahezu 100 %-ige Diagnose gestellt und eine weitere Therapie angeschlossen werden.

Gutartige Lungentumoren sind in der Regel ohne Symptome (Krankheitszeichen) und werden häufig zufällig entdeckt (Abb. 2).

Therapie

Während bei gutartigen oder entzündlichen Veränderungen häufig keine weitere Therapie erforderlich ist, bedürfen bösartige Tumoren der möglichst raschen weiteren Abklärung und Behandlung. Gerade weil zufällig entdeckte, kleine bösartige Geschwülste gute Heilungschancen haben, sollte es bei der Abklärung zu keiner zeitlichen Verzögerung kommen.

Die Therapiemöglichkeiten hängen vor allem von der Lage des Tumors ab. Endobronchial gelegene Tumoren können in der Bronchoskopie z. B. mit Hilfe eines Lasers oder Argonbeamers abgetragen werden. Liegt der Lungentumor im Lungenparenchym wird der Thoraxchirurg entweder eine minimal-invasive Operation oder eine Thorakotomie vorschlagen. Ein solcher Eingriff kann heute häufig in Form einer minimal-invasiven Operation („Schlüssellochchirurgie“) vorgenommen werden. Nach der Entfernung des Tumors wird das Gewebe vom Pathologen unter dem Mikroskop untersucht, der so in fast allen Fällen eine eindeutige Diagnose stellen kann. In den meisten Fällen ist der Patient nach der Operation geheilt. Je nach Diagnose können aber auch weitere Therapien notwendig sein.

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