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Wir überwinden Grenzen

Im Portrait

"Blick über den Tellerrand"
Prof. Dr. Christoph Peters

Fast eine halbe Million Krebs-Diagnosen werden jedes Jahr in Deutschland gestellt. Trotz neuer, individueller Therapien sterben jährlich bundesweit mehr als 200.000 Menschen an der Erkrankung. Kliniker und Forscher müssen diese Herausforderung gemeinsam meistern, sagt Prof. Dr. Christoph Peters.   

Noch vor einigen Jahrzehnten arbeitete der Mediziner in der Klinik und der Wissenschaftler im Institut – dazwischen verlief eine Grenze. Einen geregelten Austausch gab es nicht, ganz zu schweigen von der gemeinsamen Suche nach neuen Ansätzen, um kranken Menschen zu helfen. Das sei zum Glück heute anders, betont Prof. Dr. Christoph Peters. Er entschied sich Mitte der 70er Jahre für ein Medizinstudium, weil er forschen wollte. Doch nicht im „Elfenbeinturm“, ihm war und ist es wichtig, eine Brücke von der Wissenschaft zum Patienten zu schlagen. Sein beruflicher Weg zeigt, wie die Verknüpfung von Forschung und klinischer Arbeit funktioniert. Als Direktor des Instituts für Molekulare Medizin und Zellforschung an der Universität Freiburg steht er für wissenschaftliche Grundlagen, als wissenschaftlicher Direktor des Tumorzentrums Freiburg – CCCF für die so genannte translationale Forschung, also die Übertragung von wissenschaftlichen Erkenntnissen an das Krankenbett.   

„Ich will das Leben besser verstehen“, erklärt der 56-Jährige. „Mich interessieren die Erkrankungen und deren molekularen Ursachen.“ Am Patienten habe der Arzt, der 1996  nach Freiburg berufen wurde, noch nie unmittelbar gearbeitet. Trotzdem sei er über seine klinischen Kollegen nah an den krebserkrankten Menschen. Durch das gemeinsame Tumorzentrum werde der Austausch angeregt und geregelt. Fragen aus der Behandlung fließen in seine Forschung und Erkenntnisse der Forschung in neue Therapien. Deutlich wird dies beispielsweise durch die heute aus der therapeutischen Entscheidung nicht mehr wegzudenkende DNA-Sequenzierung, das heißt die genaue Betrachtung des Erbguts.     

Immer individuellere Therapien

Tumorboards lassen die Zusammenarbeit lebendig werden: Experten verschiedener Fachrichtungen besprechen gemeinsam die Behandlung krebskranker Patienten. Dabei stehen vor allem Menschen im Mittelpunkt, die schon alle Therapien durchlaufen haben und bei denen neue Ansätze gefunden werden müssen. Bei der Frage, welcher Therapieplan eingesetzt wird, spielen zunehmend molekulare Aspekte eine Rolle.  

Anregungen aus den Tumorboards und aus der täglichen Behandlung der Patienten nehmen Prof. Peters und seine Kollegen mit in die Forschung. „Unser Sonderforschungsbereich 850 ist ein Beispiel dafür. Wir wissen, dass die meisten Tumorpatienten an ihren Metastasen versterben. Deshalb betrachten wir die zugrundeliegenden Prozesse und suchen nach Wegen, die Metastasierung zu verzögern oder gar zu verhindern. Daraus entwickeln wir neue therapeutische Ansätze, die – wenn sie sich in klinischen Studien bewähren -, den Patienten direkt zugutekommen.“  

Die Krebserkrankung fächere sich in immer weitere Subzweige, die Behandlung werde zunehmend  auf den Patienten maßgeschneidert. „Krebs war bis vor wenigen Jahren zumeist eine akute Erkrankung, nun wird er mehr und mehr zu einer chronischen Erkrankung. Lebensverlängerung und gute Lebensqualität spielen dabei eine große Rolle.“ Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es Krebserkrankungen gibt, bei denen bisher nur wenig geholfen werden kann. Besonders gegenwärtig wird dies Prof. Peters, wenn er einen Menschen aus seinem persönlichen Umfeld an den Krebs verliert, dann fühle man sich unzulänglich, sagt er. „Meine Frau ist Kinderonkologin, sie behandelt am Uniklinikum unter anderem Leukämien. Viele der Kinder, die vor 20 Jahren noch gestorben wären, können heute tatsächlich geheilt werden. Ich bin optimistisch, dass wir auch bei anderen Krebserkrankungen in 20 Jahren viel weiter sein werden.“

Vernetzung als tägliche Aufgabe

Seine Aufgabe als wissenschaftlicher Direktor des Tumorzentrums Freiburg – CCCF heißt Vernetzung. Er koordiniert Forschung, bringt Forscher und Kliniker, aber auch Forscher unterschiedlicher Fachrichtungen zusammen, stößt neue Projekte an und bündelt Verbundprojekte. Ganz konkret zeigt sich seine Arbeit in den Sonderforschungsbereichen und in der Partnerschaft im Deutschen Konsortium für translationale Krebsforschung – als einer von acht Standorten. Letztlich hänge aber der Erfolg von den einzelnen Forschern und Klinikern ab, von deren Engagement, das oft weit über das Normalmaß hinausgeht, und dem Willen zusammenzuarbeiten.

Universitätsklinikum Freiburg

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